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Einstimmiger Beschluss der Gemeindevertretung: Messstation in Nauheim soll Umweltgift nachweisen

An den Fluglärm werden sich die Nauheimer wohl nie gewöhnen. Jetzt sind Kommunalpolitiker auf ein bislang gering erforschtes Problem aufmerksam geworden: Belastung durch Ultrafeinstaub.
Für Kinder nicht zu übersehen: An der Kita Schwanenstraße steht die mobile Fluglärmmessstation. Dort sollte auch Ultrafeinstaub gemessen werden, schlagen Umweltschützer vor. Foto: Rainer Beutel Für Kinder nicht zu übersehen: An der Kita Schwanenstraße steht die mobile Fluglärmmessstation. Dort sollte auch Ultrafeinstaub gemessen werden, schlagen Umweltschützer vor.
Nauheim. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht in der Luftverschmutzung eine Hauptursache für Todesfälle durch Umweltbelastungen. Inwiefern Ultrafeinstaub dabei eine Rolle spielt, ist noch kaum erforscht. Die Gemeinde Nauheim soll sich aber schon mal als Standort einer Messstation für Ultrafeinstaub bewerben, hat die Gemeindevertretung einstimmig entschieden.

Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie hat 2016 erstmals Feinstaubmesswerte veröffentlicht, die in Raunheim ermittelt wurden. Die Ergebnisse klingen nach Ansicht der örtlichen Grünen alarmierend, denn sie lägen „auf dem Niveau einer Großstadt wie Berlin oder Leipzig“.

Die WHO habe Ultrafeinstaub als weltweites Problem erkannt, begründen die Grünen ihren beschlossenen Antrag. Darin heißt es, dass sich die Gemeinde beim Land Hessen um eine eigene Messstation für Ultrafeinstaub bemühen soll. Nauheim könne „Referenzgemeinde“ werden.

Die Messstation könne dort stehen, regen die Grünen an, wo seit mehreren Wochen auch der Fluglärm protokolliert wird – in einem eher unscheinbaren Anhänger, der als mobile Anlage an der Kindertagesstätte Schwanenstraße geparkt wurde. Eine fest installierte Fluglärmmessstelle findet sich auch im Pfarrgarten der evangelischen Kirchengemeinde. Sie liegt damit weiter westlich, also etwas abseits der Südumfliegungsroute.

An der Kita sei es wesentlich lauter, wenn Flugzeuge über Nauheim starten, betont Wolfgang Fickus vom Verein Lebenswertes Nauheim. Der Sprecher der Bürgerinitiative, die sich seit Jahren gegen die Südumfliegung wehrt, macht darauf aufmerksam, dass das Thema Ultrafeinstaub erst in jüngster Zeit in den Fokus rückte.

Fickus nennt Zahlen aus den Raunheimer Messungen: Nach einer Landung seien 30 000 Feinstaubpartikel pro Kubikzentimeter festzustellen. Wechsele die Windrichtung, seien es „nur“ noch etwa 8000 Partikel pro Kubikzentimeter. Nach seinen Schätzungen dürften es in Nauheim, wenn kein Flugzeug über der Gemeinde startet, 3000 bis 4000 Feinstaubpartikel pro Kubikzentimeter sein. „Im Schwarzwald sind es eher zwei- bis dreitausend“, nennt Wolfgang Fickus einen Vergleichswert.

Bekannt sei, dass es je nach Flugzeugtyp gravierende Unterschiede gebe. Fickus ist froh, dass die alten Boeing 707 und die ersten Typen des Jumbos vom Typ 747 nicht mehr fliegen. „Die neue Generation der Flugzeuge ist viel sauberer geworden“, weiß er. Gleichwohl seien die Emissionen im Ultrafeinstaubbereich nicht wegzudiskutieren. „Die Belastung hat eine gefährliche Wirkung, das geht in die Blutbahnen und in die Lunge“, betont der BI-Sprecher. Es sei „gut, dass das langsam mal ein Thema in der Fluglärmkommission wird“.

Die Forderung, den Ultrafeinstaub zu messen, wird regional vehement vertreten. Wolfgang Schwämmlein vom Bündnis der Bürgerinitiativen (BBI) gegen die Flughafenerweiterung freut sich, dass die Ultrafeinstaubbelastung rund um den Frankfurter Flughafen künftig untersucht werden soll. Die BBI beruft sich auf eine niederländische Studie, die ermittelt habe, dass eine Erhöhung von 10 000 Partikeln pro Kubikzentimeter die Sterblichkeitsrate um drei bis sechs Prozent steigert.

Auch überregional finden sich reihenweise Warnungen. Die Grünen im Brandenburger Landtag etwa betonen, dass mit der Größe der Flugzeuge nicht nur der Treibstoffverbrauch zunehme, sondern auch die Kraft der Wirbelschleppen, die die Schadstoffe und damit den Ultrafeinstaub zu Boden drückten. „Große und sehr große Flugzeuge schädigen die Gesundheit nicht nur durch erheblich größere Lautstärke, sondern auch durch viel höhere Ultrafeinstaubwerte“, heißt es dort.

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