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Alte Skulptur: In Vergessenheit geratenes Kunstwerk nach fast einem halben Jahrhundert gewürdigt

Paul Grützner aus Grävenwiesbach im Hochtaunuskreis könnte verdrossen sein. Ist er aber nicht. Eine Skulptur von ihm war über viele Jahre kaum beachtet worden. Jetzt würdigte die Gemeinde Nauheim seine Leistung nachträglich. Plötzlich ist klar, dass seine Arbeit noch immer aktuell ist.
Paul Grützner (vorne) und Hans Joachim Brugger vom Heimat- und Museumsverein enthüllen das Tetraeder-Denkmal. Paul Grützner (vorne) und Hans Joachim Brugger vom Heimat- und Museumsverein enthüllen das Tetraeder-Denkmal.
NAUHEIM. 

Der 73 Jahre alte Mann wirkt fröhlich und gelöst, wenn er erzählt, wie es dazu kam, dass er vor 45 Jahren für Nauheim ein Denkmal gestalten durfte. Seine Tetraeder-Skulptur stand einst am Schillerplatz, wucherte zu, wurde freigeschnitten, wurde erneut Opfer von zu viel Grünbewuchs und musste schließlich einem Neubau weichen.

Den neuen Standort findet Grützner passend. Am Tag der deutschen Einheit wurde sein Denkmal ein zweites Mal enthüllt. Es steht nun auf der sogenannten Wiedervereinigungswiese und ist Teil der Regionalparkroute. Der Weg an den Tetraedern vorbei wird regelmäßig frequentiert. Endlich komme seinem Werk die Bedeutung zu, die es verdient habe, waren sich die Mitglieder des Heimat- und Museumsvereins einig, die bei der Standortsuche tatkräftig mitgewirkt hatten.

Starker Bewuchs

Dass das Denkmal auf dem Schillerplatz wegen des starken Bewuchses in den Hintergrund gerückt war, wurmt Grützner nicht mehr. Er schmunzelt eher darüber, denn schon zur Jahrtausendwende waren die Verantwortlichen im Rathaus verwundert, als er sich meldete und anmerkte, dass von seiner Arbeit nichts mehr zu sehen sei. Noch heute erzählen Altvordere, dass sie jahrelang am Schillerplatz an den Tetraedern vorbei gegangen seien, ohne diese gesehen respektive beachtet zu haben.

Grützner war 28 Jahre alt und studierte an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach Industriedesign, als er das Werk anfertigte.

Wie kam es dazu? Vielleicht durch seine Frau Ne Hildegund. Sie sagt von sich: „Ich bin ein Nauheimer Mädchen“. Sie ist die Nichte des verstorbenen Ehrenbürgers Georg Mischlich, einst Dirigent des Musikvereins und des Opel-Werksorchesters. Die Grützners waren damals gut bekannt mit Helmut Linke, der für die Kommune den Sportpark gestaltete. „Linke hat den Schillerplatz am Sportpark ins Gespräch gebracht“, erinnert sich Grützner. Das Areal an der Ortseinfahrt sollte gleichermaßen hergerichtet werden, habe Linke vorgeschlagen.

Der damalige Bürgermeister Hermann Reitz (SPD, im Amt von 1969 bis 1975) sei vom Vorschlag angetan gewesen, Linkes Idee auf Zustimmung gestoßen. Jetzt galt es, einen Künstler zu finden.

250 Arbeitsstunden

„Kunst im öffentlichen Raum wurde damals ja noch nicht so gefördert“, ruft sich Grützner ins Gedächtnis. Dennoch seien mehrere Freischaffende um Vorschläge gebeten worden, nachdem Linke auf ein mögliches Honorar für die Gestaltung des Schillerplatzes verzichtet habe. Er habe die Zusage bekommen und die Tetraeder aus Aluminium in 250 Arbeitsstunden in Einzelteilen angefertigt, berichtet Grützner.

Noch heute ist er dankbar, dass ihn einige Nauheimer Firmen unterstützten, um die geschwungenen Elemente zu schleifen. 1972 habe das Denkmal 2800 Mark gekostet, wobei allein 2400 Mark für die Arbeitszeit angefallen seien. „Reich werden konnte ich davon nicht“, schmunzelt der Mann, der noch immer künstlerisch tätig ist und Antiquitäten restauriert. Bei der Bundesgartenschau in Köln habe er Arbeiten ausgestellt, in Friedrichsdorf nehme er regelmäßig an den Künstlertagen teil. Viel arbeite er mittlerweile mit Holz.

Grützner hätte gerne den Landschaftsarchitekten Linke bei der Wiedereinweihung dabei gehabt, aber der war verhindert. Anwesend aber war Bürgerin Franziska Lautenschläger, die sich noch an die Einweihung des Denkmals am ursprünglichen Platz erinnern konnte. Problemlos nannte die Seniorin die Namen von Honoratioren, die damals Grützners Werk beklatschten. Neben dem einstigen Bürgermeister dürften noch die früheren Gemeindevertreter Volker Engroff und Horst Glotzbach (beide SPD und bis vor wenigen Jahren im Ortsparlament) bekannt sein.

Bürgermeister Jan Fischer (CDU) bezeichnete Grützners Arbeit vor der Enthüllung am neuen Standort als zeitlos. Grützner bestätigte dies. Die einzelnen Elemente symbolisierten eine aufstrebende Kommune, in der immer mehr Menschen hinzu kommen. Gleichermaßen könne das Werk – auch heute noch – symbolisch mit weiteren Einzelteilen erweitert werden. Vorerst ist das allerdings nicht geplant.

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