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Rüsselsheimer Filmemacherin: Von Bauschheim bis zur Berlinale

Von Ein kleines Stückchen Rüsselsheim könnte es im kommenden Jahr bis auf die große Kinoleinwand bei der Berlinale schaffen. Eine Rüsselsheimer Filmemacherin sucht für ihr neues Werk noch Unterstützung.
Linda Gasser gibt die Anweisungen und Iris Berben (hinten) hat Spaß bei dem Dreh. Linda Gasser gibt die Anweisungen und Iris Berben (hinten) hat Spaß bei dem Dreh.
Rüsselsheim. 

Geschichten zu erzählen ist ihre Leidenschaft, der Film ihr Medium. Und Rüsselsheim ist die Stadt, in der sie die restlichen Szenen ihres aktuellen Projekts abdrehen möchte.. Linda Gasser könnte dafür sorgen, dass ein kleines Stückchen Rüsselsheim es bis zu den Internationalen Filmfestspielen nach Berlin, also zur Berlinale, schafft.

Die Produzentin, Regisseurin und Drehbuchautorin arbeitet derzeit an dem Film „Wo sie ist“. Einige der Szenen sollen auch in der Opel-Stadt abgedreht werden. „Viel Platz brauchen wir gar nicht“, sagt sie. Ein Zugabteil und die Ecke eines Schlafzimmers sollen nachgebaut werden. Ein paar Quadratmeter in zwei Räumen reichen dafür schon. Über das Internet hat sie in den Sozialen Netzwerken nach den passenden Räumen gesucht und wurde schließlich auch fündig. „Jemand hat uns eine Scheune in Bauschheim angeboten. Die ist zwar nicht isoliert, liegt dafür aber sehr gut“, sagt Gasser.

 

Das Geld ist knapp

 

Auf die Räume sind Gasser und ihr Team angewiesen, schließlich ist „Wo sie ist“ eine freie Produktion, das Geld ist trotz eines Stipendiums knapp. „Und am meisten kostet uns die Verpflegung an den Drehtagen.“ Die meisten Szenen sind bereits im Kasten, mit den Ergebnissen ist Gasser zufrieden. Sehr sogar, wenn man bedenkt, welcher Clou ihr bei der Besetzung einer der Rollen gelungen ist.

Für die Rolle der Mutter des Protagonisten ihrer Geschichte konnte sie Iris Berben gewinnen. Die renommierte Schauspielern hat einen vollen Terminkalender, freie Produktionen sind da kaum machbar. „Aber als ich die Geschichte schrieb, hatte ich von Anfang an ihr Gesicht vor Augen“, sagt Gasser. 40 oder 50 Frauen habe sie für die Rolle gecastet, keine passte. Also versuchte sie schließlich gegen alle Erfolgsaussichten ihr Glück über die Agentur der Schauspielerin. „Die Agentin hat mir zwar keine großen Hoffnungen gemacht, aber versprochen, sich in den nächsten Tagen bei mir zu melden.“ Dann passierte zwei Wochen lang nichts, und als die Hoffnung schon vergebens schien, kam schließlich der erlösende Anruf. „Wir haben drei Drehtage mit ihr bekommen und hatten riesigen Spaß. Es war eine große Ehre, mit ihr zusammenarbeiten zu dürfen“, sagt Gasser.

Berbens Rolle als Mutter des Hauptdarstellers Achille (Karl Kiesel) ist von einer gewissen Ironie geprägt – mit ihren Aktionen erreicht sie immer das Gegenteil von dem, was sie eigentlich wollte. In einer Welt, in der menschliche Entscheidungsfreiheit sich darauf reduziert, individuell positionierte Konsumvorschläge klag- und widerstandslos anzunehmen, ist sie von der Angst befallen, ihren Sohn zur Freiheit erzogen zu haben. Und der entscheidet sich dafür, sich die Frau seines Herzens selbst suchen zu wollen und die „passende Partnerin“, die ihm vom System aufgrund seiner individuellen Charakterzüge zugewiesen wurde, in den Wind zu schlagen.

„In erster Linie ist der Film eine Liebesgeschichte. Aber er ist auch politisch“, sagt die Filmemacherin. Sie habe einen Film machen wollen, der die Folgen des individuellen Freiheitsverlustes durch die Fokussierung der Gesellschaft auf Effizienz verdeutlicht. Systeme, die es heute schon gibt, wie etwa personalisierte Werbung oder Produktvorschläge im Internet werden in der Welt, die sie sich erdacht hat, auf die Spitze getrieben. „Die Romantik ist ausgestorben“, sagt Gasser.

In den kommenden Wochen sollen die restlichen Szenen des Films abgedreht werden. In Rüsselsheim hat sich Gasser vor allem deshalb nach den passenden Räumen umgesehen, weil sie selbst hier lebt. Seit rund drei Jahren ist sie Wahl-Bauschheimerin. Familiäre Verflechtungen zogen sie in die Opel-Stadt. „Ich war immer mal wieder hier, und irgendwann war das Zurückkommen wie eine Heimkehr“, erinnert sie sich. Also blieb sie und fühlt sich bis heute wohl.

Ist „Wo sie ist“ abgedreht, wird es vermutlich nur eine inoffizielle Premiere für Freunde, Förderer und Sponsoren geben. Denn Gasser und ihr Team haben große Pläne. Sie wollen mit ihrem Werk im kommenden Jahr zur Berlinale. „Und dann muss auch dort die offizielle Premiere sein“, erklärt sie.

Wer Linda Gasser und das Team von „Wo sie ist“ bei ihrer Arbeit unterstützten möchte, kann die freie Filmemacherin unter Telefon (01 76) 32 38 13 34 erreichen. Das Filmteam sucht Materialien wie Farbe oder Holz, wäre aber auch über die Unterstützung etwa einer Pizzeria froh. Mehr zum Film gibt es unter www.wosieist.de im Internet.

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