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Konzert: Sänger des Chorprojekts "Kantvokal" zeigen eindrucksvoll ihr Können

Einzig- und großartig ist das Chorprojekt „Kantvokal“. Zum zehnjährigen Bestehen gab es nun ein „Best of“, das an zwei Abenden im Rüsselsheimer Stadttheater begeistert aufgenommen wurde.
Inbrünstig: Die Sänger von „Kantvokal“ gaben im Stadttheater zwei begeisternde Konzerte. Foto: Maik Reuß Inbrünstig: Die Sänger von „Kantvokal“ gaben im Stadttheater zwei begeisternde Konzerte.
Rüsselsheim. 

„Das gibt’s nur einmal!“ Prächtig tönt es aus 150 Kehlen am Ende eines wunderbaren Abends. Und die vielstimmigen „Zugabe“-Rufe des stehend applaudierenden Auditoriums gipfeln als solistische Draufgabe in einem fordernden Schrei aus begeistertem Kindermund, der wie ein funkelndes Licht die phänomenalen Leistungen der singenden Kantianer bündelt. Mit Leonard Cohens „Hallelujah“ als erster Zugabe lässt der große IKS-Chor nochmals seine abgerundete, volltönende Strahlkraft hören, bevor sich alle mit Engelbert Humperdincks „Abendsegen“ als Gute-Nacht-Gruß still verabschieden.

Zuvor gab es drei Stunden Musizieren der Extraklasse, das – was die Präzision der vokalen und darstellerischen Realisierung betrifft – bei jedem einzelnen Beitrag für Verblüffung sorgte. Der musikalische Leiter Rüdiger Schmidt, vom Flügel aus steuernd und assistiert von Querflöte (brillant: Isabelle Bodenseh), Kontrabass (Christof Enders) und Schlagzeug (Jan-Peter Linay), versteht es, in seinen Arrangements für den großen Chorapparat die Stimmen zu einem faszinierend homogenen Klang zu führen.

„Ein Freund, ein guter Freund“: Freudestrahlend verkünden die Kleinen wie die Großen diese Botschaft zu Beginn und umarmen sich im Schulterschluss. Schnörkellos im wirkungsvollen Unisono prasseln bekannte Melodien wie „Ja, das Temperament“, „Es ist so schön, am Abend bummeln zu gehen“ oder „Die kleine Stadt will schlafen gehen“ von der Bühne. Beim „River-Kwai-Marsch“ erlebt man 300 gespitzte Lippen mit Pfiff, bei „Vois sur ton chemin“ ein ausgezeichnetes Französisch. Beeindruckend sind die Klangfülle und die Crescendo-Steigerungen bei „Adiemus“, und selbst der Pilgerchor aus Richard Wagners „Tannhäuser“, vorrangig wahrlich nicht für Kinderstimmen gedacht, wirkt authentisch – man erkennt die intensive Probenarbeit, man spürt die Begeisterung, die diese große Musikgruppe für ihr gemeinsames Tun mitbringt.

Wie von Zauberhand

Mehr als 20 Mädchen im Extrachor „Cantilena“ singen glockenrein. Mühelos erklimmen sie ihre Spitzentöne, gehen flexibel in zarte Pianobereiche über (Jacques Offenbachs wogende „Barcarole“), können aber auch tüchtig Gas geben (Leonard Bernsteins „I feel pretty“). Die zwölf jungen Damen der „Swingles“ leisten Außergewöhnliches: Schwerelos besingen sie die nach oben entschwebenden Luftballons. Dabei präsentieren sie, wie von Zauberhand flugs in bunten Kleidchen, die von Stephanie Theiß gestaltete luftige Choreographie.

Wie selbstverständlich purzeln die Synkopen in Rüdiger Schmidts diffizilem Jazz-Arrangement von „Fly me to the Moon“ und bei „Big Spender“, wo sie tüchtig an der melodischen Höhenschraube drehen und Sex-Appeal hervorkehren dürfen.

Die Stimmungsmacher sind die 15 jungen Burschen des „Herrensalons“. Stramm salutieren sie bei „Das ist die Liebe der Matrosen“. Die „Juliska aus Budapest“ befeuern sie, akkurat nach Größe sortiert, mit schlenkernden Beinen. Auch neue kleine Gesangsgruppen stellen sich vor: Vier junge Damen sitzen als „Swoopies“ im feinen Schwarz auf Barhockern, nehmen ihr Publikum ins Visier und säuseln „It’s only a Paper Moon“. Da lässt sich der männliche Nachwuchs nicht lumpen: Sechs fesche Knaben eifern als „Heartbreakers“ mit „Veronika, der Lenz ist da“, blitzsauber gesungen, den älteren Vorbildern nach.

Und die Solisten! Robert Zaske und Ariane Montero bezaubern mit „Lippen schweigen“ von Franz Lehar. Mit dessen „Dein ist mein ganzes Herz“ wandelt Tobias Springer mutig auf den tenoralen Spuren Richard Taubers, während Jule David und Florian König, lässig swingend, George Gershwin zelebrieren. Den stillen Kontrast markieren Marina und Lea Antunovic, die Faszination des Fremdartigen nutzend, in einem großartigen Auftritt mit einem mazedonischen Volkslied.

Medley früherer Hits

Unvermittelt wird im zweiten Programmteil die Bühne in Besitz genommen von ehemaligen Chormitgliedern um Sascha Kaub, die an den Chor-Start vor 18 Jahren erinnern und ihren Maestro Rüdiger Schmidt mit einem Medley früherer Hits und einem Rückblick-Ständchen auf höchstem Niveau überraschen, begleitet von Standing Ovations im Parkett: „Danke für die Lieder, für jede Melodie.“

Verzichtbar in diesem abendfüllenden Hochgenuss erscheint allenfalls – bei allen langjährigen Verdiensten – die Moderation Nick Benjamins, der seine Witzchen wie ein Knecht-Ruprecht-Fossil aus einem trüben „Banale Grande“ zu fischen schien. „Ich bin dann mal weg“, sagte er zum Abschied. Gut so. Der Dank für seine lange fürsorgliche Begleitung von „Kantvokal“ ist ihm gewiss. Und mit seinem Statement gleich zu Beginn trifft er den Nagel auf den Kopf: „Die Disziplin und der Enthusiasmus dieser Schüler sind nicht zu übertreffen.“

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