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Originalgetreuer Nachbau: Neuer Zaun für alte Synagoge

Von Ein Jahr lang haben Azubis einen originalgetreuen Zaun nachgebaut. Die nächsten Projekte der Stiftung Alte Synagoge sind schon in Aussicht.
<span></span> Foto: Matthias Hoffmann
Rüsselsheim. 

 Mattgrau glänzen sie in der Mittagssonne, die Zaunspitzen vor der ehemaligen Synagoge in der Mainzer Straße. Der Clou: Die schmiedeeisernen Lilien sind originalgetreu denen nachempfunden, die auf dem einzigen bekannten Foto des Gotteshauses zu sehen sind.

Das Bild stammt aus den frühen 30er-Jahren. Genau lässt sich das nicht mehr sagen. Klar ist nur: Das Schwarzweiß-Foto wurde vor der Zerstörung durch die Nationalsozialisten bei den Novemberpogromen 1938 aufgenommen. Damals plünderten SA-Schergen das Gotteshaus und schändeten die Heiligtümer.

Die Nazis verzichteten darauf, das Haus niederzubrennen. Vermutlich, weil im Obergeschoss eine nicht-jüdische Familie lebte. Im selben Jahr musste die Gemeinde die Synagoge weit unter Wert verkaufen. Von Kriegsende bis in das neue Jahrtausend wohnten dort Menschen, ehe die ehemalige Synagoge 2005 in den Besitz der Gewobau überging. In den folgenden zehn Jahren diente das Haus hauptsächlich Veranstaltungen.

<span></span> Bild-Zoom Foto: Matthias Hoffmann

„Wir haben uns damals die Frage gestellt: Wie können wir das Gebäude mehr in den Mittelpunkt rücken?“, so Torsten Regenstein, Geschäftsführer der Gewobau, am Freitag bei der Vorstellung der Umbauarbeiten.

2016 haben diese begonnen – alles in enger Abstimmung mit dem Landes-Denkmalschutz. Eine Mauer wurde abgerissen, Gauben zurückgebaut. Die Fassade, letztmalig 1929 saniert, bekam einen neuen Anstrich. Schönes Detail: Wo vor dem Umbau zum Wohnhaus Rundbogen-Fenster waren, sind heute deren Reliefs in den Putz eingearbeitet. „Das Highlight ist aber neben der Fassade der neue Zaun“, betont Regenstein.

15 Meter lang

„Wir wollten, dass es möglichst historisch aussieht“, sagt Torsten Zimmermann vom Ausbildungsverbund Metall. Mehrere seiner Azubis haben den Zaun in einem Jahr Arbeit hergestellt. Gur 15 Meter ist er lang, mehr als 500 Kilogramm schwer.

Der Weg dahin alles andere als einfach: Das Schwarzweiß-Bild und einige Zeichnungen wurden mit einem Lineal vermessen, die Ergebnisse auf die tatsächliche Größe umgerechnet. Dann griffen die Metallbau-Azubis zu Schweißbrenner, Hammer und Co. „Alles reine Handarbeit“, versichert Ausbildungsleiter Zimmermann.

„Das Haus ist auf jeden Fall ein Schmuckstück in der Stadt“, schwärmt Dr. Bärbel Maul vom Stadt- und Industriemuseum. Die ehemalige Synagoge ist günstig gelegen, nämlich direkt an der Hessentagsstraße. Klar, dass einige Veranstaltungen geplant sind. Etwa eine Fragestunde mit einem Rabbi von der jüdischen Gemeinde Frankfurt.

Fast 100 000 Euro hat sich die Stiftung die Renovierung kosten lassen. Die nächsten Projekte stehen schon in den Startlöchern: Bis Ende Mai soll eine Tafel die Geschichte des im 19. Jahrhundert gebauten Hauses erzählen. „Der Text existiert bereits“, versichert Museumsleiterin Maul.

Mittelfristig will die Stiftung die Mikwe der ehemaligen Synagoge ausgraben. Dabei handelt es sich um ein jüdisches Ritualbad. „Wir wissen in etwa, wo wir den Spaten ansetzen müssen“, sagt Regenstein.

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