Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... 11°C

Landrat Will warnt vor den Kosten: Kreisklinik: Schließung kostet 50 Millionen – mindestens

Top oder Stopp? So lautet die Situation der Kreisklinik. Alle Beteiligten gehen Szenarien durch, denn schon bald wird es ernst für das Haus. Eine schwarze Null wird es wohl nie geben
Woher die Asche für die Kreisklinik nehmen? Das Haus dürfte auch künftig keine schwarzen Zahlen schreiben. Eine Schließung kostet laut Landrat Thomas Will jedoch mehr als 50 Millionen Euro. Foto: Matthias Hoffmann Woher die Asche für die Kreisklinik nehmen? Das Haus dürfte auch künftig keine schwarzen Zahlen schreiben. Eine Schließung kostet laut Landrat Thomas Will jedoch mehr als 50 Millionen Euro.
Kreis Groß-Gerau.  Die defizitäre Kreisklinik rückt wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Am Montag berät der Kreistag über den Wirtschaftsplan für das Jahr 2017. Im Mai wird es dann richtig ernst: Da entscheidet der Kreistag darüber, ob das Krankenhaus, das pro Jahr bis zu fünf Millionen Euro Miese macht, weitergeführt werden soll oder endgültig geschlossen werden muss.

Für beide Möglichkeiten werden augenblicklich umfangreiche Entscheidungshilfen vorbereitet: Die Beratungsgesellschaft Andree Consult hat drei Szenarien berechnet, wie die finanziellen Belastungen im Falle einer Schließung aussehen würden. Die Berater denken dabei in den Kategorien sofort, mittel- und langfristig. Das ist insofern von Interesse, da Geld aus einem Krankenhaus-Strukturfonds des Landes Hessen zur Abwicklung defizitärer Kliniken nur begrenzt zur Verfügung steht.

Auch ein 25 Seiten umfassendes Papier der Krankenhaus-Leitung, in dem Vorschläge für eine erfolgreiche Weiter-Existenz ausgearbeitet worden sind, liegt zur Diskussion bereit.

Top oder Stopp – so könnte man die augenblickliche Situation der Klinik beschreiben, über deren aktuelle Entwicklung Landrat Thomas Will (SPD) beim Jahrespressegespräch im Schloss Dornberg informierte. Um es vorwegzunehmen: Der Landrat glaubt, dass es gelingt, die Klinik zu erhalten. Und dies nicht nur mit einer Stimme Mehrheit, über die die Koalition aus SPD, Grünen und Linken im Kreistag verfügt.

„Ich rechne fest damit, dass es eine Mehrheit von mehr als 60 Prozent im Kreistag geben wird,“ zeigte sich Will optimistisch. Nicht eine Fraktion habe bisher für die Schließung gestimmt. Und es erscheint unwahrscheinlich, dass sich eine Partei den Makel anhängen lassen will, sich für die Schließung einzusetzen.

Abfindungen und Co.

Nicht zuletzt verweist der Landrat auf Redebeiträge in den jüngsten Ausschusssitzungen – beispielsweise von Helmut Kinkel (Freie Wähler-Bürgerliste), in denen der Weiterbetrieb gefordert worden ist. Sollte dennoch der Stab über die Klinik gebrochen werden, kämen – dies steht laut Will bereits jetzt fest – Belastungen im hohen zweistelligen Millionenbereich auf den Kreis zu. Allein die Zusatzversorgungskasse Darmstadt könnte entgangene Beiträge bis zur Höhe von 50 Millionen Euro für die 420 Bediensteten des Krankenhauses fordern. Hinzu kämen Abfindungen für die zumeist langjährig Beschäftigten.

Der zweite Kostenfaktor entstünde für Abbruch und Räumung des Krankenhaus-Areals. Zwar stünden dann etwa sechs Hektar freies Gelände für eine Vermarktung zur Verfügung, aber das würde nur einen Bruchteil der Kosten ersetzen.
Ein Szenario, vor dem es jeden Kommunalpolitiker grauen dürfte – zumal Krankenhaus-Direktor Reinhold Linn ein Arbeitspapier vorgelegt hat, in dem Lösungen für eine wirtschaftliche Weiterführung herausgearbeitet worden sind. Zwar dürfte es auch künftig nicht gelingen, mit einer schwarzen Null zu arbeiten. Doch Landrat Will ist überzeugt, dass der Zuschuss „auf deutlich unter drei Millionen Euro gedrückt werden kann“.

Welche Maßnahmen dies sind, wollte der Landrat nicht verraten. „Weil sie erst den politischen Gremien unterbreitet werden müssen.“ Fest stehe aber, dass der hessische Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) außer den bereits bestehenden Abteilungen Innere, Chirurgie und Gynäkologie/Geburtshilfe keine weiteren Bereiche genehmigen werde.

Arztpraxen betreiben

Mithin müsse überlegt werden, wie eine bessere Betten-Auslastung innerhalb dieser Abteilungen erreicht und die Einnahmen-Situation verbessert werden könnte.
Durchblicken ließ der Landrat, dass die Klinik Arztpraxen im Südkreis, die aus Altersgründen aufgegeben werden müssen und für die kein Nachfolger gefunden werden kann, übernehmen und weiterführen möchte. Das helfe der Bevölkerung, begegne dem Ärztemangel auf dem Land und führe der Klinik Patienten zu. Abzustimmen sei dies mit der Ärztekammer. Ein Wort widmete der Landrat noch den Bürgern, die die Unterschriften-Sammlung zum Erhalt der Klinik vorantreiben. „Dass bereits 13 000 Unterschriften gesammelt werden konnten, zeigt das Interesse der Bevölkerung für den Erhalt der Kreisklinik“, so Will.

An der Überreichung der Unterschriften an Sozialminister Grüttner am 19. April in Wiesbaden werde er teilnehmen, doch die Entscheidung über die Klinik treffe nicht Grüttner, sondern der Kreistag. Aber die Übergabe könnte die Hoffnung nähren, dass die Gelder aus dem Krankenhaus-Fonds nicht nur für die Schließung von Kliniken verwendet werden.
Mehr aus Rüsselsheim

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse