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Programm „Milchbrötchenrechnung“: Interview mit Johann König: „Zufrieden ist das neue glücklich“

Er ist keine Quasselstrippe, kein Dampfplauderer. Johann König kommt auf der Bühne eher gemächlich daher. Auch in seinem neuen Programm „Milchbrötchenrechnung“, mit dem er am 24. November in Rüsselsheim gastiert, lässt er es ruhig angehen. Unser Mitarbeiter Ralph Keim sprach mit Johann König über depressive Stimmungen, Bio-Rinder und Merkel-Witze.
Johann König kommt am 24. November nach Rüsselsheim. Foto: (Boris Breuer) Johann König kommt am 24. November nach Rüsselsheim.

Herr König, Sie gelten als depressive Stimmungskanone aus Köln. Depressiv und Köln – wie passt das zusammen?

JOHANN KÖNIG: Vom Grundcharakter her bin ich eher der antriebslose Typ. Oft habe ich keine Lust aufzustehen und rauszugehen. Auch wegen der vielen Menschen. Gerade in Köln leben ja sehr viele, sehr gut gelaunte Menschen, die einen anstecken wollen mit ihrem Geschunkel. Da muss man schon die richtigen Schleichwege zum Metzger oder zum Friedhof kennen, um nicht in ihre Fänge zu geraten. Als Bühnenkünstler muss ich natürlich gute Laune verbreiten, aber privat bin ich doch tendenziell sachlich gelaunt.

Ist depressiv das neue glücklich?

KÖNIG: Trotz der morgendlichen Antriebslosigkeit spüre ich doch eine grundlegende Zufriedenheit mit dem, was ich mache. Ich finde es sinnvoll, Menschen zum Lachen zu bringen. Obwohl ich längst nicht immer weiß, warum sie lachen. Abends auf der Bühne, nach dem ersten Lacher, habe ich große Lust auf meinen Beruf. Dann bin ich glücklich. Ich würde daher sagen: Zufrieden ist das neue glücklich. Aber ich habe auch schon mal gelesen, Wein ist das neue Bier. Und umgekehrt. Ein Irrsinn.

Sie sind verheiratet und Vater von drei kleinen Kindern. Das müsste doch ein unerschöpflicher Pool für Ihre Programme sein.

KÖNIG: Ja, das ist wohl wahr. Meine Frau hat neulich gesagt, sie müsse immer wieder an die Geburt des ersten Kindes denken. Und zwar immer dann, wenn sie sieht, wie sich unsere viel zu fette Katze mühsam durch die Katzenklappe quetscht. Und der Sohn kam neulich aus der Schule und fragt mich allen Ernstes, ob ich weiß, warum Jesus angekreuzt wurde. Die Sachen muss ich dann einfach nur notieren und irgendwie einbauen.

Wo und wie haben Sie eigentlich das Handwerk der Stand-up-Comedy gelernt?

KÖNIG: Auf der Bühne. Das kann man nur auf der Bühne lernen. Man überlegt sich eine Geschichte, schreibt sie auf und erzählt sie vor Publikum. So erfährt man am schnellsten, ob man Talent hat oder nicht.

Wen unter Ihren Kollegen bewundern Sie am meisten?

KÖNIG: Ich mag irre Typen, Menschen mit mehreren Humorebenen, bei denen man sich auch mal fragt: Wie hat er das jetzt gemeint? Also Typen wie Rainald Grebe, Olaf Schubert, Hazel Brugger oder Helge Schneider.

Und bei wem schalten Sie ab?

KÖNIG: Bei allen, die keine zweite Ebene haben und einfach nur aus ihrem Leben erzählen.

Kann Satire eigentlich noch etwas verändern?

KÖNIG: Na klar! Satire verändert ein Land, auch unser Land. Denn ohne Satire wäre unser Land ein anderes Land. Fragen Sie mal die Menschen in der Türkei, wie sich ein Leben ohne Satire anfühlt. Das fühlt sich so an wie die Spielweise des 1. FC Köln: nicht gut. Früher war die Frage: Was gibt’s für neue Hitler-Witze? Die Antwort war: drei Jahre Arbeitslager. Heute heißt es: Was gibt’s für neue Erdogan-Witze? Antwort: eine Anzeige wegen Majestätsbeleidigung. Aber was gibt’s für Merkel-Witze? Gar nichts. Dabei gibt es Merkel-Witze. Zum Beispiel: Was macht Angela Merkel mit ihren alten Klamotten? Na, sie anziehen.

Zu Ihrem neuen Programm „Milchbrötchenrechnung“: Worum geht es?

KÖNIG: Das Leben ist eine Milchbrötchenrechnung. Das ist mein Credo. Man versucht immer, alles richtig zu machen, in den Bereichen Erziehung oder Konsum. Aber am Ende ist es doch wieder falsch.

Könnten Sie ein konkretes Beispiel einer Milchbrötchenrechnung geben?

KÖNIG: Meine Frau hat neulich Bio-Rindfleisch gekauft, weil sie dachte, dass sie damit etwas Gutes tut. Ich habe aber gelesen, dass ein Bio-Rind viel länger lebt und damit viel mehr Methan ausstößt als das konventionelle Rind und somit noch schädlicher für das Klima ist. Das Bio-Rind ist wie ein Elektro-Porsche, der mit Atomstrom fährt.

Rüsselsheims Oberbürgermeister Patrick Burghardt hat den Hessentag 2017 in die Stadt geholt, der dann aber eine Menge Geld und Stress gekostet hat. Kürzlich ist er abgewählt worden. Eine Milchbrötchenrechnung?

KÖNIG: Ich glaube, ein Hessentag kostet immer Geld und Stress. Aber klar: Er dachte, er tut etwas Gutes, und am Ende stehen Schulden und Burnout. Ich würde dem abgewählten OB mein Programm empfehlen, damit er auf andere Gedanken kommt, und daher lade ihn hiermit herzlich plus Begleitperson ein.

 

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