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Literatur: Mit der Stricknadel erstochen

Bei der Lesereihe „Geschichten zur Nacht – Literatur zum Genießen“ hatten die Königstädter Bücherfreunde am Mittwoch die Autorin Anette Welp zu Gast, die mit ihren Kurzgeschichten und Gedichten zum Thema „Liebe und andere Irrtümer“ ihr Publikum unterhielt, zum Schmunzeln und Nachdenken brachte.
Überspitzt und treffsicher: Anette Welp mordet gerne auf dem Papier. Überspitzt und treffsicher: Anette Welp mordet gerne auf dem Papier.
Königstädten. 

Im Taumel der Verliebtheit zu schreiben ist das, was Dichter und Autoren immer schon getan haben. Doch gibt es auch eine Zeit nach der Liebe, wenn eine Beziehung auskühlt, vom Alltag eingeholt wird. Wenn kritische statt zärtliche Worte fallen und der Gedanke, den anderen loswerden zu wollen, sich in den Vordergrund drängt.

Und genau diese ungemütliche Phase ist es, der sich die Treburer Autorin und Verlegerin Anette Welp bevorzugt widmet. So etwa in der dialogreichen Geschichte „Lena liebt“, in der sich ein Paar gegenseitig Vorwürfe macht, um festzustellen, wie weit voneinander entfernt sie bereits seit vielen Jahren nebeneinander herleben.

Michelin-Männchen

Die gebürtige Kölnerin beobachtet und analysiert, legt den Finger auf Wunden. Denn das, was sie beschreibt, ist in vielen Beziehungen Realität. Erst wenn eine ihrer Geschichten mit Mord endet, führt die Überspitzung der Situation beim Publikum zum Schmunzeln. In „XXL-Michel“ beklagt sich etwa eine Frau bei der Psychologin über ihren Mann, der immer mehr einem Michelin-Männchen ähnele, da er ständig fetter werde. Das Unwohlsein der Gattin wächst, denn der XXL-Michel ist auch charakterlich recht unangenehm. Die Situation eskaliert, als sie ihrem Elend unter Zuhilfenahme ihrer Stricknadeln ein Ende setzt.

Das Männermorden aus literarischer Seite sei mal ihr Spezialgebiet gewesen, erklärt die Treburerin ihrem Publikum. Ihre erste Geschichten- und Gedichtsammlung mit dem Titel „Ex und hopp – Liebesspiel und Mordeslust“ zeigt ihren Ideenreichtum, wie ungewollte Ehemänner zu Tode kommen.

2006 gründete Welp ihren eigenen Verlag, den Augen-auf-Verlag, der im vergangenen Jahr sein zehnjähriges Bestehen feierte. Aus diesem Anlass erschien die Sammlung „Die Welt meistern“, in der Welp Lieblingsgeschichten ihrer Schaffensphase zusammengetragen hat. Nach dem Druck der ersten Auflage sei der Schrecken groß gewesen, als sie feststellte, dass beim Rückentext auf dem Cover des Buches ein wichtiger und entscheidender Buchstabe fehlte, der aus Geschichten Gechichten machte. Alles noch mal drucken lassen? Welp machte stattdessen aus der „Gechichte“ eine Geschichte, die als Einlageblatt in den Büchern zu finden ist.

Haare stehen zu Berge

Ein wenig Horror lässt sie das Publikum mit „Der Saxophonmann“ spüren, als die Protagonistin den so empfindsamen Mann, der sein Instrument so wundervoll beherrscht, aus einem ganz anderen Blickwinkel kennenlernt. Ihre detailversessene Beschreibung lässt die Zuhörer geradezu die Haare zu Berge stehen und unangenehmen Ekel aufkommen.

Lustig wird es aber in der Geschichte, in der sie, die Kölnerin, von ihrem Job in einer Frankfurter Kneipe erzählt und nicht weiß was ein Geripptes ist. Wunderbar sind Welps Gedichte, die sich in ihren Büchern mit den Geschichten abwechseln und die punktgenau Gefühle und Situationen widerspiegeln.

Bei der nächsten Lesung der Königstädter Bücherfreunde wird es am 28. März um Literatur rund um Richard Löwenherz gehen.

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