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Engagement: Frauenrechtlerin Christel Göttert mit dem Kulturpreis ausgezeichnet

Christel Göttert ist Kulturpreisträgerin des Kreises 2017: Die gebürtige Rüsselsheimerin ist eine Pionierin frauenpolitischen Schaffens über den Kreis hinaus und mit 75 Jahren noch immens aktiv.
Christel Göttert, eine bewegte Frau, in den Räumen ihres Frauenbuchverlags. Foto: (Charlotte Martin) Christel Göttert, eine bewegte Frau, in den Räumen ihres Frauenbuchverlags.
KREIS GROß-GERAU. 

„Feminismus hat viele Facetten, viele Entstehungsgeschichten“, sagt Christel Göttert beim Gespräch in den Räumen ihres 1992 gegründeten Frauenbuchverlags. Für diesen Verlag, einen der letzten seiner Art bundesweit, und für ihren immensen Beitrag zur Gründung des Rüsselsheimer Frauenforums, aus dem 1987 das Frauenzentrum entstand, sowie als Frau, die Frauen eine Stimme gibt – etwa auf der Internetplattform „beziehungsweise weiterdenken“ – erhält sie den Kulturpreis des Kreises. „Das freut mich. Der Preis hilft, frauenpolitische Themen und unsere Arbeit bekannter zu machen.“

So ging es Göttert auch mit Gründung ihres Verlages (Christel-Göttert-Verlag) darum, Frauen ein Forum zu geben – literarisch, philosophisch, künstlerisch und mit Geschichtsschreibung aus Frauensicht. „Ich will Texten von Frauen, die eine unerhörte, weil nirgend sonst publizierte, Relevanz haben, Gehör verleihen“, sagt sie. Ihr erstes Buch war die Dokumentation der Ausstellungen von Frauenkunst 1987 bis 1991, die sie als Mitgründerin des Frauenzentrums dort zu implementieren beitrug. „Frauen-Art“ heißt der Band, der Kurzbiografien und Abbildungen der Werke regionaler Künstlerinnen eint.

100 Bücher verlegt

„Die Motivation, das Buch zu machen, fußte auf feministischem Bewusstsein. Wir machten uns daran, Frauenkunst verstärkt öffentlich zu machen“, so Göttert. Das Buch ist eines von rund 100, die sie seitdem verlegt hat. Mithilfe freier Mitarbeit – Bettina Bremer ist Lektorin, Götterts langjähriger Ehemann Helmut übernahm viele Jahre den Druck und unterstützt bis heute administrativ – hält Göttert den Verlag am Leben.

„Nicht die Erfolgsprognose sondern die Bedeutung der Themen entscheidet, welches Buch ich verlege.“ Ab 2001 entstand im Göttert-Verlag auch die einzige deutsche Zeitung für Frauenbuchkritik („Virginia“), die die Verlegerin aber aus arbeitstechnischen Gründen 2012 an Britta Jürgs (AvivA Verlag Berlin) abgab. Internationale Vernetzung ist Usus, so dass sich etwa im Buch „Das Abc des guten Lebens“ Philosophinnen aus ganz Europa daranmachen, die Begrifflichkeiten im „postpatriarchalischen Denken“ mit frauenpolitisch bewusster Sprache zu hinterfragen. Nein, es sind keine Bestseller, die Christel Göttert verlegt – es sind Bücher, die „in Differenzen zu denken“.

Ein eigenes Leben

Göttert: „Frauen haben ein eigenes Leben. Es ist anders als das der Männer. Noch immer geht es um Gleichberechtigung – nicht in Konkurrenz, sondern im Diskurs und als Bereicherung. Wir leben alle auf Gesetzesgrundlagen, die von Männern gemacht sind.“ Antidiskriminierendes Engagement in jedweder Hinsicht motivierte Göttert früh, sich zu Wort zu melden – 1981 bis 1989 war sie Stadtverordnete, sorgte für Aufruhr, als sie im Namen der Freien Wählergemeinschaft Frauen mitgenannt sehen wollte und für die Bezeichnung „Freie Wählerinnen – und Wählergemeinschaft“ plädierte. Denn: Sprache schafft Wirklichkeit. Göttert: „Sprache hat Macht, und Frauen sind trainiert, sich mitzudenken. Kein Mann würde das mitmachen.“

1979 war Göttert Mitgründerin des Frauenhauses Raunheim. „Ich war 34 Jahre, hatte zwei Kinder, doch Leben meinte für mich immer lebenslanges Studium. Über berufliche Tätigkeit in der Evangelischen Industrie- und Sozialarbeit, über Seminare, die VHS, bei der wir die erste Räume fürs Frauenforum bekamen, fügte sich eins ins andere“, so Göttert. Selbsterfahrungsgruppen seien unabdingbar zur Stärkung der Frauen gewesen – seien es noch heute.

In Nachbarschaftsvernetzung, in Konzeptfindung paritätischer Kindergarten -und Schulpädagogik hat sie sich in ihrem Wohnbezirk immens eingebracht, ist Vorsitzende des Stadtteilvereins Dicker Busch. Integration von Migrantinnen und geflüchteten Frauen steht für Christel Göttert zudem auf der Agenda. „Die Frauenbewegung hat einiges fokussiert. Doch was erkämpft ist, muss gepflegt werden.“

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