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Rüsselsheimerin hat ihren Lebensmittelpunkt für ein Jahr nach Bolivien verlegt: Interview mit Ariane Krüger: Raus aus der Schule, rein ins Abenteuer

Raus aus der Schule, rein ins Abenteuer. Das dachte sich die damals 18-jährige Rüsselsheimerin Ariane Krüger, als sie im vergangenen Jahr nach ihrem Abitur zu einem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst nach Bolivien aufbrach. Das ist nun rund neun Monate her. Unser Redakteur Robin Göckes hat mit ihr über ihr neues Leben und gesammelte Erfahrungen gesprochen.
Die weite und menschenleere Gebirgslandschaft beeindruckt die Rüsselsheimerin Ariane Krüger, die ein Jahr lang der Heimat den Rücken kehrt. Foto: Privat Die weite und menschenleere Gebirgslandschaft beeindruckt die Rüsselsheimerin Ariane Krüger, die ein Jahr lang der Heimat den Rücken kehrt.

Hallo Ariane, vor neun Monaten bist du nach Bolivien aufgebrochen. Wie bist du denn empfangen worden?

Ich und meine Mitfreiwilligen sind wunderbar von unserem Organisationsleiter in Santa Cruz am Flughafen empfangen worden. Nach einem Tag Aufenthalt hatten wir direkt unsere erste lange Busfahrt nach Sucre. Mittlerweile ist die Zeit, die man im Bus verbringt, kein Problem mehr. Aber damals war es aber doch erstmal ein Schock.

Wieso das?
Also die erste Fahrt dauerte 14 Stunden. Da Bolivien drei Mal größer als Deutschland ist, kann es schon leicht mal vorkommen, dass man zwölf bis 14 Stunden im Bus sitzt. In Sucre mussten wir uns dann wegen des Migrations- und Visaprozesses drei Wochen aufhalten. Als wir schließlich in das Dorf kamen, in dem ich jetzt lebe und arbeite, wussten sofort alle Bescheid, dass die neuen Freiwilligen, die „Voluntarios“, angekommen sind.

Wie sieht denn dein Alltag aus. Einen ganz normalen Job, vielleicht auch noch mit Stechuhr, hast du dort ja nicht.
Mein Arbeitsalltag in einer Schule war erst mal ein Sprung ins kalte Wasser. Ich wurde direkt in einen Klassenraum geschickt, wo die Lehrerin mich als neue Englischlehrerin vorstellte, und mich alleine vor der Klasse stehen ließ, um sofort mit dem Unterricht zu beginnen. Und das mache ich jetzt immer Montag bis Freitag von 8 bis 13 Uhr – in der Grundschule Juan Vossing, die hier allerdings von der 1. bis zur 6. Klasse geht.

Fiel es dir am Anfang schwer, dich in einem neuen Kulturkreis zurechtzufinden?
Nein, nicht besonders. Ich habe ja vorher schon spanisch gesprochen. Das macht vieles leichter. Um Kultur und Traditionen noch besser kennenzulernen ist es perfekt, so wie ich in einem Dorf zu leben. Hier werden Feste und Kultur noch größer und traditioneller gefeiert und gelebt als in den Städten. Ich habe auch schon viele der traditionellen Tänze kennengelernt und durfte sogar auf dem großen Dorffest mittanzen.

Was sind denn die größten Unterschiede im Vergleich zu Rüsselsheim oder Deutschland?
Oh, das ist schwer. Da gibt es so viel. Immer wieder toll finde ich die unglaublich großen Märkte, auf denen man alles an Früchten, Gemüse und Haushaltswaren bekommt, und auf denen man um jeden Preis feilscht. Statt in den Supermarkt gehen wir hier bei uns im Dorf auf den Markt, wo direkt neben den Äpfeln ein halbes Rind liegt. Und was ich toll finde, ist das Trampen.

Wieso denn ausgerechnet das trampen?
Wenn wir in den vergangenen Monaten mal irgendwohin wollten und uns zu Fuß auf den Weg gemacht haben, kam immer irgendwann auf der Strecke ein Laster oder Viehtransporter vorbei, der uns zumindest ein Stück mitgenommen hat. Das funktioniert wunderbar, so lernt man auch immer direkt noch neue Menschen kennen. Ganz neu für mich, die gerne mal fünf Minütchen später als verabredet kommt, war das Zeitempfinden der Bolivianer. Es kommt schon öfter mal vor, dass selbst der Gastgeber zu seiner eigenen Feier erst zwei Stunden nach Einladung erscheint.

Lässt dir deine Aufgabe denn genug Zeit, um auch etwas herumzureisen und das Land noch besser kennenzulernen?
Ja, natürlich. Besonders zu Beginn unserer Zeit im Dorf sind wir unglaublich viel getrampt um Freunde im Nachbardorf zu besuchen. So haben wir jedes Mal in unserer Nähe neue Ecken entdeckt, aber auch um weiter entfernte Orte zu sehen bleibt genug Zeit, da wir Urlaubstage haben die wir uns nehmen können. Beliebt bei uns Freiwilligen sind auch die vielen Feiertage, die Bolivien hat. Es gibt zum Beispiel den Tag der Nationalflagge und -hymne, den Tag des Baumes oder den Tag des Kindes. Dann fällt die Arbeit für alle aus, und je nach dem, ob im Dorf dann viel Besonderes los ist, kann man die Tage auch oft als Brückentage zum Reisen verwenden.

Ganz alleine bist du ja nicht in Bolivien, du hast es auch schon ein paarmal angedeutet. Mit dir zusammen sind weitere Freiwillige gereist. Wie ist der Kontakt untereinander?
 Insgesamt sind wir 24 Weltwärts-Freiwillige im Moment auf sechs verschiedene Dörfer und Städte in Bolivien aufgeteilt. Sehr nah ist das Dorf Alcalá, mit dessen Freiwilligen wir uns die ersten zwei Monate jedes Wochenende trafen. Mit weiter entfernten Einsatzstellen wird es dann schon schwieriger. Manche Freiwillige hatte ich bis zum Zwischenseminar Ende Januar seit August nicht gesehen. Eben deswegen war es aber so gut, die gemeinsame Zeit zu Beginn in Sucre zu haben, so hält man auch über die Entfernung einigermaßen regelmäßigen Kontakt um sich auszutauschen.

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