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Ausstellung in den Opelvillen: Fotografen zeigen eine Bilderfülle aus DDR- und Wende-Zeiten

Einblicke in die deutsch-deutsche Geschichte gaben die Fotografen Ute und Werner Mahler. Sie waren zu Gast in den Opelvillen. Im Rahmen der aktuellen Ausstellung über die Fotografen der DDR-Modezeitschrift „Sibylle“ veranschaulichten die beiden Mitgründer und Dozenten der Ostkreuzschule ihre Arbeit.
Die „Sibylle“-Fotografen Ute und Werner Mahler kurz vor dem Gespräch in den Opelvillen. Die „Sibylle“-Fotografen Ute und Werner Mahler kurz vor dem Gespräch in den Opelvillen.

Das Publikumsinteresse war groß, der bestuhlte Ausstellungsraum proppenvoll, als Ute und Werner Mahler rasch noch mal die Treppen hinab eilten, um im Mainvorland vor Beginn des Gesprächsabends eine Zigarette zu rauchen: Die beiden sind seit 40 Jahren ein Paar.

Seit den siebziger Jahren arbeiteten sie in der DDR als freie Fotografen. Bis heute sind sie fotografisch unabhängig unterwegs, sowie als Dozenten an der von ihnen 1990 in Berlin mitbegründeten Ostkreuzschule („Das Auge macht das Bild, nicht die Kamera“) tätig, traten Ute und Werner Mahler in den Opelvillen ebenso freimütig wie herzlich auf.

Opelvillen-Kuratorin Beate Kemfert begrüßte das Künstlerpaar und versprach dem Publikum „reiche Bilderfülle“, hatten Ute und Werner Mahler doch jede Menge Bildmaterial mitgebracht. Das gab Einblick in ihre Arbeit aus dem Studium an der Hochschule in Leipzig über freie Fotografie in der DDR bis hin zu neuen Projekten, die seit acht Jahren im Duo entstehen.

Der richtige Augenblick

Dass ihre Fotografie für die Modezeitschrift „Sibylle“ von Mitte der siebziger bis Mitte der neunziger Jahre nur einen Teil ihres Schaffens umfasst, dass sie mit kritischem, humanem Impetus als Fotografen für verschiedenste Medien und künstlerische Foren wirkten und wirken, wurde den Besuchern schnell klar. Der Dokumentarfotografie in Schwarzweiß, die mit subjektivem Blick auf den „entscheidenden Augenblick“ wartet, sind Ute und Werner Mahler bis heute verhaftet.

„Digital nur, wenn’s unumgänglich ist“ – da sind sie sich einig. Ute Mahler favorisiert nach eigenem Bekunden klar das Schwarzweißbild, das von ungleich höherer Intensität sei. Ihr Mann Werner Mahler will dabei lieber nicht pauschalisieren. Beide sagen, dass sie letztlich nie Modefotografie im strengen Sinn gemacht hätten, dass sie vielmehr die Models der „Sibylle“ – allesamt Laien – in typisches DDR-Ambiente gestellt haben. Und damit Inszenierungen schufen, die auf vielschichtige Lesart Realität abbilden. „Diese Vieldeutigkeit – poetisch, kritisch, unterfüttert mit Botschaften – beinhaltete dehnbare Interpretationsräume, die uns weniger angreifbar machten als die Texter. Ein Wort ist ein Wort, einmal ausgesprochen, steht es im Raum. Ein Bild ist vieldeutig“, erklärte Ute Mahler. Zwar habe es regelmäßig Kritik gegeben, doch Zensur griff nicht.

Für „Stern“ im Einsatz

Beide haben parallel zur Fotografie bei „Sibylle“ als freie Fotografen immer auch andere Arbeiten ausgeführt – Ute Mahler arbeitete etwa nach 1990 auch für den „Stern“. Die „Sibylle“, nach der Wende aufgekauft vom Gong-Verlag, sei im Rahmen dieses Fernsehzeitschriftenformats zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken, bevor 1994 vier Redakteurinnen im Selbstverlag noch mal versuchten, das Blatt zu retten: „Vergeblich – 1995 war Schluss. Es war eine Phase der Verunsicherung. Vorher hatten wir einen Standort, waren „anti“, doch was kam jetzt? Später erwies sich, dass es kein Problem war, Themen zu finden, aber damals war alles im Umbruch“, erinnert sich Mahler.

Mehr noch als Worte erzählten die Fotoserien, die Ute und Werner Mahler auf Leinwand zeigten, von ihrem fotografischen Anliegen über Jahrzehnte. Menschen in ihrem Lebensumfeld zu charakterisieren, sie teils über Jahrzehnte zu begleiten, wie etwa in Werner Mahlers Nachzeichnung der Lebensläufe ehemaliger DDR-Abiturienten oder in der Dokumentation des Dorflebens vor und nach der Wende, bezeugen fotografisches Fingerspitzengefühl.

„Jeder Mensch kann sehen und heute auch eine Kamera bedienen – aber macht ihn das zu einem Fotografen?“ Die kritische Frage der Dozenten der Berliner Ostkreuzschule erübrigte sich. „Stadtrand-Monalisen“ von Ute und Werner Mahler im Mix aus Inszenierung und Spontaneität fotografiert, oder die Serie „Seltsame Tage“, bei der das Paar das Grenzland der Ex-DDR nach rätselhaften Impressionen durchstreifte, bekundeten das Können dieser unbestechlichen, fotografischen Geschichtenerzähler.

Rahmenveranstaltungen zur Ausstellung „Sibylle – Die Fotografen“ gibt es unter www.opelvillen.de im Internet.

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