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Podiumsdiskussion: Flughafen als größter Ultrafeinstaub-Verursacher

Der Sprecher der Grünen im Landtag, Frank Kaufmann, und der Raunheimer BI-Sprecher, Horst Bröhl-Kerner, äußern sich bei einer Podiumsdiskussion des Ortsverbands der Grünen zu Aspekten des Frankfurter Flughafens.
Frank Kaufmann (MdL, links) und Horst Bröhl-Kerner (BI gegen Fluglärm) diskutieren über den Fluglärm und die Ultrafeinstaubbelastung durch den Frankfurter Flughafen. Foto: (Rüdiger Koslowski) Frank Kaufmann (MdL, links) und Horst Bröhl-Kerner (BI gegen Fluglärm) diskutieren über den Fluglärm und die Ultrafeinstaubbelastung durch den Frankfurter Flughafen.
RAUNHEIM. 

„Die letzten Wochen haben die starke Fluglärmbelastung der Raunheimer Bevölkerung gezeigt“, machte Gernot Lahm, der Partei- und Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen Raunheim, deutlich. Wochenlang hätten die Flugzeuge über den Raunheimer Dächern zum Landeanflug angesetzt und das nicht nur tagsüber, sondern auch während des Nachtflugverbotes.

Der richtige Zeitpunkt also, zwei ausgewiesene Fachmänner in Sachen Flughafen und Fluglärm zu einer Podiumsdiskussion einzuladen: Frank Kaufmann, flughafenpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, sowie Horst Bröhl-Kerner, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) gegen Fluglärm waren gekommen. „Es bleibt nicht aus, weiter Widerstand zu leisten“, meinte Bröhl-Kerner angesichts der Lärmbelastung. Es bedürfe durchaus der Aktivitäten der Bürgerinitiativen, pflichtete Kaufmann bei. Denn die Politik alleine könne nur wenig gegen den Fluglärm ausrichten.

Studie im Wahlprogramm

Die Grünen wollten im Bürgersaal vor den rund 25 Gästen einiges von den Fachleuten wissen: Unter anderem standen der Ultrafeinstaub, die Südumfliegung, das Nachtflugverbot, die Verspätungen und die daraus resultierenden Landungen während des Nachtflugverbotes auf ihrer Agenda. Der Ortsverband schloss sich der Forderung der BI an, eine ähnliche Untersuchung wie die Norah-Studie 2015 zur Wirkung des Fluglärms durchzuführen. Darin hatten Fachleute aus Medizin, Psychologie, Sozialwissenschaft, Physik und Akustik die Auswirkungen von Verkehrslärm auf die Lebensqualität und die Gesundheit der Bevölkerung untersucht. Das Anliegen sei bereits in das Wahlprogramm aufgenommen worden, teilte der Verband mit.

Gesundheitliche Folgen seien durch den Ultrafeinstaub nicht auszuschließen, so Kaufmann weiter. Es sei nun wichtig herauszufinden, woher der Ultrafeinstaub kommt. Womöglich werde die Feinstaub-Belastung vom Flughafen selbst und nicht von den Überflügen verursacht. Kaufmann wolle aber nicht die Flugzeuge als Verursacher ganz ausschließen.

Der Bericht des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie zur Ultrafeinstaubelastung habe erstmals den Flughafen als wahrscheinliche Quelle für die gemessenen Konzentrationen genannt, betonte BI-Sprecher Bröhl-Kerner an der Stelle. Eine Studie in Los Angeles weise außerdem eindeutig nach, dass auch die Flugzeuge bei ihren Überflügen Ultrafeinstaub ausstoßen. Die Hauptquelle in Raunheim sei der Landeanflug bei Ostwetterlage.

Beim Thema Südumfliegung verwies der flughafenpolitische Sprecher an die Zuständigkeit der Deutschen Flugsicherung. „Umfliegen heißt, dass die Flugzeuge schon in der Luft sind“, erklärte er die Zuständigkeiten. Kaufmann kritisierte gleichwohl die „archaische Rechtsordnung“, die den Flugkapitänen weitgehend freie Hand ließen.

Keine Hilfe aus Berlin

Der Fachmann rechnet beim Nachtflugverbot nicht mit einer kurzfristigen Lösung. Aus Berlin erwarte er keine Unterstützung. Für die schwarz-rote Koalition herrsche bei den bestehenden Betriebsregelungen Bestandsschutz. Und auch bei den Verstößen gegen das Nachtflugverbot könne nur wenig unternommen werden, solange sich die Verspätungen nicht aus der Flugplangestaltung ergeben.

Den Bericht des Bundesumweltamtes und den Entwurf des Bundesumweltministeriums zur Novellierung des Fluglärmschutzgesetzes hielten die Grünen im Wesentlichen für richtig, bekräftigte Kaufmann. Ob das Gesetz jedoch tatsächlich überarbeitet werde, sei ungewiss. Bröhl-Kerner macht den „gigantischen Flugtourismus“ für die regelmäßig verspäteten Landungen verantwortlich. „Das kann nicht so bleiben“, sagte der BI-Sprecher unter Applaus. Es müsse möglich sein, ein komplettes Flugverbot zwischen 22 und 6 Uhr einzurichten. Was die Nichteinhaltung der Routen der Südumfliegung betreffe, müssten die Piloten zur Veranwortung gezogen werden, so Bröhl-Kerner. Sie müssten „gravierend sanktioniert“ werden, forderte er.

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