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SKV-Leichtathlet David Gescheidle engagiert sich im Verein: Parteiübergreifend, konstruktiv und kompromissbereit

Der 26 Jahre alte David Gescheidle, Leichtathlet und Trainer bei der Sport- und Kulturvereinigung (SKV), fällt seit geraumer Zeit in der Gemeinde auf, weil er sich auf vielfältige Weise ehrenamtlich engagiert, unter anderem auch bei dem kontroversen Thema „Sportparksanierung“. Echo-Reporter Rainer Beutel hat mit ihm über seine Motive und Ziele gesprochen.
David Gescheidle engagiert sich in jungen Jahren ehrenamtlich nicht nur für eine Sanierung des Nauheimer Sportparks. Foto: (Rainer Beutel) David Gescheidle engagiert sich in jungen Jahren ehrenamtlich nicht nur für eine Sanierung des Nauheimer Sportparks.

Herr Gescheidle, es fällt auf, dass Sie seit mehr als einem Jahr immer wieder Ausschuss- und Parlamentssitzungen besuchen. Sie wollen offenbar in die Kommunalpolitik einsteigen?

DAVID GESCHEIDLE: Ja, ich verfolge die Kommunalpolitik in Nauheim sehr aufmerksam und werde auch in Zukunft Sitzungen der Ausschüsse und Parlamente besuchen. Richtig begonnen hat der Einsatz für Nauheim aber erst, als sich im September 2016 ein SKV-Leichtathlet aus meiner Trainingsgruppe auf der maroden Aschelaufbahn des Sportparks verletzt hat.

Was haben Sie danach unternommen?

GESCHEIDLE: Zunächst wollte ich nur auf die Missstände aufmerksam machen. Etwas später habe ich den Kontakt mit Gemeindegremien und Sportparknutzern gesucht, um eine gemeinsame Lösung zu finden.

Sie haben auch ein Bündnis der Vereine geschmiedet, die den Sportpark nutzen. Für einen jungen Menschen ist eine vermittelnde, koordinierende Rolle eher ungewöhnlich. Welche Ideen und Visionen stecken dahinter?

GESCHEIDLE: Ich glaube nach wie vor, dass nur gemeinsam etwas bewegt werden kann. Die Vereine Nauheims müssen zusammenrücken und gemeinsam für ihre Interessen eintreten. Allerdings habe ich schnell gelernt, dass eine reine Erwartungshaltung ohne Kompromisse zu nichts führt.

Was sind die Ziele des Bündnisses?

GESCHEIDLE: Es gibt drei Ziele. 1. Die Vereine einigen sich auf eine gemeinsame Linie, 2. Die Vereine arbeiten kompromissbereit mit der Gemeinde zusammen, 3. Die Vereine nutzen synergetische Effekte in Form von Kooperationen und Fusionen, um gemeinsam auch in Zukunft ein starkes Angebot für Nauheim zur Verfügung zu stellen. Denn das ist die Pflicht der Vereine, die von ihrer Gemeinde Gelder für Sanierungsmaßnahmen erhalten wollen.

Auch bei Ihrem Verein, der Sport- und Kulturvereinigung, haben Sie bereits einiges bewirkt, vor allem in der Außendarstellung. Sie könnten sich ja auch einen schönen Tag am Baggersee machen.

GESCHEIDLE: Ich trainiere fünfmal in der Woche und stehe meist von 18 bis 21.30 Uhr auf dem Sportplatz. Da bliebe selbst ohne Engagement für die SKV nicht mehr viel Zeit für den Baggersee.

Aber Sie engagieren sich trotzdem ehrenamtlich. Warum?

GESCHEIDLE: Richtig. Von allen Seiten hatte ich gehört, dass die SKV pleite sei und nicht mehr auf die Beine käme. Das wurde auch von vielen Unwissenden so immer wieder nach außen transportiert. Auch viele Gemeindevertreter vertraten diese Ansicht. Ich wollte wissen: Stimmt das? So fing ich an, Vorstandssitzungen zu besuchen und habe mich eingebracht.

Sie haben die Homepage erstellt, richtig?

Ja, über Nacht habe ich eine neue Homepage erstellt und mir die Programmierkenntnisse dafür beigebracht. Die SKV hat mit ihrem vielfältigen Angebot und über 600 Mitgliedern ein enormes Potenzial. Nur wissen davon nicht viele. Dies wollte ich ändern.

Was sagen Freunde und Bekannte zu ihrem Engagement? Und ziehen die mit?

GESCHEIDLE: Innerhalb des Vereins wird das Engagement von fast allen begrüßt. Freunde und Bekannte sind leider eher weniger für das Ehrenamt zu begeistern. Sie sehen nur die fehlende Zeit und die fehlende Bezahlung. Ich antworte ihnen immer, dass gute Resultate nach ehrenamtlichem Engagement Lohn genug sind. Wenn Sportler bei hessischen Meisterschaften vordere Platzierungen erreichen, die Homepage gut läuft, der Verein Mitglieder gewinnt und neue Sportparkkonzepte umgesetzt werden, ist das mehr wert als jede Bezahlung. Allerdings muss man viel Zeit investieren.

Wie groß ist Ihr wöchentlicher Aufwand für die Ehrenamtsarbeit?

GESCHEIDLE: Derzeit wende ich dafür etwas mehr als 24 Stunden pro Woche auf. Die Stunden verteilen sich etwa folgendermaßen, davon entfallen auf das Training 15 Stunden, die Homepage und Öffentlichkeitsarbeit für die SKV und die Leichtathletik rund zehn Stunden, Sitzungen und Vorstandsarbeit etwa drei Stunden und für Trainingsplanung und -konzepte weitere drei Stunden.

Haben Sie die Kapazitäten, das in den nächsten fünf oder zehn Jahren fortzusetzen?

GESCHEIDLE: Ich bin sicher, dass ich das Engagement deutlich zurückschrauben muss. Es kann sein, dass ich während meines Referendariats übergangsweise aus Nauheim wegziehen muss. Ich versuche aber, in Nauheim zu bleiben und mich hier weiter zu engagieren. Am 23. Juni wählt die SKV-Jahreshauptversammlung einen neuen Vorstand. Wenn es ein gutes Vorstandsteam gibt, dass sich die Arbeit untereinander aufteilt, wäre auch für mich eine Mitwirkung im Vorstand möglich.

Sie haben erzählt, dass bereits mehrere Fraktionen bei Ihnen nachgefragt haben, ob Sie in der Kommunalpolitik mitmischen wollen. Können Sie sich das mittel- oder langfristig vorstellen?

GESCHEIDLE: Ich kann mir dies durchaus vorstellen. In den nächsten Jahren möchte ich mich aber erst einmal beruflich und finanziell absichern. Eine Arbeit als Berufspolitiker käme für mich nicht infrage. Eher ist es der Wunsch, Dinge parteiübergreifend, konstruktiv und kompromissbereit im Sinne Nauheims zu verändern. In Nauheim beschweren sich viele, aber gerade diese Nörgler bewegen sehr wenig und engagieren sich selten.

Haben Sie in dieser Hinsicht bislang gute oder schlechte Erfahrungen gemacht?

GESCHEIDLE: Die Kommunalpolitik in Nauheim erscheint bei der jüngeren Generation derzeit in keinem guten Licht. Ich habe im Winter 2016 etwa 25 Jugendliche und junge Erwachsene mobilisieren können, um bei einer Ausschusssitzung teilzunehmen. Von den Anwesenden möchte nach dieser Sitzung niemand mehr etwas mit der Nauheimer Politik zu tun haben. Auf meine geäußerte und gut gemeinte Kritik wurde sehr gereizt reagiert. Das sollte nicht mehr passieren.

Was würden Sie denn als Politiker unternehmen, um junge Menschen für das Ehrenamt zu begeistern?

GESCHEIDLE: Politiker müssen mehr ins Gespräch mit jungen Bürgern kommen. Dies wäre auch über die Vereine möglich. Politiker könnten regelmäßig in die Vereine und zu den Jugendtreffpunkten gehen und die Trainingsstunden von Jugendlichen ab 14 Jahren besuchen.

Ein konkreter Vorschlag bitte.

GESCHEIDLE: Einmal im Monat eine Bank ins Atrium stellen, Bürgermeister Jan Fischer in die Mitte, Fraktionsmitglieder aller Fraktionen und das Kinder- und Jugendparlament dazu. Freigetränke und Knabbereien für alle. Dann der Jugend einfach mal zuhören. Die Jugend muss das Gefühl haben, etwas bewegen zu können. Nur dann wird sie sich engagieren. Dazu gehört dann auch, dass die fähigen und erfahrenen Politiker Platz machen für die neue Generation, die gerne Erfahrungen sammeln möchte, aber sich noch nicht traut.

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