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Inklusion: RSV Rüsselsheim erhält Auszeichnung für therapeutisches Reiten

Trotz einiger Probleme im Vorfeld war der Riderscup des Reitsportvereins Rüsselsheim ein großer Erfolg. Für ihr Engagement für das Therapeutische Reiten erhielt der Verein am Wochenende eine ganz besondere Auszeichnung.
Reiterin Tamara und Pferdeführerin Jessica Verstege sind stolz auf die Auszeichnung. Reiterin Tamara und Pferdeführerin Jessica Verstege sind stolz auf die Auszeichnung.
Rüsselsheim. 

Hoch konzentriert sitzt Tamara auf Schulpferd Kuba. Die 18-Jährige verfolgt aufmerksam die Anweisungen von Sprecher Wilfried Hauf und setzt sie fehlerfrei um. Auch mit nach oben gestreckten Armen hält sie sich noch elegant im Sattel. Vom Rand des Parcours aus verfolgt ihre Mutter das Geschehen und freut sich über die gute Leistung ihrer Tochter.

Aufgrund einer allgemeinen Entwicklungsstörung kam das Mädchen 2011 zu den Rüsselsheimer Reitern. „Sie kommt gerne und regelmäßig“, sagt ihre Mutter. Tamara sei durch das Reiten viel selbstbewusster geworden und traue sich seitdem viel mehr zu. „Tamara hat gestern auch schon bei den Vorbereitungen mitgeholfen“, berichtet Anke Lorig, die zweite Vorsitzende des Vereins. Auch die Vereinsmitglieder mit Handicap seien voll integriert bei den Reitern.

Unruhen im Vorfeld

Nachdem es im Vorfeld einige Unwägbarkeiten wegen fehlender Parkmöglichkeiten für die Teilnehmer gab, ist zum Turnier aller Unmut vergessen. Das Wetter ist herrlich und auf dem Gelände am Rüsselsheimer Ortsrand herrscht reges Treiben. Die Zuschauer sitzen entspannt an einem der vielen lauschigen Plätze im Schatten, während die Organisatoren und Teilnehmer störungsfrei das anspruchsvolle Programm abwickeln.

Die Vorsitzende des Vereins, Cora Feldmann (Mitte), Silke Lorig (links) und Carmen Stowasser freuen sich über die Auszeichnung des deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten. Bild-Zoom
Die Vorsitzende des Vereins, Cora Feldmann (Mitte), Silke Lorig (links) und Carmen Stowasser freuen sich über die Auszeichnung des deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten.

Da dieses Jahr alles in zwei – statt wie bisher üblich drei – Tage passen musste, seien zwei Prüfungen gestrichen und die Zahl der Teilnehmer pro Prüfung reduziert worden, erklärt Lorig und versichert, dass diese Lösung gut angenommen werde, genauso wie die neue Parkplatzsituation. Das Dressur- und Springturnier „Riderscup Rüsselsheim“ bietet 21 Prüfungen bis zur S-Klasse.

Gut für die Muskulatur

Auch der elfjährige Tom tritt bei der Prüfung in der Führzügelklasse an. Man sieht ihm die Freude an, wie er da auf Wallach Fenus, geführt von Vereinsmitglied Diana Koller, seine Runden absolviert. „Durch einen Hirntumor war Tom körperlich total ausgeknockt, er musste alles wieder neu lernen“, sagt seine Mutter, anfangs habe er beim Reiten noch immer von jemand gestützt werden müssen. Heute sitzt der junge Mann ganz alleine hoch zu Ross und winkt fröhlich den Zuschauern zu.

„Das Reiten richtet die Leute auf“, erklärt Lorig. Der Pferdesport sei ideal für den Aufbau der Tiefenmuskulatur. Beim Reiter würden die gleichen Muskelgruppen wie beim Laufen aktiviert und die dafür nötigen Synapsen Verknüpfungen wieder hergestellt. Acht der zwölf Schulpferde des Vereins sind mittlerweile für das Therapeutische Reiten ausgebildet. „2003 haben wir unser Herz für Leute mit Handicap entdeckt“, sagt Lorig. Seitdem werde die Sparte immer weiter entwickelt. „Wir bringen jeden auf’s Pferd“, sei ihr Slogan, unabhängig von sozialer Schicht und körperlicher Verfassung.

Lobende Worte

Trainiert werden die Reiter mit Handicap von Carmen Stowasser, einer ausgebildeten Trainerin für therapeutisches Reiten. Gemeinsam mit den beiden Vorsitzenden darf sie heute eine besondere Auszeichnung für den Rüsselsheimer Stall entgegen nehmen. Ab heute ist der Rüsselsheimer Reitsportverein eine vom deutschen Kuratorium für therapeutisches Reiten anerkannte Einrichtung.

Auch die zur Verleihung erschienene politische Prominenz spart nicht mit Lob. „Sie haben meine Unterstützung, was dieses Areal hier angeht. Gemeinsam bekommen wir das hin“, verspricht Oberbürgermeister Udo Bausch (unabhängig). Und sein Vorgänger Patrick Burghardt (CDU), heute Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, erinnert sich: „Sie haben sogar mich schon mal aufs Pferd gebracht“. „Euer ganzes Team lebt diesen Verein und die Inklusion“, lobt Landtagsabgeordnete Sabine Bächle-Scholz (CDU) und ihre Kollegin Kerstin Geis (SPD) versichert: „Die Anerkennung ist mehr als verdient“.

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