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Zukunftsangst: SKV-Leichtathleten sorgen sich um ihren Fortbestand

Die Gemeinde ist im Begriff, eine überaus rege Sportabteilung zu verlieren. Die Leichtathleten der Sport- und Kulturvereinigung (SKV) trainieren bereits in Trebur, 2018 werden gemeinsame Wettkampfriegen gebildet. Ändert sich im Nauheimer Sportpark nichts, sehe die Prognose eher düster aus, sagt der Sportler, Spartensprecher und Trainer David Gescheidle im Interview mit Echo-Mitarbeiter Rainer Beutel.
Abgewandert: Das Mehrkampfteam der SKV-Leichtathleten holte schon zahlreiche Titel, inzwischen trainieren David Gescheidle, Max Traiser und Daniel Gescheidle (von links) mit ihren Kameraden in Trebur. Foto: (Rainer Beutel) Abgewandert: Das Mehrkampfteam der SKV-Leichtathleten holte schon zahlreiche Titel, inzwischen trainieren David Gescheidle, Max Traiser und Daniel Gescheidle (von links) mit ihren Kameraden in Trebur.
NAUHEIM. 

Herr Gescheidle, 2017 war von den Leichtathleten beim Einsatz für einen besseren Sportpark viel zu hören. Inzwischen ist es ruhiger geworden. Liegt das an der kalten Jahreszeit?

DAVID GESCHEIDLE: Nein, es liegt nicht nur an der kalten Jahreszeit. Die sportpark-nutzenden Vereine haben 2016 und 2017 an einem Strang gezogen und gemeinsam für bessere Bedingungen in einem Sportpark gekämpft, dessen Stätten stark verletzungsgefährend sind. Ich denke, es war in Nauheim ein Novum, dass bis zu 40 junge Menschen Ausschusssitzungen besucht und sich bei politischen Veranstaltungen mit ihren Wünschen eingebracht haben. Wir haben neben Beruf, Studium, Schule und Ausbildung alles getan, was möglich war.

Was ist daraus geworden?

GESCHEIDLE: Da der Spielball nach unserem kompromissbereiten Einsatz klar bei den politischen Mandatsträgern lag und sich ein weiteres Jahr nichts getan hat, mussten wir uns nach alternativen Lösungen umschauen. So bilden die Leichtathleten der SKV Nauheim seit dem 1. Januar 2018 eine Startgemeinschaft mit den Vereinen aus Königstädten und Trebur. Mit den Sportlern und Trainern des TV Trebur bilden wir jetzt sogar eine Trainingsgemeinschaft.

Wie funktioniert die Kooperation?

GESCHEIDLE: Die Trainer und Sportler des TV Trebur haben uns mit offenen Armen empfangen. Es war für unsere Gruppe ein seltsames Gefühl, in Trebur nachts auf flutlichtbeleuchteten Tartanrundbahnen trainieren zu können. Der Geräteraum des TV Trebur bietet neueste und qualitativ hochwertige Geräte, und eine lizenzierte Treburer Trainerin gibt neue Impulse. 2018 werden wir erste gemeinsame Staffeln stellen und bei Wettkämpfen mit einheitlicher Kleidung auftreten.

Ist durch die Zusammenarbeit mit Trebur jetzt die Zukunft der SKV-Leichtathleten gesichert?

GESCHEIDLE: Die Zukunft unserer Leichtathleten ist sicherer geworden, aber noch nicht gesichert. Solange unsere Trainingsgemeinschaft bestehen bleibt, werden Nauheim und Trebur von der Zusammenarbeit profitieren. Das gemeinsame Training, die gemeinsame Wettkampfbetreuung und das gemeinsam organisierte Trainingslager im April 2018 zeigen, dass alle Mitstreiter bemüht sind, diese Zusammenarbeit noch weiter auszubauen. Langfristig müssen sich aber die Bedingungen auch in Nauheim ändern, sonst wird es hier keine Zukunft geben.

Was ist der Knackpunkt?

GESCHEIDLE: Der Leichtathletik fehlt in Nauheim trotz sportlicher Erfolge eine politische Lobby. Man muss sich nur einmal vorstellen, dass die Nauheimer Tennenbahn seit den 70er-Jahren nicht mehr vollständig saniert worden ist, 2018 aber mehrere hunderttausend Euro für eine Sanierung des Kunstrasens ausgegeben werden sollen. Summiert man diese Beträge und berechnet die Folgekosten, ergeben sich Millionenbeträge, welche die Ausgaben für eine moderne Tartanbahn inklusive Flutlichtanlage um ein Vielfaches übertreffen.

Wie lautet Ihr persönliches Fazit?

GESCHEIDLE: Ich finde es äußerst fragwürdig, wenn auf politischer Ebene Entscheidungen über den Sportpark getroffen werden sollen, ohne vorher mit den Betroffenen gesprochen zu haben. Manche Kommunalpolitiker haben offenkundig versucht, die Vereine gegeneinander auszuspielen und jeden Kompromiss der Vereine abgelehnt. Es wurde immer wieder viel diskutiert, aber nichts bewegt. Bei Ausschusssitzungen stimmten manche Politiker für oder gegen Anträge, von denen sie nicht wussten, was sie beinhalteten. So begeistert man die zahlreichen jungen Menschen, die sich für den Sportpark eingesetzt haben, nicht für die Politik.

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