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Kinder lösen mathematische Praxis-Rätsel: Mit Holzwürfeln die Welt erklären

Mathematik ist mehr als Rechnen. Bei dem „Mathe Treff 3456“ des Zentrums für Mathematik (ZFM) im Neuen Gymnasium stürzen sich die jungen Teilnehmer in Rätsel-Abenteuer.
Friederike Schröder (rechts) unterrichtet Mathematik am Neuen Gymnasium und ist Standortleiterin des ZFM in Rüsselsheim. Bilder > Friederike Schröder (rechts) unterrichtet Mathematik am Neuen Gymnasium und ist Standortleiterin des ZFM in Rüsselsheim.
Rüsselsheim. 

Robyn ist acht Jahre alt und besucht die Grundschule in Nauheim. Genau wie die anderen Teilnehmer hat sie ein Blatt mit Aufgaben vor sich liegen, die nur zu einem Teil mit dem klassischen Lösen von Rechenaufgaben zu tun haben. Aus wie vielen Holzwürfeln besteht ein Körper, der auf dem Zettel abgebildet ist? Es gibt verschiedene Varianten, wie sich die Frage beantworten lässt. Robyn hat sich für die Praxis entschieden und baut den Körper nach, um anschließend die Holzwürfel, die sie verwendet hat, zu zählen.

Fünf Wochen lang, immer freitags nach dem Unterricht, hat sich die zehnköpfige Gruppe zusammen mit Lehrerin Friederike Schröder und einem Schüler aus der Oberstufe getroffen, um Mathe als Herausforderung zu testen. In jeder Sitzung der Staffel gab es ein bestimmtes Motto, wie Logik, Zahl, Flächen und dritte Dimension. Beim letzten Treffen dreht sich alles um „Mathematik ganz praktisch“.

Was kann man sich kaufen mit einem Turm aus 1-Cent-Stücken, der vom Boden bis zur Decke reicht? Diese Frage lässt sich nur mit praktischem Einsatz beantworten, denn da gilt es einiges zu vermessen, bevor es ans Rechnen geht. Die Zahlen im Namen „Mathe Treff 3456“ beziehen sich auf die Jahrgangsstufen, für die das Angebot konzipiert ist. Es richtet sich an junge Menschen mit mathematischen Kompetenzen, die im regulären Schulunterricht tendenziell unterfordert sind.

„Der Mathe Treff ergänzt den regulären Matheunterricht und ermöglicht den Teilnehmern einen vitalen Austausch mit Gleichgesinnten“, heißt es in einer Broschüre des ZFM. Die Staffel, die seit Januar im Neuen Gymnasium (NG) durchgeführt wird, ist die erste in Rüsselsheim. Mathematiklehrerin Friederike Schröder, die am Standort Rüsselsheim das Angebot leitet, unterrichtet am Neuen Gymnasium und bekam dort auch die Räume für die Treffen zur Verfügung gestellt.

Souverän gelöst

Mitmachen können aber nicht nur Schüler des NG. Von den zehn Teilnehmern der ersten Staffel, darunter auch drei Mädchen, kommen drei aus Grundschulen in Mörfelden-Walldorf und Nauheim. Die Zwillinge Emil und Philipp tragen die Schuluniformen des NG und lösen souverän alle Rätsel. Ihre Mama habe sie hier angemeldet und sie finden das Knobeln richtig gut.

Das kann Lehrerin Schröder nur bestätigen. Freitags gehe es um halb drei los. Doch die meisten seien schon um 14 Uhr da und wollen loslegen. Ihr geht es darum, die Freude an Mathe zu fördern. Denn das Lustprinzip spiele eine wichtige Rolle. Beim Mathe Treff sei es nicht so starr wie im regulären Unterricht.

Doch wer Freitagsnachmittags noch Lust auf Mathe habe, der muss sich dafür begeistern. Und warum engagiert sie als Lehrerin sich so stark und kommt auch an einem Freitagnachmittag in die Schule, statt sich auf das Wochenende zu freuen? Sie habe manchmal das Gefühl, die Spaßthemen kämen zu kurz. Knobeln mache ihr selbst viel Spaß und zusammen mit den Kindern ganz besonders. Auch das Konzept des Mathe Treffs habe ihr gefallen.

Soma-Würfel

Clara hat ihre Aufgaben schon gelöst und langweilt sich. Schröder gibt ihr die Einzelteile eines Soma-Würfels in die Hand und bittet sie, ihn zusammen zu setzen. In wenigen Augenblicken hat die Neunjährige den Würfel zusammengesetzt. Ein wichtiger Ansatz bei der Arbeit mit Schülern aus den Klassen drei bis sechs sei es auch, durch systematisches Ausprobieren Lösungsstrategien zu finden, so Schröder. Manche arbeiten lieber allein, andere finden sich zu einer Gruppe zusammen und tauschen ihre Ideen und Vorschläge aus.

Die Entscheidung darüber, wer beim Mathe Treff mitmacht, trifft jeder Schüler selbst. Es gebe Empfehlungen von Lehrern, die ihre Schüler gut kennen. Friederike Schröder plant, pro Schulhalbjahr eine Staffel anzubieten. Das Angebot sei aber nicht als Nachhilfeunterricht gedacht, unterstreicht die Lehrerin.

 

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