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Radtour-Fühung: Horst Guthmann erzählt Geschichten aus Bauschheim

Zusammen mit Kultur 123 hatte der Verein „Für Bauschheim“ zu einer Fahrradtour rund um Bauschheim eingeladen. Dabei bekamen die Teilnehmer allerlei Skurriles und Wissenswertes aus der Geschichte des Rüsselsheimer Ortsteils zu hören.
Angeführt von Horst Guthmann erkunden die Teilnehmer den Ortsrand von Bauschheim. Angeführt von Horst Guthmann erkunden die Teilnehmer den Ortsrand von Bauschheim.
Bauschheim. 

„Am Rand ist Bauschheim auch noch schön“ ist die Veranstaltung betitelt. Wer dabei ist, könnte auf den Gedanken kommen, dass der Rand fast schöner ist als der Ort selbst. Goldgelbe Felder, üppige Wiesen, schattige Waldwege und ein pittoresker See – all das liegt entlang der Strecke. Gut gelaunt berichtet Horst Guthmann dem runden Dutzend Teilnehmer Geschichten aus der Vergangenheit des Ortsteils. So erfahren sie zum Beispiel, wo der Keesbach seinen Namen her hat. Dort soll früher der Klapperstorch die Babys hingeliefert haben. Durch die Algen, die an deren Ohren hängen geblieben seien, hätten sie an Käse erinnert – ein bisschen Fantasie müssen die Zuhörer hierfür schon mitbringen.

Ein besonderer Wohltäter des Ortes sei ein gewisser Herr Kästner gewesen. Der dürfte noch manchem Bauschheimer in guter Erinnerung sein, schließlich soll in seiner Kneipe jede elfte Flasche Wein umsonst gewesen sein.

Idyll am Gaulsee

Weiter geht die Fahrt zum Gaulsee. Mit Pferden habe der Name nichts zu tun, versichert Guthmann, auch wenn gerade eine junge Frau hoch zu Ross auf dem Weg zu einem benachbarten Reiterhof vorbei kommt.

Ein wahres Idyll ist der See, der ganz friedlich mitten im Grünen liegt. So friedlich soll es dort in der Vergangenheit nicht zugegangen sein. Viele Jahre war das Gewässer ein beliebter Badestrand, auch für weit her gereiste Schwimmer.

Horst Guthmann vom Verein „Für Bauschheim“ führt kundig und humorvoll durch Bauschheims Peripherie. Bild-Zoom
Horst Guthmann vom Verein „Für Bauschheim“ führt kundig und humorvoll durch Bauschheims Peripherie.

Sogar die Freikörperkultur sei damals hoch im Kurs gewesen. „Das war schön für uns junge Burschen“, erinnert sich Guthmann mit verschmitztem Lächeln. Wenn der daneben gelegene Reiterhof ein Turnier veranstaltete, soll es vorgekommen sein, dass weiblichen Badegäste oben ohne zum Würstchenstand gegangen sind.

Auch eine tragische Geschichte habe sich dort zugetragen. Bei einem Manöver am Strand – während eines Reitturniers – sei ein Gespann mit Kutsche in den See geraten. Der Kutscher konnte sich retten, doch die beiden eingespannten Pferde ertranken.

Mit Mistgabel gedroht

Nicht allen habe der Trubel am See gefallen, berichtet Guthmann: „Es gab einen Bauern, der hat die Badegäste mit der Mistgabel vertrieben“. Dem würde es dort heute wahrscheinlich besser gefallen.

Vor vielen Jahren wurde der Badebetrieb wegen Salmonellen eingestellt. Später hat ein Rüsselsheimer Angelverein den See übernommen. Heute dürfen die benachbarten Landwirte von dort Wasser für ihre Felder entnehmen.

Am alten Sportplatz, der heute Schießstand der Bogenschützen ist, kommen Erinnerungen an die glorreiche Vergangenheit der Bauschheimer Handballer hoch.

„Das waren die Helden hier“, sagt Guthmann und auch einige der Teilnehmer können sich noch gut an diese Zeit erinnern. „Hier war immer der Teufel los“, bestätigt eine Dame, Bauschheim habe damals schließlich auch erfolgreich in der Hessenliga mit gespielt. Noch größer soll der Trubel jedoch immer am ersten Mai gewesen sein. Da gab es ein Reitturnier, der Spielmannszug ist lautstark durch den Ort gezogen und das berühmte Handballturnier gehörte auch zum Programm.

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