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Neujahrsempfang des Rüsselsheimer Gewerbevereins: Kopfstand, Knigge und ein „Rotzlöffel“

Es gab mahnende Worte, nachdenkliche Worte, Worte der Begeisterung und eine klare Empfehlung für die OB-Wahl. Doch zum Glück bot der Neujahrsempfang des Gewerbevereins am gestrigen Sonntag im Stadttheater auch Humor, Witz und Artistik.
Die Grynchenko-Brüder sind Teil der aktuellen Show des Frankfurter Tigerpalasts und werden auch beim Hessentag dabei sein. Bilder > Foto: Robin Göckes Die Grynchenko-Brüder sind Teil der aktuellen Show des Frankfurter Tigerpalasts und werden auch beim Hessentag dabei sein.
Rüsselsheim. 

Es war Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) anzusehen, dass er die Ankündigung als persönlichen Triumph genoss: „Am 14. Juni wird während des Hessentags David Garrett auftreten.“ Dass der Star-Geiger in die Opel-Stadt kommt, quittierten die mehr als 500 Besucher des Neujahrsempfangs des Gewerbevereins mit einem beeindruckten Raunen und Applaus. Nach all dem Hickhack um den Auftritt vermeintlicher Rüpel-Rapper dürfte die Person David Garrett keinen Anlass für enervierende Debatten geben. Doch Achtung: Die „Zeit“ hat schon darauf aufmerksam gemacht, dass manche Kritiker das Spiel des Deutschen als „Softpornopopklassikjunkfood“ abtun.

Zwanzig Minuten standen dem OB als Redezeit zu, es wurden gut 35 Minuten. Selbstverständlich ging er noch weiter auf den Hessentag ein: Mehr als 430 Menschen würden sich zurzeit schon einbringen, 230 Helfer für den Hessentag selbst seien bereits angeworben. „Mehr als 400 Vereine und Institutionen haben sich beworben, an den Veranstaltungen mitzuwirken“, fuhr Burghardt fort.

Zum Schluss gab Burghardt eine klare Empfehlung in eigener Sache für die wahrscheinlich im Spätherbst anstehende OB-Wahl ab: „Ich würde gerne auch im kommenden Jahr wieder hier auf der Bühne stehen.“ Der folgende Applaus ließ kurz die Vermutung aufkommen, einem CDU-Parteitag beizuwohnen.

Aggression und Leid

Um Wählerstimmen muss Dirk Schäfer, Präsident des Gewerbevereins, nicht buhlen. Entsprechend ernst und mahnend geriet auch in diesem Jahr wieder seine Rede, in der er den designierten US-Präsidenten Donald Trump nur am Rande als „pubertierenden Rotzlöffel“ bezeichnete. Für die OB-Wahl wünsche er sich keine Traumtänzer als Kandidaten.

Für die Gegenwart diagnostizierte der Chef des Gewerbevereins ein Übermaß an Aggression und Leid. „Ist das bereits der Höhepunkt oder erst der Beginn einer Katastrophe“, stellte er die Frage in den Raum und erinnerte im gleichen Atemzug an eine weit verbreitete Angewohnheit der Politik: „Vor der Wahl versprechen die Politiker immer alle sehr viel.“ Und nach der Wahl würden sie sich wundern, dass die Populisten die Meinungshoheit erobern.

Und dann betrat er die Bühne des Stadttheaters: Der Nachname von Moritz Freiherr Knigge ist ein Etikett – ein Etikett für Etikette. Und genau darüber sprach der 1968 in Hannover geborene Berater für Umgangsformen und Nachfahre des berühmten Adolph Freiherr Knigge (1752 bis 1796), dessen Name seit Jahrhunderten für höfliches Benehmen steht. „Die Etikette an sich gibt es nicht“, erläuterte der bekennende Europäer zur Erleichterung aller, die immer noch nicht wissen, mit welcher Gabel sie bei einem Festbankett im Salat stochern sollen.

Eigene Probleme

Doch Höflichkeit und respektvoller Umgang mit seinen Mitmenschen sind nie verkehrt, lautete ein weiteres Credo. Und das fange schon damit an, dass man in der Öffentlichkeit durchaus nach hinten schauen sollte, bevor man eine Tür öffnet oder schließt. Auch Knigge erwähnte Donald Trump kurz und empfahl, sich von den unflätigen Rüpeleien anderer nicht aus dem Konzept bringen zu lassen: „Machen Sie die Probleme Ihrer Mitmenschen nicht zu Ihren eigenen Problemen.“

Den krönenden Abschluss des Neujahrsempfangs bildete dann wiederum ein Ausblick auf den Hessentag. Der Frankfurter Tigerpalast sorgte mit einem Kurzauftritt der Grynchenko-Brüder, die ihr artistisches Geschick unter Beweis stellten, für tobenden Applaus im Stadttheater.

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