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Vortrag: IG Metall-Vorstand spricht über Gewerkschaften und Rechtsextremismus

Um „Gewerkschaften und Rechtsextremismus“ ging es bei einem Vortragsabend vom DGB, der Initiative Arbeit und Leben Südhessen und des Aktionsbündnisses Soziale Gerechtigkeit Rüsselsheim. Es referierte Hans-Jürgen Urban, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall.
Die jüngsten Vorkommnisse aus Chemnitz waren Thema in Hans-Jürgen Urbans Vortrag über Gewerkschaften und Rechtsextremismus. Die jüngsten Vorkommnisse aus Chemnitz waren Thema in Hans-Jürgen Urbans Vortrag über Gewerkschaften und Rechtsextremismus.
Rüsselsheim. 

Seit einigen Jahren schon vergeht kaum ein Tag, an dem rechte, nationalistische oder rassistische Vorfälle und Aktionen nicht die Schlagzeilen beherrschen. Die jüngsten Vorfälle in Chemnitz, als nach einer tödlichen Messerattacke rechte Pöbel und linke Aktivisten aufeinander prallten, markierten dabei den vorläufigen traurigen Höhepunkt.

Hans-Jürgen Urban, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, sieht in diesen und ähnlichen Vorfällen eine Konsequenz der „Umbruchperiode des Kapitalismus“, in der sich die Gesellschaft bereits seit einigen Jahrzehnten befinde. Diese Umbruchperiode sei verbunden mit Arbeitslosigkeit und Armut beziehungsweise der Angst davor. Sie habe bei vielen Menschen, auch und besonders in Ostdeutschland, zu einer tiefen Verunsicherung geführt. „Und dieses hohe Maß an Verunsicherung bringt sie zu dummen Gedanken.“ Womit er zumindest Sympathie für rechte Parolen meint.

Stellung beziehen

Auf Einladung vom DGB, der Initiative Arbeit und Leben Südhessen und des Aktionsbündnisses Soziale Gerechtigkeit Rüsselsheim referierte Hans-Jürgen Urban am Dienstagabend in der Stadthalle vor mehr als 50 Zuhörern. Sein Thema: „Gewerkschaften und Rechtsextremismus“. Urban sieht es allein schon wegen der deutschen Geschichte während der Zeit des Nationalsozialismus und der damalige Rolle der Gewerkschaften als Pflicht, zum Rechtsextremismus der Gegenwart klar Stellung zu beziehen.

„Bei aller Politikverdrossenheit und Unzufriedenheit: Wer sich an solchen Aktionen einer regelrechten Menschenjagd beteiligt, hat mit uns nichts mehr zu tun“, bekräftigte Urban. „Dafür gibt es keinerlei Entschuldigung.“ Und mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen sprach Urban eine deutliche Warnung aus: „Wer die AfD wählt, öffnet denen die Tür.“ Wobei er mit „denen“ den Mob meinte, der in Chemnitz gezeigt hat, zu was er fähig ist.

Doch wie konnte es soweit kommen? Urban erinnerte an die 5,9 Millionen Stimmen, die die AfD bei der jüngsten Bundestagswahl bekommen habe. „Das sind nicht alles Faschisten, die die AfD gewählt haben. Die meisten haben die AfD aus Enttäuschung den anderen Parteien gegenüber gewählt“, zitierte er aus Wahlanalysen.

Fehlende Antworten

Selbstkritisch äußerten manche Zuhörer, dass die Gewerkschaften in den vergangenen zwei Jahrzehnten nicht immer die richtigen Antworten hatten. Stichwort Agenda 2010 oder auch aktuell die Rente mit 67. Einig waren sich Referent und Zuhörer: Für die Gewerkschaften sei es gerade jetzt wichtig, eine klare Kante zu zeigen, aber gleichzeitig auch offene Türen zu bieten. „Wir müssen gegen bestimmte Gruppierungen kämpfen. Wir müssen aber auch um bestimmte Gruppierungen kämpfen“, appellierte Urban an seine Zuhörer.

Fatal erinnere ihn die aktuelle Stimmung an die von Ende der zwanziger Jahre als die damalige Weimarer Republik auf die Zeit des Nationalsozialismus zusteuerte. „Auch bei Hitler hat man geglaubt, nach einigen Monaten sei alles vorbei.“ Die Geschichte habe allerdings eine gänzlich andere Entwicklung gezeigt.

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