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Dokumentensammlung: Im Stadtarchiv wird Geschichte lebendig

Das Internet vergisst nie, und Google findet alles. Bezogen auf die Geschichte Rüsselsheims kommt dem Stadtarchiv ähnliche Bedeutung zu: Es ist kommunales Gedächtnis und erste Quelle für stadtgeschichtliche Informationen. Und Gudrun Senska, Leiterin des Stadtarchivs, ist Hüterin dieses Wissens.
Die Leiterin des Rüsselsheimer Stadtarchivs, Gudrun Senska, zeigt einen Teil der Sammlungen. Foto: Asswin Zabel Die Leiterin des Rüsselsheimer Stadtarchivs, Gudrun Senska, zeigt einen Teil der Sammlungen.
Rüsselsheim. 

Das Rüsselsheimer Stadtarchiv in der Festung ist mehr als Verwahrungsort. Es ist Verwaltungsamt, Dienstleistungsbetrieb, Informationszentrum und wissenschaftliches Kulturinstitut in einem. Zum Bestand des Stadtarchivs gehören Urkunden, Akten und Sammlungen schriftlicher Quellen, ein Fotoarchiv mit über 10 000 Bildern sowie eine Bibliothek mit 15 000 Bänden und eine Sammlung lokaler und regionaler Zeitungen, beginnend im 19. Jahrhundert.

Dabei folgt die Aufgabenstellung einem gesetzlichen Auftrag: „Unsere Aufgabe ist im Hessischen Archivgesetz und in der städtischen Archivsatzung geregelt. Danach übernehmen wir vorrangig städtisches Schriftgut aus der Verwaltung, bewerten es hinsichtlich historisch relevanter Aspekte und erschließen es“, erklärt Gudrun Senska.

Handeln nachzeichnen

Ziel sei es, Verwaltungshandeln und städtische Aktivitäten auch künftigen Generationen nachvollziehbar und erklärbar zu machen. Archivwürdig sind alle Unterlagen, die für das Erforschen und das Verständnis von Geschichte und Gegenwart bedeutsam sind. Hinzu kommen alle Dokumente, die aufgrund von Rechtsvorschriften dauerhaft aufbewahrt werden müssen. Dazu prüft sie rund 30 Jahre alte Unterlagen der Stadtverwaltung, die nicht mehr in der Bearbeitung sind. Erst danach entscheidet sich, ob die Dokumente zur Aufbewahrung ins Archiv oder zur Vernichtung in den Datenschredder kommen.

Für die Überlieferung der Rüsselsheimer Geschichte gibt es daneben noch weiteres nützliches Archivgut. Dazu gehören beispielsweise Fotografien, Plakate, Flugschriften, Zeitungen, aber auch private Aufzeichnungen. „Erst kürzlich hat das Archiv eine Flugblattsammlung der IG Metall Opel übernommen“, berichtet Senska. Sie gebe die Geschichte der Arbeitnehmervertretung zwischen 1987 bis 2015 wieder.

Doch damit das Stadtarchiv nicht aus allen Nähten platzt, setzt Senska auf den Mut zur Lücke: „Man muss sich auch mal trauen, sich von etwas zu trennen. Andernfalls geht man in der Informationsflut unter“, sagt sie. Dass sie mit ihrer Schwerpunktsetzung recht erfolgreich ist, zeigt die Verleihung des hessischen Archivpreises aus dem Jahr 2013. Vor fünf Jahren wurde das Rüsselsheimer Archiv für seine umfangreiche Sammlung ausgezeichnet. Mit Weitblick hat sie weitere Bestände zusammengetragen und so einen Kontext erschlossen, in dem aus staubigen Verwaltungsakten lebendige Rüsselsheimer Geschichte werden konnte.

Strukturierende Arbeit

Gudrun Senskas eigene Geschichte im städtischen Archiv ist eng mit der ihres Vorgängers Dr. Wolfram Heitzenröder verknüpft. Anfang der 1980er Jahre ist mit ihm erstmalig ein Leiter des Stadtarchivs benannt worden. Ihm gelang es, die organisatorischen Voraussetzungen für den Ausbau des Archivs zu schaffen und es mit einer festen Stelle personell auszustatten. Seit Mai 1985 arbeitet Gudrun Senska nun daran, die Stadtgeschichte zu ordnen. Dafür sei es wichtig, so Senska, große Mengen an Informationen strukturieren und Bezüge herstellen zu können. Ihr Geschichts- und Politikstudium sei dazu eine gute Grundlage gewesen.

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt für sie sei außerdem die Frage, wie sie vor allem junge Menschen an Geschichte heranführen und näherbringen kann. Von diesem pädagogischen Anspruch profitiert aber nicht nur das Stadtarchiv, es macht sich im gesamten historischen Angebot der Stadt positiv bemerkbar. Denn eine weitere Besonderheit ist die enge Verbindung mit dem Stadt- und Industriemuseum. Senska ist in Personalunion, wie schon ihr Vorgänger, auch stellvertretende Leiterin des Museums, denn beide Einrichtungen sind in einem Amt zusammengefasst. Das ermöglicht sowohl eine personelle sowie eine konzeptionelle enge Zusammenarbeit und kommt vor allem bei gemeinsam erarbeiteten Ausstellungen zum Tragen. „Diese Verschränkung ist schon recht einmalig und ein großer Gewinn für Rüsselsheim. Denn erst die Objekte des Museums bringen die Papiere des Archivs zum Sprechen“, erklärt Senska.

Aktuell unterstützt Gudrun Senska unter anderem ein Studienprojekt der Universität Mainz, dessen Studierende mit der Erfassung städtischer Denkmäler befasst sind. Das Stadtarchiv hat donnerstags von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr geöffnet. red

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