Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... 19°C

Erhöhte Werte in Flughafennähe: Ultrafeinstaubpartikel: Erste offizielle Ergebnisse veröffentlicht

Die Belastung mit Ultrafeinstaub steht im Verdacht, schwere Krankheiten zu verursachen. Gesicherte Forschungsergebnisse gibt es nicht. Ein Wissenschaftler des Umweltbundesamts hat erstmals Werte veröffentlicht, die in der Nähe des Flughafens ermittelt wurden.
Feinste Spuren: Flugzeugtriebwerke stoßen Ultrafeinstaub aus. Feinste Spuren: Flugzeugtriebwerke stoßen Ultrafeinstaub aus.
Raunheim. 

Sie sind winzig klein, sie gelangen über die Lunge direkt ins Blut und von dort in den ganzen Körper. Seit Jahren gibt es die Vermutung, dass Ultrafeinstaubpartikel (UFP) besonders gefährlich sind und die verschiedensten Krankheiten auslösen können. Es gibt erste Studien zu dem Thema, als belegt gilt der Zusammenhang aber nicht – die Forschung ist noch nicht so weit.

Die Bürgerinitiative (BI) gegen Fluglärm ist davon überzeugt, dass diese kleinen Teilchen mit einem Durchmesser von bis zu 100 Nanometern in großer Anzahl aus den Flugzeugtriebwerken kommen. Messungen, die der Arbeitskreis Feinstaub vom Bündnis der Bürgerinitiativen (BBI) vor einiger Zeit mit einem eigens dafür angeschafften mobilen Gerät vorgenommen hat, ergaben erhöhte Werte bei Flugbetrieb.

Ein Vergleich mit den Messergebnissen der Behörden – verantwortlich sind hier das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) und das Umweltbundesamt (UMA) – war bisher nicht möglich, da die Wissenschaftler ihre Ergebnisse nicht veröffentlichten. Doch in den vergangenen Wochen ist Bewegung in die Frage gekommen. Ein Wissenschaftler des Umweltbundesamtes hat bei einem Vortrag im Dezember in Mörfelden-Walldorf einige Ergebnisse von Messungen rund um den Frankfurter Flughafen vorgestellt. Klaus Wirtz leitet bei der Behörde die Abteilung „Experimentelle Untersuchungen zur Luftgüte“, die ihren Sitz in Langen hat. Die Wissenschaftler des Umweltbundesamtes haben entlang der Flughafengrenze im Osten und Norden die Konzentration von Ultrafeinstaub gemessen – ebenfalls mit einem mobilen Gerät.

Wenn der Wind aus Richtung des Flughafens kam, erhöhten sich die Werte. Auch die Messstation des Bundesamts in Langen brachte bei bestimmten Windrichtungen erhöhte Werte zutage, genauso die Messstation in Raunheim. Im September wurde hier (wie berichtet) ein neues Instrument in Betrieb genommen, das die Gesamtzahl der ultrafeinen Teilchen ermittelt. Das Gerät läuft noch nicht regelmäßig, im September zeichnete es aber zwei Wochen am Stück Werte auf, die Wirtz ebenfalls vorstellte.

Da die Windrichtung mit den Anflugverfahren korreliert, ist für die BI der Zusammenhang klar: Als Quelle komme nur der Flughafen infrage. Das Bündnis sieht in den vorgestellten Ergebnissen eine Bestätigung der des Arbeitskreises Feinstaub des BBI.

Wirtz relativiert das. „Wir haben den Zusammenhang mit dem Flugbetrieb nicht untersucht und können deshalb keine Aussage dazu machen“, sagt der Wissenschaftler.

Das Umweltbundesamt fordert nun ein Forschungsprojekt, das den Einfluss von Großflughäfen auf die UFP-Belastung der Region untersucht. Wie Wirtz dem ECHO bestätigte, ist ein solches Forschungsprojekt für dieses Jahr geplant. Das Umweltbundesamt wird das Projekt an externe Wissenschaftler vergeben. Allerdings ist zurzeit nicht klar, ob diese dann die Werte rund um den Frankfurter Flughafen untersuchen, oder ob die Studie an einem anderen Großflughafen startet.

BI will am Projekt beteiligt werden

Die BI gegen Fluglärm kämpft dagegen für die Offenlegung sämtlicher Messergebnisse, selbst wenn es sie nur zur Probe erhoben worden sind. Als Grund, warum die Ergebnisse nicht schon längst veröffentlicht werden, nennen die Wissenschaftler unter anderem das Fehlen von geeigneten Messinstrumenten, die zuverlässig vergleichbare Daten liefern. Laut Wirtz dient beispielsweise die Station in Langen in erster Linie dazu, die Messgerätetechnik auf ihre Eignung für einen Messnetzbetrieb zu testen.

Eine weitere Forderung der BI ist die Umsetzung des vom UBA angekündigten Forschungsprojekts. Das Bündnis will erreichen, dass die BIs die Untersuchung mit selbst gewählten Vertretern begleiten können. Vom Flughafenbetreiber verlangt die BI, die seine eigenen Messstationen auf dem Flughafengelände um solche zu ergänzen, die auch ultrafeine Partikel messen können. Bislang misst Fraport nur den „normalen“ Feinstaub, also die etwas größeren Teilchen mit einem Durchmesser von bis zu 10 000 Nanometern, und seit 2015 auch die bis zu 2500 Nanometer.

Möglicherweise bietet sich den Raunheimer Bürgern bald die Gelegenheit, die Dinge selbst in Augenschein zu nehmen. Die BI hat angekündigt, eine eigene Veranstaltung in Raunheim zu organisieren, auf der Wirtz die Ergebnisse noch einmal vorstellen soll. ain

Mehr aus Rüsselsheim

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse