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Orgelkonzert in der evangelischen Kirche: Ritt durch alle Tonlagen

Heiter durch die Orgeltöne: Uwe Ludwig (Mitte) zieht im wahrsten Sinne des Wortes alle Register und lässt sich dabei begleiten. Foto: Jan Stich Heiter durch die Orgeltöne: Uwe Ludwig (Mitte) zieht im wahrsten Sinne des Wortes alle Register und lässt sich dabei begleiten.
Ginsheim-Gustavsburg. 

Es kommt in der fünften Jahreszeit ja kaum eine Veranstaltung ohne das Prädikat „heiter“ aus. Das heitere Orgelkonzert in der evangelischen Kirche Ginsheim stach dann aber doch aus der breiten Menge närrischer Veranstaltungsangebote heraus. So eng ist die Orgel heute mit der strengen Ernsthaftigkeit des Gottesdienstes verbunden, dass man sie sich kaum noch außerhalb des liturgischen Rahmens vorstellen kann. Organist Klaus Uwe Ludwig bewies am Sonntagabend, dass sich ein heiterer Blick über das evangelische Gesangbuch hinaus durchaus lohnt.

„Was bedeutet Humor in der Musik?“, fragte Ludwig eingangs. Verrutschte Akkorde, unerwartete Melodien und überraschende Klänge könnten Musik heiter wirken lassen, antwortete er. Wer Schenkelklopfer und schallendes Gelächter erwartet hatte, der bekam nun den ersten Hinweis, dass es hier um eine andere Art Humor ging. Ludwig ist eben kein Kabarettist, sondern Organist. Nach einer kurzen Einleitung ganz ohne Witze oder Reime setzte er sich für den Rest des Abends an seinem Spieltisch und ließ die Musik für sich sprechen. „Sie werden die meisten der heutigen Stücke kennen, nur vielleicht nicht in diesem Klang“, hatte er angekündigt.

Los ging es mit Franz von Suppés Ouverture zur Operette „Dichter und Bauer“. Ludwig selbst hat das Stück für Orgel bearbeitet, und heraus kam ein Ritt durch sämtliche Tonlagen des Instruments. Allein bei diesem Stück wurde jedes Register der Oberlinger Orgel gezogen. Ludwig hatte so viele Klangwechsel in das Stück eingebaut, dass er zwei Assistenten links und rechts brauchte, die für ihn die Register bedienten. Von dünnem Vogelzwitschern bis zu wuchtigen Bässen, die das gesamte Kirchenschiff zittern ließen, kamen dabei wohl sämtliche Klangfarben vor, die die 980 Orgelpfeifen zu bieten haben.

Die folgenden Stücke wurden ruhiger. In Carl Orffs Carmina Burana ging es eher um rhythmische Komik, des öfteren spielte Ludwig hier so, als würde eine Schallplatte plötzlich hängen. Ein Höhepunkt war die Tritsch-Tratsch-Polka. Dieses Stück kennt man auch mit dem Orgelklang, doch aus einem ganz anderen Raum: dem Zirkus. Früher hatte jedes Zirkuszelt eine kleine lustige Orgel zur Untermalung des Geschehens, und wie Ludwig das Stück anstimmte, erwartete man auch direkt, dass ein Pferd samt Artistin durch die Kirchenpforte auf den Altar zu galoppierte.

Bemerkenswert war auch der Ausflug in die Filmmusik. Die mutige Mixtur aus den Soundtracks von „Der dritte Mann“ und „Der rosarote Panther“ mit Wagners „Ring des Nibelungen“ klang unerwartet großartig. Darauf deutete auch der große Andrang hin. Mit mehr als 100 Gästen hatte wohl niemand gerechnet, und so waren die Programmhefte lange vor Konzertbeginn restlos vergriffen. jast

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