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Lesung: Schriftsteller Max Kidruk stellt im "Rind" sein literarisches Werk vor

Der ukrainische Schriftsteller Max Kidruk spricht im „Rind“ über sein Leben als Künstler. Angehenden Schriftstellern gibt er wichtige Tipps.
„Lesen, lesen, lesen“: Max Kidruk und Anna Preiss (von links) sprechen über das Schriftsteller-Dasein. „Lesen, lesen, lesen“: Max Kidruk und Anna Preiss (von links) sprechen über das Schriftsteller-Dasein.
Rüsselsheim. 

Was Max Kidruk zum Schriftsteller-Dasein zu sagen hat, das ist universell gültig, da spielt es keine Rolle, dass er aus der Ukraine stammt. Bei seiner Lesung im „Rind“, bei der er im weißen Hemd und fröhlich lachend an einem Holztisch sitzt, da sagt er: „Das Wichtigste als junger Schriftsteller ist, das ist doch, dass du die ersten drei, vier Tage nach der Veröffentlichung deines ersten Buches überlebst.“ Kidruk lacht, und das Publikum tut es ihm gleich. Er spricht ukrainisch, die Dolmetscherin Anna Preiss übersetzt.

Der 32-Jährige ist am Mittwochabend nach Rüsselsheim gekommen, um sein neuestes Buch vorzustellen. Auf deutsch würde es den Titel „Schau in meine Träume rein“ tragen, doch gibt es noch keine deutsche Übersetzung. „Deswegen bin ich hier“, sagt der Schriftsteller. Und da ist es wieder, dieses gewinnende Lachen.

Kidruk ist in der Ukraine ein Literatur-Star. Seine Bücher stehen dort auf den Bestseller-Listen, Jugendliche sind verrückt nach seinen Techno- und Science-Fiction-Thrillern. Er wird von Schulen eingeladen. Tourneen führten ihn nach Südamerika, Afrika, Asien.

Derzeit ist er auf Deutschland-Tour, um sein Werk zu bewerben. Nach Rüsselsheim kam er auf Einladung der Stadtbücherei. Kidruk stammt aus Wolodymyrez, einem kleinen Dorf im Nordwesten der Ukraine. Behütet sei die Kindheit gewesen, und er sagt: „Ich habe nie eine Waffe gesehen, ich wurde nicht einmal ausgeraubt.“ Sein Vater habe eine große Bibliothek gehabt: „5000 Bücher. Abenteuerromane.“ Und so hat Max Kidruk als Kind gelesen und gelesen und gelesen. Doch dass er einmal Schriftsteller werden würde? „Das hat gedauert, bis ich realisiert habe, dass ich das einmal schaffen würde.“ Denn zunächst steht eine ganz schöne Ochsentour auf dem Programm: Als junger Mann verlässt Max Kidruk sein behütetes Zuhause, geht nach Stockholm, um hier Physik zu studieren. „Um meine Eltern mit meinem Wunsch Schriftsteller zu werden, nicht zu verunsichern, dachte ich: Vielleicht kann ich auch Ingenieur werden.“

Einsicht in Stockholm

In Stockholm jedoch dann der Schock: „Hier lernte ich plötzlich die große weite Welt kennen.“ In der Fremde fasste er erneut den Entschluss, diesmal final: „Ich werde Schriftsteller.“ Und während er den Schein warte und in der Uni eingeschrieben blieb, schrieb der ambitionierte Künstler. Er schrieb und schrieb und schrieb. Das erste Buch wurde von Verlagen abgelehnt, das zweite auch. „Eine harte Zeit“, sagt er. Er habe sich zwischenzeitlich ausschließlich von Haferbrei ernährt. „Doch wenn du wirklich etwas erreichen willst, dann musst du Entbehrungen auf dich nehmen.“

Max Kidruk gibt nicht auf. Und der dritte Roman, der Techno-Thriller „Bot“ (2012), bringt dann den Durchbruch. Eine Freundin schickt das Manuskript zu einem Literatur-Wettbewerb in die Ukraine. Sechs Verlage wollen ihn haben, das Buch veröffentlichen. „Großartig!“, sagt Max Kidruk. Seitdem geht es bergauf: Zunächst verkauft er in der Ukraine 1000 Bücher, von seinem neuesten Werk schon fast 10 000. „Für die Ukraine sind das tolle Zahlen“, so der Schriftsteller. Auch in Polen, in Tschechien findet er einen Markt für seine Romane – und hoffentlich bald auch in Deutschland.

Neue Welten erobert

Längst haben sich seine Sujets verschoben: Hat er früher hauptsächlich Utopien geschrieben, so ist er nun beim Sozialdrama angekommen. „Jedes Buch, das ich lese, das verändert mich und mein schreiben.“ Für eine junge Schriftstellerin, die in Rüsselsheim gebannt lauscht, hat er einen Tipp: „Nicht aus der Ruhe bringen lassen. Und lesen, lesen, lesen.“ Rund 100 Bücher lese er im Jahr, sagt Max Kidruk. Das Geheimnis sei, den eigenen Text irgendwann objektiv beurteilen zu können. Zu sehen, was an Texten gut ist. Und, natürlich, was an Texten schlecht ist.

Und auch Politisches wird gestreift: Max Kidruk hat mehr Angst vor Donald Trump als vor Wladimir Putin. Er selbst habe momentan keine Probleme: „Ich kann reisen“, sagt er. In meinem Heimatdorf ist alles friedlich. „Es ist der beste Ort, den ich mir für mein Leben vorstellen kann.“ Und wenn man ihn so lachen sieht, dann glaubt man ihm sofort.

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