E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige 17°C

Zeremonie: So wird der Teegenuss perfekt

Nach Wasser ist Tee das meistgetrunkene Getränk weltweit. Mit der Engländerin Helen Winkler und der Marokkanerin Faoutia Bannour berichteten zwei Fachfrauen beim Frauenfrühstück in der Wicherngemeinde über Tee und Teekulturen ihres Landes.
Symbolbild Foto: Karl-Josef Hildenbrand/Illustration Symbolbild
Rüsselsheim. 

Bevor Helen Winkler von der Wicherngemeinde zur Tat schreitet, trinkt sie erst einmal einen Tee. Auch bevor sie am Samstagmorgen mit den Vorbereitungen für das Frauenfrühstück begann, wäre das, wie sie berichtet, nicht ohne eine Tasse Tee gegangen. Schwarzer Tee, meist mit Milch und Zucker verfeinert, wird in Großbritannien ständig getrunken und ist fester Bestandteil britischer Trinkkultur.

Morgens zum Frühstück, zum Mittag- und Abendessen, aber auch mehrmals zwischendrin dient das Getränk für eine Verschnaufpause im Alltag. Im Büro gibt es Teepausen und selbst noch spät in der Nacht, nach einem Theater- oder Kinobesuch gönne man sich vor dem Zubettgehen noch eine Tasse Tee.

In England mit Scones

Meist werde jedoch nicht aus feinen Porzellantassen, wie das oft in Filmen gezeigt würde, getrunken, sondern aus großen Bechern. In ihrer Jugend, erinnert Winkler sich, wurde Tee mit losen Blättern aufgebrüht und diese landeten dann als Dünger in Rosen- und Blumenbeeten. Heute würden meist Teebeutel benutzt.

Der sogenannte „Afternoon Tea“ werde gegen 15 Uhr getrunken. Dann in Porzellantassen und in gemütlicher Runde auf dem Sofa sitzend. Dazu gibt es Sandwiches, Toastscheiben mit verschiedenen Aufstrichen und einmal diagonal durchgeschnitten, genau so, dass die Brotstücke die charakteristische dreieckige Form erhalten.

Ein anderer Leckerbissen passend zur Teekultur sind Scones, Mürbeteigbrötchen, die mit Clotted Cream, einer Art dickem Rahm, statt Butter und Erdbeermarmelade gegessen werden. Der „High Tea“ zwei Stunden später kann überall und weniger förmlich getrunken werden. Doch die Frage, warum Tee in einem Land, das selbst keinen Tee anbaut, so beliebt ist, wurde an diesem Vormittag nicht beantwortet.

Auch in Marokko wird viel und zu allen möglichen Anlässen Tee getrunken, berichtete die Marokkanerin Faoutia Bannour. Sie betreibt den „Argana Shop – Tee und Genuss“ in der Rüsselsheimer Marktstraße.

Aus dem Glas genießen

Im Schnitt trinken die Marokkaner täglich ein bis zwei Tassen, und das aus einem Glas statt aus einer Tasse. Meist ist es Pfefferminztee, der aus frischer Nanaminze und Gunpowdertee (ein spezieller Grüntee) gekocht wird. Ganz wichtig dabei, er muss süß sein. Für europäische Verhältnisse sogar sehr süß. Eine Verwandte, die Bannour in Deutschland besuchte, sei geradezu erschrocken darüber gewesen, wie wenig Zucker sie in ihrem Haushalt habe.

Bei ihr in Marokko müsse immer ein Zehnkilosack Zucker bereitstehen. Schon um den täglichen Tee zu süßen. Auf zwei Liter Tee kommen etwa acht Löffel Zucker. Meist wird zum Tee dann auch noch süßes Gebäck angeboten. Jeder Mediziner würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber die Leute in Marokko würden trotz viel Zuckerkonsum sehr alt werden, erklärte Bannour.

Der Pfefferminztee wird mithilfe einer bestimmten Zeremonie zubereitet. Gunpowdertee kommt in die Kanne und wird mit ein wenig kochendem Wasser übergossen. Das wird nach einiger Zeit weggegossen, da es dazu dient, die Kanne zu säubern und kleine Bestandteile im Tee zu entfernen. Dann wird Wasser eingefüllt und erst dann kommt die frische Minze dazu, die nicht mit kochendem Wasser in Berührung kommen darf. 80 Grad sollte das Teewasser haben und die Ziehzeit bei grünem Tee sollte drei Minuten dauern. Ist der Tee fertig, wird er in die Gläser gegossen. „Dabei ist viel Abstand zwischen Kanne und Glas wichtig, der Tee sollte einen langen Weg haben“, erklärte Bannour. „Dadurch vermengt er sich mit Luft und schmeckt besser.“ Das richtige Einschenken demonstrierte sie denn auch gleich.

 

Mehr aus Rüsselsheim

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen