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Polizei-Sprechstunde: „Leute reden nicht mehr miteinander“

Dieter Schmalbach ist Polizist aus Leidenschaft. Nicht nur von seinem Büro in Groß-Gerau aus kümmert er sich um die Sicherheit seiner Mitbürger. Vielerorts – auch in Trebur – schaut er regelmäßig persönlich vorbei.
Gut gelaunt erzählt Dieter Schmalbach Geschichten aus fast 40 Jahren im Dienst der Polizei. Foto: (Maraike Stich) Gut gelaunt erzählt Dieter Schmalbach Geschichten aus fast 40 Jahren im Dienst der Polizei.
TREBUR. 

Will man Dieter Schmalbach in seinem Büro besuchen, muss man an der Gegensprechanlage der Groß-Gerauer Polizeistation erst einmal sein Anliegen vortragen. Ist das genehmigt, darf man in einem Container auf ihn warten. Nach einer Minute erscheint Schmalbach, schwungvoll öffnet er die Tür, grüßt mit einem freundlichen Lächeln und fordert auf, ihm zu folgen.

Sein Büro ist klein und zweckmäßig eingerichtet. Aus dem Fenster blickt man auf den Parkplatz des Landratsamts, dazwischen ein paar kahle Bäume. Die Fotos von seiner Familie geben dem Raum ein wenig persönliche Atmosphäre.

Fast 40 Jahre im Dienst

„Ich wollte schon immer zur Polizei. Das war mein Kindheitstraum“, sagt der 57-Jährige. Seine Eltern hätten sich gewünscht, dass er nach dem Abitur eine andere Richtung einschlägt. „Mein Vater wollte, dass ich sein Geschäft übernehme“, erinnert sich Schmalbach.

Heute, nach fast 40 Jahren im Polizeidienst, ist er immer noch glücklich mit seiner Entscheidung. „Für mich ist das A und O, für den Bürger da zu sein“, ergänzt er und vermutet, dass das damit zu tun haben könnte, dass seine Eltern ihm immer beigebracht hätten, für seine Mitmenschen da zu sein. Polizisten habe es in der Familie vor ihm aber nicht gegeben.

Vieles habe sich geändert in seinen Dienstjahren, die Arbeit sei schwieriger geworden. „Aber es gehört zum Beruf dazu, dass sich die Dinge verändern und vieles anders gemacht wird als vor 30 Jahren“, sagt er pragmatisch. Längst seien der Mann und die Frau in Uniform nicht mehr automatisch auch Respektspersonen. Dass er froh ist, nicht mehr im Streifendienst zu sein, muss er dann doch zugeben.

Heute kümmert sich der Polizeioberkommissar unter anderem um die freiwilligen Polizeihelfer in Groß-Gerau und Nauheim. Diese zwei Gemeinden haben sich für das Angebot entschieden, bei dem die Polizei Bürger für die ehrenamtliche Arbeit im Ordnungsdienst ausbildet. Trebur setzt auf ein anderes Modell, hier sind Hilfspolizisten im Einsatz, die dem Ordnungsamt unterstehen.

Schmalbachs Polizeihelfer müssen ein ähnliches Bewerbungsverfahren durchlaufen, wie jeder andere Polizist auch, erklärt er. Unter seinen 16 Schützlingen seien Berufstätige, die in ihrer Freizeit auf Streife gehen, und auch Hausfrauen. „Wenn es gefährlich wird, kommt natürlich die richtige Polizei“ versichert er.

Die Freizeit-Ermittler hätten keine Waffen bei sich und wären bei Bagatellfällen wie Falschparken und Wohnsitzüberprüfungen oder als Ordner bei Veranstaltungen im Einsatz. „Diese Mitarbeiter sollen ein Bindeglied zwischen der Polizei und der Bevölkerung sein“, erklärt er. Und der Kontakt zu den Bürgern sei ihm nun einmal das Wichtigste an seiner Arbeit, bekräftigt er.

Anderes Einsatzgebiet

Auch ein anderes Einsatzgebiet Schmalbachs bietet ihm dazu reichlich Gelegenheit. In Groß Gerau, Nauheim, Büttelborn und Trebur bietet er jeweils einmal im Monat eine Bürgersprechstunde an.

Probleme mit der Verkehrssituation und Nachbarschaftsstreitigkeiten seien die häufigsten Anliegen. Leider kämen Bürger oft mit Beschwerden über Nachbarn zu ihm, ohne vorher versucht zu haben, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und das Problem so aus der Welt zu schaffen. „Man redet nicht mehr so viel miteinander“, bedauert der Beamte.

Regelmäßig müsse er die Leute an andere Stellen verweisen. „Vieles, womit man zu mir kommt, fällt in die Zuständigkeit des Ordnungsamtes“, sagt er. Das nehme er den Leuten aber nicht krumm, das sei eben auch Teil seiner Dienstleistung, die Ratsuchenden an die richtigen Stellen zu vermitteln.

Aber es gebe auch ungewöhnlichere Anliegen, erzählt Schmalbach. So sei einmal eine Mutter mit ihrem jugendlichen Sohn in die Sprechstunde gekommen. Dem jungen Mann waren bei einer nächtlichen Schlägerei zwei Zähne ausgeschlagen worden, der Täter konnte zunächst unerkannt fliehen. Durch seine Kontakte in der Bevölkerung sei es ihm gelungen, den Übeltäter anhand der Beschreibung zu ermitteln und seiner gerechten Strafe zuzuführen. Die Freude darüber ist ihm auch heute, gut zehn Jahre später, noch anzusehen.

 

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