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Prozess: Rüsselsheimer (34) schießt Ex-Frau in den Hals

Von Die Tatwaffe ist ungewöhnlich: Mit einem Schießkugelschreiber verletzte ein Mann seine Ex-Frau schwer. Jetzt wurde der Täter verurteilt – allerdings nicht wegen versuchten Mordes.
Symbolbild: Peter Steffen/Archiv Symbolbild: Peter Steffen/Archiv
Rüsselsheim. 

„Dass da nicht mehr passiert ist, grenzt an ein Wunder“, befand gestern der Vorsitzende der 11. Großen Strafkammer am Landgericht Darmstadt, Volker Wagner. Weil ein Ehemann seiner mit ihm in Scheidung lebenden Frau in Rüsselsheim mit einem Schießkugelschreiber in den Hals geschossen und einen Wirbel zertrümmert hat, muss er jetzt für viereinhalb Jahre ins Gefängnis.

Er wurde nur wegen gefährlicher Körperverletzung mit einer Schusswaffe und nicht wegen versuchten Mordes verurteilt – „weil ihm letzt endlich der Tötungsvorsatz nicht mit der ausreichenden Sicherheit nachgewiesen werden konnte“, so der Vorsitzende der Strafkammer.

Der 34-Jährige Angeklagte stammt wie das von ihm getrennt lebende Opfer (32) aus Kolumbien. Die Tatwaffe, ein Schießkugelschreiber will er sich bei einem Griechen besorgt haben. „Der Grieche“ hatte für ihn keinen Namen, aber diese sorgfältig gearbeitete verbotene Waffe. Angeblich soll das Gerät nur 50 Euro gekostet haben.

Hohe Treffsicherheit

Dafür sei die Waffe extrem gut und sorgfältig gearbeitet worden, sagte ein Sachverständiger des Landeskriminalamts als Zeuge aus. „Damit könnte man auf eineinhalb Kilometer nicht nur treffen, sondern glatt einen Fuchs erschießen.“ Besonders der Lauf sei fachmännisch auf hohe Treffsicherheit gearbeitet.

Diese Waffe will der Frachtarbeiter auch mehrfach mit an seiner Arbeitsstelle auf dem Frankfurter Flughafen gehabt und Kollegen gezeigt haben. Wenn was passiere, wolle er sich damit umbringen, soll der jetzt Verurteilte erzählt haben. Diese Aussage machte er nach dem Schuss auf seine Partnerin am 25. Februar diesen Jahres auch bei der Polizei.

Schuss kein Versehen

Das Schwurgericht mochte ihm diese Aussage nicht glauben. Die Richter glaubten eher einem Sachverständigen. Der wies nach, dass es unmöglich gewesen sei, mit dem Schießkugelschreiber in selbstmörderischer Absicht gefeuert zu haben. Noch weniger mochten sie glauben, dass der Schuss versehentlich losgegangen sei.

Denn die mit einer Patrone mit sehr hoher Durchschlagskraft geladene Waffe musste in einem Winkel auf den Hals der 32-jährigen Köchin gerichtet worden sein, die diese Version des Ereignisses schier unmöglich erscheinen ließ. Die Kugel traf auf der Vorderseite den Hals der Frau, verfehlte nur um Millimeterbruchteile lebenswichtige Blutgefäße sowie Nerven, zertrümmerte den Dornfortsatz des siebten Halswirbels und trat dort wieder aus.

Die 32-jährige brach im Treppenhaus vor der Wohnung des Paares in Rüsselsheim zusammen, kam mit dem Notarztwagen ins Krankenhaus, wurde in die Uniklinik nach Mainz verlegt. Den Schützen nahm die Polizei noch am Tatort fest. Er betonte immer wieder: „Ich wollte sie nicht töten.“ Dabei blieb er auch während der ’Verhandlung vor dem Landgericht in Darmstadt.

Selbst sein Opfer sagte in den ersten Anhörungen durch die Polizei, sie glaube nicht, dass ihr Lebensgefährte sie töten wollte. Erst vor Gericht sagte sie: „Jetzt ist mir erst klargeworden, mit was für einem Mann ich elf Jahre zusammen war.“ Sie wolle mit ihm nichts mehr zu tun haben, baue sich mit ihren drei gemeinsamen Kindern nun ein neues Leben auf.

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