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Migration: Junge Geflüchtete müssen oft lange warten

Von Wer in Rüsselsheim als unbegleiteter minderjähriger Ausländer ankommt, hat bereits einen weiten Weg hinter sich. Der Weg in die Selbstständigkeit ist trotzdem noch steinig.
Unbegleitete minderjährige Ausländer werden von den Jugendhilfesystemen unterstützt. Doch auf dem Weg in die Selbstständigkeit gibt es viele Hindernisse. Nicht zuletzt die Wohnungssuche. Unbegleitete minderjährige Ausländer werden von den Jugendhilfesystemen unterstützt. Doch auf dem Weg in die Selbstständigkeit gibt es viele Hindernisse. Nicht zuletzt die Wohnungssuche.
Rüsselsheim. 

Der Weg, den sie hinter sich haben, ist weit. 81 junge Menschen leben derzeit in Rüsselsheim, die als sogenannte unbegleitete minderjährige Ausländer nach Deutschland gekommen sind – ohne Familie. Sie sind geflohen vor Krieg und Terror, angekommen in Rüsselsheim, wo sie über die Jugendhilfesysteme unterstützt werden. Sie leben in Wohngruppen, die dezentral über das Stadtgebiet verteilt von freien Trägern betrieben werden. Zumindest, bis sie 18 oder 21 Jahre alt sind, danach greift das System Jugendhilfe nicht mehr. Die Unterkunft in den Gruppen, es ist ein Zuhause auf Zeit.

Was danach kommt? Die eigene Wohnung, zumindest im besten Fall. Ein Zuhause ohne zeitliche Beschränkung. Doch der Weg in die eigenen vier Wände ist steinig. „Zwei Jahre brauchen wir in aller Regel, um eine passende Wohnung für unsere Klienten zu finden“, berichtet Christina Knapp. Sie arbeitet für den Verein pädagogisch-soziale Kinder- und Jugendhilfe, der im ganzen Kreis Groß-Gerau aktiv ist und auch vier Wohngruppen in Rüsselsheim betreibt.

Schwierige Suche

Zwei Jahre, in denen sich Wohnungsbesichtigung an Wohnungsbesichtigung, Absage an Absage reiht. Wenn es denn überhaupt zu einem Besichtigungstermin kommt. „Wir hatten Mal eine studentische Hilfe eingestellt. Die hat nur nach passenden Wohnungsanzeigen gesucht und dann bei den Vermietern angerufen“, berichtet Knapp. Das Ergebnis der Anrufe ist ernüchternd. „Sobald man an den Punkt kommt, an dem es heißt, dass die Miete vom Amt überwiesen werden würde, springen die Vermieter ab.“

Der Rüsselsheimer Sozialdezernent und Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne) sieht darin eine Folge des Drucks auf den Wohnungsmarkt in der Region. Die jungen Geflüchteten stehen in Konkurrenz zu Studenten oder auch Arbeitnehmern, die nur ein kleines Zimmer für die Arbeitswoche suchen und am Wochenende zu ihrer Familie nach Hause fahren. Und das begehrte Gut – kleine Wohnungen mit einem oder maximal zwei Zimmern und zu bezahlbaren Preisen – ist rar gesät. „Die Vermieter können sich ihre Interessenten aufgrund der Marktlage aussuchen. Natürlich versucht jeder, möglichen Problemen aus dem Weg zu gehen. Und da kommen dann Vorurteile ins Spiel“, fasst Grieser die Lage zusammen. Die Diagnose ist für ihn klar: „Das ist eine Form der sozialen Diskriminierung.“

Während einer zweijährigen Wohnungssuche die gute Laune, den Optimismus, eine Perspektive für die Zukunft zu bewahren, kann nicht immer einfach sein. Und so besteht ein nicht unerheblicher Teil der Arbeit von Christina Knapp und den anderen Mitarbeitern des Vereins pädagogisch-soziale Kinder- und Jugendhilfe auch darin, die Stimmung hochzuhalten. „Ein Lächeln hilft“, sagt Knapp. Krisen, schlechte Tage und auch Rückschritte müssten im Umgang mit den Jugendlichen, die teilweise traumatisierende Erlebnisse hinter sich haben, erlaubt sein. Und zwar nicht nur im Hinblick auf die schwierige Wohnungssuche, sondern ganz grundsätzlich.

Viel Training

Generelle Trainings zur allgemeinen Lebensführung – Kontoeröffnung, Ausfüllen von Überweisungen, Kochen, Putzen, Waschen – gehören genauso zum Alltag wie Hausaufgabenhilfe oder Bewerbungstrainings. „Wir wollen unsere Klienten an eine selbstständige Lebensführung heranführen“, sagt Knapp. Bei der Integration soll die dezentrale Unterbringung in Kleingruppen helfen. In den Einrichtungen des Vereins pädagogisch-soziale Kinder- und Jugendhilfe leben etwa jeweils vier bis sieben Jugendliche. Jeder hat sein eigenes Zimmer mit eigenem Kühlschrank und Grundausstattung.

Trotz der schwierigen Umstände gibt es vorzeigbare Erfolge. Zum Beispiel, dass inzwischen schon drei Klienten des Vereins trotz fehlendem Schulabschluss in eine Ausbildung vermittelt werden konnten. Und auch in Sachen Wohnungssuche sei es trotz aller Schwierigkeiten noch immer gut gegangen. „Spätestens zum 21. Geburtstag haben wir bisher zum Glück immer noch eine Lösung gehabt“, sagt Knapp.

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