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Gedenken an Fukushima: Radioaktivität lässt sich nicht abschalten

Fünf Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima erzeugen weiterhin Atomkraftwerke Strom. Im April jährt sich der GAU von Tschernobyl zum 30. Mal. Atomkraftgegner demonstrieren gegen die Atomlobby.
Atomkraft, nein danke: Tankred Bühler, Angelika Lange-Etzel und Margit Bühler von der Initiative Atomausstieg demonstrieren in der Innenstadt. Foto: Charlotte Martin Atomkraft, nein danke: Tankred Bühler, Angelika Lange-Etzel und Margit Bühler von der Initiative Atomausstieg demonstrieren in der Innenstadt.

Der Initiative Atomausstieg gehören Menschen aus dem gesamten Kreis an. Sie hatten am Samstag einen Infostand zur Gefährlichkeit der Atomkraft, zur Unmöglichkeit sicherer Lagerung des Atommülls sowie zur Argumentation der Atomlobby aufgebaut.

 

100 000 Todesfälle nach Tschernobyl

 

Als in der Innenstadt die gelbe Fahne mit der lachenden, roten Sonne wehte („Atomkraft – nein danke“), kamen Passanten näher, um sich zu informieren. „Die Euphorie um die Atomenergie als Klimaretter endete mit der Katastrophe von Tschernobyl. Damals begannen viele Leute zu begreifen, wie gefährlich auch friedliche Nutzung von Atomkraft ist“, führt Tankred Bühler aus, der ehemalige Dekan aus Groß-Gerau.

Er gehört zur Initiative Atomausstieg, macht sich ebenso wie seine Frau Margit Bühler stark dafür, die ihrer Meinung nach trügerische Argumentation der Atomlobby aufzudecken. „Fünf Jahre nach Fukushima, 30 Jahre nach Tschernobyl, wo der Sarkophag bröckelt und eine für 2005 geplante Schutzhülle bis heute nicht fertig ist, kämpfen wir immer noch um die dezentrale Energiewende: Sofortige Abschaltung aller deutschen Atomkraftwerke“, fordern sie.

Seine Frau sowie Angelika Lange-Etzel ergänzen Zahlen: „Nach Tschernobyl gab es bis heute 100 000 Todesfälle und eine Millionen strahlungsbedingte Krankheiten.“ Und auch der damals durch radioaktive Wolken stark betroffene Bayerische Wald – „tausende Kilometer von Tschernobyl entfernt“ – weise bis heute Verstrahlungen auf.

Ältere Atomkraftgegner erinnern sich, dass sie angesichts des Unglücks von Tschernobyl ihre Kinder aus den Sandkästen nahmen. „Es scheint, der Mensch ist erfahrungsresistent“, sagt kopfschüttelnd einer der Männer. Denn die Geschichte der Demonstrationen gegen Atomkraft ist lang. Und kein Ende sei in Sicht. Ein junger Mann erklärt: „Für die abgeschalteten AKWs Biblis soll es 2016 eine Rückbaugenehmigung geben. Das betrifft Millionen Tonnen Material. Wie soll dieser Atommüll sicher gelagert werden?“

Radioaktivität lasse sich nicht abschalten, betonen die Gegner. Das Thema Atomkraft habe viele lose Fäden, die ein beunruhigendes Knäuel ergeben, bei dem jeder logisch denkende Mensch Bauchschmerzen bekommen müsse: Da ist am Infotisch auch die Rede von Untersuchungen, die krebserregende Stoffe in der Umgebung von Atomkraftwerken nachweisen. „Im fünf Kilometer-Nahbereich eines AKWs ist die Krebsrate bei kleinen Kindern um 60 Prozent und die Blutkrebsrate gar um 118 Prozent erhöht“, heißt es.

 

„Lügen der Atomlobby“

 

„Die Strahlenbelastung ist signifikant“, so die Aktiven. Sie sammeln Unterschriften gegen die geplante Steuerbefreiung für AKWs. Manche Passanten unterschreiben. „Milliardengeschenke für die? Nein, danke“, sagt ein älterer Herr und setzt seinen Namen auf die Liste. Dass ohne Atomkraft die Lichter ausgingen, dass friedliche Nutzung kontrollierbar sei, dass es für Atommüll sichere Lösungen gäbe – kurz: dass Atomkraftwerke harmlos seien – all dies nennen die Atomkraftgegner die „Lügen der Atomlobby“. cma

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