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Vielfalt und Toleranz: Transgender Balian Buschbaum zum Dialog in Stadtbücherei

Zwei Wochen vor der Premiere des Stückes ,Somebody‘ des Jungen Ensembles lud Ex-Leichtathlet und Transgender Balian Buschbaum in der Rüsselsheimer Stadtbücherei zum Dialog über Vielfalt und Toleranz ein.
Setzt auf Dialog: Balian Buschbaum im Gespräch Setzt auf Dialog: Balian Buschbaum im Gespräch

„Was seht ihr?“ Diese Frage stellt Balian Buschbaum am Mittwochabend häufig. Immer wieder testet er sein Publikum, fordert es heraus, die eigenen vorschnellen Urteile und festgefahrenen Denkgewohnheiten abzulegen. Ist das blonde Mädchen mit den langen Haaren auf dem Foto wirklich eine Frau? Woran machen wir unser Urteil fest? Und: Warum müssen wir kategorisieren? Für Balian Buschbaum, der mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen auf die Welt kam, ist die Antwort leicht: Kategorisieren „ist einfach blöd. Das braucht man nicht zu machen“, stellt er fest. Warum, das will er im Laufe des Abends deutlich machen.

Dass Buschbaum, der seit seiner Jugend auf internationalem Niveau im Stabhochsprung erfolgreich war und 2007 seine körperliche Transformation zum Mann öffentlich machte, an diesem Abend in der Rüsselsheimer Stadtbücherei spricht, ist kein Zufall.

Transsexualität – Was ist das?

Als transsexuell bezeichnet man Menschen, die ,im falschen Körper geboren‘ sind – also beispielsweise jemanden, der mit männlichen Geschlechtsorganen zur Welt gekommen ist, sich aber als Frau fühlt.

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Transgender-Theater

In zwei Wochen feiert das Junge Ensemble (JE) im Stadttheater Premiere der Uraufführung ,Somebody‘. Das Stück beleuchtet den gesellschaftlichen und persönlichen Umgang mit der Transgender-Thematik. Über die Regisseurin Milena Wichert war der Kontakt zu Buschbaum entstanden; der rund zweistündige Dialog stand allen Interessierten offen. „Milena Wichert ist eine wahnsinnig gute Netzwerkerin – der Vortrag von Balian ist eine super Sache“, lobt auch Milena Franta, die im Stadttheater die jungen Formate verantwortet.

Bevor Balian Buschbaum in seinen Vortrag einsteigt, richtet auch Bürgermeister Dennis Grieser deutliche Worte an die Anwesenden und spricht sich für Toleranz aus: Diversity und Inklusion seien Themen, die in Rüsselsheim noch mehr behandelt werden müssten. Das Thema Geschlechtsidentität verlange eine vielfältige Vermittlung. Und die liefert Buschbaum prompt.

Normal ist anders

Ausgesprochen locker steigt er ins Gespräch ein, man duzt sich. Immer wieder unterbricht er seinen Vortrag, um mit dem Publikum zu diskutieren. „Vielfalt, ist das, was wir leben. Schaut doch mal nach rechts und links – wie vielfältig sind wir hier?“ Schnell wird deutlich, dass ,normal‘ eigentlich ,anders‘ ist. Von der biologischen Definition von Geschlecht über sexuelle Identität bis hin zur Sexualitäts-Vielfalt im Tierreich verpackt Buschbaum Information in kurzweiligen Dialog. Wichtig ist ihm, zu erklären, dass sexuelle Identität nicht von den äußerlichen Geschlechtsmerkmalen abhängt. „Das Geschlecht sitzt nicht zwischen unseren Beinen, sondern zwischen den Ohren!“, betont er. Im Gehirn sei die Identität bereits im Mutterleib festgelegt worden (s. Infokasten).

Stereotypen entlarven

Das fast komplett anwesende Junge Ensemble um Milena Wichert ist bereits gut informiert und liefert mit anregenden Einwürfen neuen Gesprächsstoff, aber auch die restlichen Besucher beteiligen sich an der Gestaltung des Abends. Buschbaum zeigt Fotos von Personen fragt dann in die Runde nach dem Geschlecht. Zunehmend werden die Anwesenden unsicherer. Hat man sich beim ersten Foto noch schnell auf „Eine Frau... oder?“ geeinigt, hört man beim letzten Bild nur noch Gemurmel.

„Wir greifen voll in die Stereotypen-Schublade – und dann räume ich auf!“, hat Buschbaum zu Beginn versprochen. Er hält Wort.

Lea aus dem Jungen Ensemble ist begeistert. „Erfrischend war das.“ Leider sei die Toleranz, die für viele von uns hier zum guten Ton gehört, in Rüsselsheim nicht selbstverständlich.

Auch Stefanie Anderson, die frischgebackene Leiterin der Stadtbücherei, zeigt sich beeindruckt. „Ich weiß gar nicht, wo mir der Kopf steht, da rumort es ganz schön!“ Gut so, findet Balian Buschbaum. Den Denkanstoß weiterzutragen, das ist ihm nach einem Vortrag wie diesem wichtig. „Wir gehen voran“, betont er und lächelt.

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