Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Sternfreunde starten ein ganz besonderes Projekt zum Landesfest: Hessentag: Reise in 35000 Meter Höhe

Anlässlich des Hessentags ließ der Verein der Rüsselsheimer Sternfreunde erstmals in seiner Geschichte einen Stratosphärenballon steigen, um Luftaufnahmen und Messungen durchzuführen. Ob das Experiment geglückt ist, wird am kommenden Samstag sichtbar.
Gleich gehts los: Der Ballon fühllt sich mit Helium und steigt in den Himmel. Foto: Stella Lorenz Gleich gehts los: Der Ballon fühllt sich mit Helium und steigt in den Himmel.
Rüsselsheim. 

Als hätte man die Luft raus gelassen. So in etwa sieht der weiße Ballon aus, der einen guten Meter über dem Boden des Vereinsdorfs des Rüsselsheimer Hessentags schwebt. Tatsächlich ist es so, dass nichts aus dem Ballon entweicht, sondern etwas hineingepumpt wird: Ein gelber Schlauch verbindet ihn mit der braunen Gasflasche und füllt den Stratosphärenballon der Rüsselsheimer Sternfreunde nach und nach mit Helium. Er soll noch viel höher steigen als nur einige Meter – 35000 Meter, um genau zu sein.

Dafür bereiten die Vereinsmitglieder seit 10 Uhr am zweiten Veranstaltungstag des großen Hessenfests in großer Sorgfalt alles vor. „Das ist ein ganz spezielles Ereignis für den Hessentag“, erklärt der Vorsitzende Karl Benz. Erstmals in der über vierzigjährigen Vereinsgeschichte wird ein solches Projekt realisiert, das gleich mehreren Zwecken dient. Zum einen, so Benz, soll der Start neue Interessierte für die Amateur-Astronomie anlocken, denn die Mitgliederzahl, die derzeit bei 50 Hobby-Astronomen liegt, darf ruhig etwas steigen.

Zum anderen soll der Ballon einzigartige Aufnahmen des Hessentags einfangen und darüber hinaus noch verschiedene Daten, wie zum Beispiel Flughöhe, Luftdruck und Temperatur feststellen. Dafür haben die Sternfreunde eine Styropor-Box, nicht viel größer als ein Schuhkarton und etwa 2,5 Kilogramm schwer, mit mehreren technischen Geräten ausgestattet, quasi eine Blackbox ganz in weiß.

Eine GoPro-Kamera ist mit an Bord, zwei GPS-Tracker und zwei Sensoren, die zur Datenmessung dienen. Kurz vor dem Start, der für 11.30 Uhr angesetzt ist, werden die letzten Änderungen per Hand vorgenommen: Mit schwarzem Tape werden Ecken abgeklebt, zwei flügelartige Styroporplatten rechts und links angebracht – das gibt Stabilität beim Flug. Die Box wird mit roten Kunststoffschnüren mit einem Fallschirm verbunden, der unter dem Ballon befestigt wird.

Ballon explodiert

Der kleine Fallschirm ist essenziell für das Gelingen des Versuchs, erläutert Benz: „Ab einer gewissen Höhe sinkt der Luftdruck so stark, dass sich das Helium im Ballon ausdehnt – und dieser dann explodiert.“ Für die sanfte und unfallfreie Landung der Box sorgt also der Fallschirm.

„Wir gehen davon aus, dass der Ballon etwa dreieinhalb Stunden unterwegs ist“, sagt Dietmar Sellner von den Sternfreunden. Eine Software hat die etwaige Flugroute berechnet, voraussichtlich landet die Box in der Nähe von Sinsheim oder Heilbronn – knapp 90 Kilometer Luftlinie von Rüsselsheim entfernt. „Vermutlich müssen wir in die Wildnis, um die Box zu bergen“, sagt Sellner schmunzelnd. Er hat vorsichtshalber eine Leiter dabei, wenn er sich direkt nach dem Start mit einem Rescue-Team auf den Weg macht. Sobald die Landung bestätigt ist, schickt das Team eine SMS an den Datenlogger in der Box, die daraufhin ihre GPS-Daten preisgibt.

Aber für die Landung braucht es zunächst einen Start, und der steht nun unmittelbar bevor. Es ist kurz vor halb zwölf, alles wartet auf die Freigabe der Flugsicherung aus dem Tower am Frankfurter Flughafen. Glücklicherweise gab es bei der Absprache im Voraus keine Probleme, und auch das Wetter spielt mit: Der Ostwind, der den Rüsselsheimern öfter als ihnen lieb ist Fluglärm beschert, ist heute gnädig und weht stattdessen sanft aus Westen. „Bei Anflugverkehr über Rüsselsheim wäre der Start hier nicht möglich gewesen“, sagt Sellner.

Um 11.33 Uhr kommt dann endlich das ersehnte Go: „Wir haben die Freigabe!“ Der Ballon ist nun gar nicht mehr schlaff, sondern prall gefüllt und steigt gemächlich und unter liebevoller Aufsicht der Sternfreunde gen Himmel. Ganz sachte wird mehr und mehr Schnur nachgegeben, bis zuerst der kleine rote Fallschirm und dann auch die Box vom Ballon getragen werden. Als die letzte Verbindung zum Boden gekappt wird, gibt es großen Applaus. Und auch die Sternfreunde sind zufrieden. „Der Start war super“, freut sich Mechanik-Experte Herbert Heil. Der Ballon sei perfekt zwischen den Bäumen hindurch manövriert. Sein Vereinskollege Erek Weidner schaut ganz beseelt und stimmt zu: „Alles hängt noch dran, besser hätte es nicht laufen können.“

Eine Woche Spannung

Ein paar Minuten ist der Ballon noch am Himmel zu sehen, bald ist er nur ein kleiner Punkt, dann ganz hinter den Schönwetterwolken verschwunden. Das Rescue-Team macht sich auf in Richtung Baden-Württemberger Wildnis.

Sie wollen wissen, wie das Experiment ausgegangen ist? Am Samstag, 17. Juni, lädt der Verein der Rüsselsheimer Sternfreunde um 10 Uhr an der Ewald-Becher-Sternwarte zur Auswertung des Stratosphärenballons ein. Auch das Filmmaterial wird gezeigt.

Weitere aktuelle Infos zur Veranstaltung und zum Verein der Rüsselsheimer Sternfreunde gibt es unter der Adresse www.ruesselsheimer-sternfreunde.de im Internet.

Mehr aus Rüsselsheim

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse