Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Verein erhält Nachhilfeunterricht: Kinder besser vor Missbrauch schützen

Kinder und Jugendliche mit Behinderung vor sexuellem Missbrauch zu schützen, ist Anliegen des bundesweiten Projektes „BeSt“. Veranschaulicht durch die Figuren Ben und Stella gab es jetzt auch beim Verein Basis Mainspitze einen Kurs für Kinder.
Cordula Kaßner-Wellems vom Verein Basis Mainspitze: „Menschen mit Behinderung und Sexualität – das ist ein ganz wichtiges Thema“. Foto: (Charlotte Martin) Cordula Kaßner-Wellems vom Verein Basis Mainspitze: „Menschen mit Behinderung und Sexualität – das ist ein ganz wichtiges Thema“.
Ginsheim. 

Mädchen und Jungs mit Behinderung seien bezüglich sexuellen Missbrauchs besonders gefährdet, sagt Cordula Kaßner-Wellems. „Sie verhalten sich oft arglos, haben eine ungefilterte, emotionale Art, ohne Gedanken an Konsequenzen. Diese Nähe birgt Chancen und Gefahren gleichermaßen, macht sie unter Umständen zu leichter Beute für Übergriffe und Missbrauch“, erklärt die stellvertretende Geschäftsführerin des Vereins Basis Mainspitze.

Täter aus dem Umfeld

Sie führt aus: „Jedes dritte Mädchen mit Behinderung erleidet in seinem Leben einen sexuellen Übergriff, belegen Studien der Deutschen Gesellschaft für Prävention bei Kindesmisshandlung und Vernachlässigung.“ Weiter heißt es da: Zu 97 Prozent würden Männer aus dem direkten Umfeld – Betreuer, Fahrer, Anleiter aus Werkstätten oder Mitbewohner – als Täter benannt.

Dass jetzt beim Verein Basis ein Kurs für Kinder zwischen zehn und 16 Jahre über sechs Nachmittage das Thema des eigenen Körpererlebens – „Was gefällt mir, was gefällt mir nicht?“ – in den Fokus rückte, sei dem Austausch mit dem im Kreis aktiven, bundesweit aufgestellten, Verein Lebenshilfe zu danken, und fuße auf der Kooperation mit Pro Familia Rüsselsheim.

Info: Soziale Einrichtungen schulen

Sexualisierte Gewalt an Mädchen und Jungen gehört nach Meinung von Experten zum Grundrisiko einer Kindheit in Deutschland. Die seit 2013 bestehende Bundesinitiative „Kein Raum für

clearing

„Katia Vallbracht, Geschäftsführerin der Lebenshilfe, setzt das Angebot im Rahmen des Modellprojekts des Bundesministeriums für Familie nun mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen fort, wir haben mit acht Kindern in Ginsheim begonnen“, so Kaßner-Wellems. Die Leitung oblag Stefanie Michel-Schulze und Matthias Belikan von Pro Familia.

Körper und Berührungen

Wie ging es im Workshop konkret zu? „Entlang der Themenbausteine – Gefühle, Körper, Berührungen, Geheimnisse und andere – ging es um behutsamen Vertrauensaufbau und um Vermittlung des ausdrücklichen Rechts, Nein zu sagen“, führt Kaßner-Wellems aus. „Beraten und stärken“ (BeSt) laute das Motto, das verdeutliche: „Du bist niemals schuld, wenn Dir Übergriffe angetan werden. Du kannst Dir jederzeit Hilfe holen.“

Denn schamhaftes oder unter Drohungen erwirktes Schweigen sei bei Behinderten – und auch bei nichtbehinderten Mädchen und Jungs – oft die Folge des Missbrauchs, was langfristig eine durchdringende Verunsicherung der Person zeitige. Dass die Inhalte in leicht verständlicher Sprache vermittelt wurden und zudem durch Bildkarten mit „Ben und Stella“ Veranschaulichung erfuhren („Ben und Stella hat Kursleiterin Stefanie Michel-Schulze kreiert“, so Kaßner-Wellems), habe lebhafte Wortmeldungen gezeitigt.

Die Kinder machten deutlich, welche Berührungen ihnen angenehm sind und welche nicht. „Brust und Po nicht. Und das Bad ist zu“, hieß es entschieden. Oder: „Am Kopf darf mich nur Mama anfassen.“ Kaßner-Wellems: „Klar wurde viel gekichert. Auch bei Behinderten und deren Familien ist Sexualität oft tabu. Manchmal fragen uns Eltern hilflos: Und was ist, wenn er oder sie groß wird?“

Sehr genau achteten die Kursleiter auf die Körpersprache – an welcher Stelle suchte eines Schutz in der eigenen Umarmung, an welcher Stelle verstummte ein Kind. „Bei Bemerkungen, die Verletzung verrieten – ’Da war mal was. Das war nicht gut’ – waren Einzelgespräche möglich“, so Kaßner-Wellems.

Indes, einen Nachteil habe der Kurs gehabt: „Die Kinder wurden von Eltern angemeldet, denen eine selbstbestimmte Sexualität ihrer Kinder sehr wichtig ist, das heißt, wir konnten Kinder, die vielleicht unsere Hilfe brauchen, noch nicht erreichen. Präventive Stärkung ist gelungen – doch wir wollen die Arbeit gegen Missbrauch im Rahmen unserer Freizeitangebote jetzt ohne Anmeldung für ein breiteres Klientel fortsetzen“, so Kaßner-Wellems.

Mehr aus Rüsselsheim

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse