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100 Tage Bürgermeister: Was Ingo Kalweit in Bischofsheim bereits erreicht hat

Von Hundert Tage ist es am Dienstag her gewesen, dass Ingo Kalweit (CDU) in sein Amt als Bischofsheimer Bürgermeister eingeführt wurde. Mit dem Echo hat er darüber gesprochen, was er bereits erreicht hat – und was nicht.
Hat sich an seinem neuen Arbeitsplatz gut eingelebt: Bischofsheims Bürgermeister Ingo Kalweit. Hat sich an seinem neuen Arbeitsplatz gut eingelebt: Bischofsheims Bürgermeister Ingo Kalweit.
BISCHOFSHEIM. 

Herr Kalweit, haben Sie sich gut im Rathaus eingelebt?

INGO KALWEIT: Ja, die Mitarbeiter haben es mir da wirklich leicht gemacht. Man hat mich herzlich aufgenommen, mich sofort auf den aktuellen Stand der Dinge gebracht.

Jetzt, wo Sie Bürgermeister sind: Ist es so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

KALWEIT: Fast. Ich habe zwar erwartet, dass viele Themen auf mich zu kommen, aber nicht, dass sie sich so schnell ändern.

Zum Beispiel?

KALWEIT: Wenn ein Abteilungsleiter zu mir kommt, weiß ich ein Stichwort, dann werden aber acht verschiedene Sachen angesprochen. Diese Taktung war mir so vorher nicht bewusst.

Sind Sie auf die Fachkompetenz Ihrer Mitarbeiter angewiesen?

KALWEIT: Jein. Es gibt Themen, die ich selbst anschiebe. Da muss ich den Abteilungsleiter ins Bild setzen, weil er bei den Vorgesprächen nicht dabei war. Wenn ein Projekt schon läuft, ist es umgekehrt.

Woran müssen Sie sich als Bürgermeister noch gewöhnen?

KALWEIT: Ich muss immer noch an meinem Zeitmanagement arbeiten. Wenn ich zum Einkaufen in den Supermarkt gehe, gibt es immer mindestens zwei Leute, die mich ansprechen, wegen eines Anliegens.

Wie reagieren Sie?

KALWEIT: Ich bleibe stehen und unterhalte mich mit ihnen. Zum Einkaufen muss ich dann eben mehr Zeit einplanen. Das ist nicht tragisch, man muss es nur vorher wissen.

Vermissen Sie Ihren alten Job als Justiziar manchmal?

KALWEIT: Nein. Ich vermisse die alten Kollegen aus persönlichen Gründen, aber das hier macht mir sehr viel Freude.

Sie sind nach wie vor an einem Start-Up-Unternehmen beteiligt, dass auf Internet-Domains spezialisiert ist. Wie geht es damit weiter?

KALWEIT: Das läuft gut. Es sind neue Webentwickler eingestellt worden. Kürzlich habe ich mich mit meinem Geschäftspartner zum Essen getroffen. Wobei Geschäftspartner eigentlich zu viel gesagt ist, ich bin ja nur mit einem sehr geringen Anteil an dem Unternehmen beteiligt.

Trotzdem: Dass es da einmal zu einem Interessenskonflikt kommen könnte, befürchten Sie nicht?

KALWEIT: Ich sehe keinen. Hypothetisch wäre der größte Konflikt, wenn die Gemeinde mal eine Domain kaufen wollte, die dort gelistet wäre.

Zur Wahl angetreten sind Sie unter anderem mit dem Versprechen, die Kinderbetreuung in der Gemeinde zu verbessern. Was haben Sie diesbezüglich bisher erreicht?

KALWEIT: Wir haben es geschafft, allen Eltern von Schulkindern, die einen Betreuungsplatz brauchen, auch einen anzubieten. Das ist zwar nicht auf meinem Mist gewachsen. Ich erwähne es hier dennoch, weil es gut gelaufen ist. Mit Hilfe der gemeindlichen Gremien haben wir das Problem gelöst, dass eine einfache Erzieherin mehr verdienen konnte, als eine stellvertretende Kita-Leiterin. Eine solche suchen wir zwar nach wie vor, aber jetzt können wir die Stelle mit einem angemessenen Gehalt ausschreiben. Zudem erwarten wir bald das Angebot einer Firma, die den Bau einer neuen Kita in der Gemeinde übernehmen soll.

Ein weiteres Thema, das Sie sich auf die Fahne geschrieben haben, ist die Förderung der Sportvereine in Bischofsheim. Gibt es schon Resultate?

KALWEIT: Auf der Gemeinde-Sportanlage hätte der von der Verwaltung eingesetzte Platzwart nicht weiter beschäftigt werden können. Diese Herausforderung konnten wir lösen.

Auch Kunst und Kultur wollten Sie in Bischofsheim fördern. Was können Sie da vorweisen?

KALWEIT: Gemeinsam mit den Eigentümern des ehemaligen Tegut-Gebäudes haben wir eine Lösung gefunden, um die dortigen Graffiti-Wände zu erhalten. Wir werden sie zunächst auf dem Sportplatz zwischenlagern und dann als Kunstwürfel wieder aufbauen, in dem wir ihn mit einem Dach versehen. Dann kann der künftig als Ausstellungsort dienen. Die bisher entstandenen Kosten wurden von der Familie Heidacker getragen, wofür ich sehr dankbar bin. Für die weitere Finanzierung werden wir die Stiftung Flughafen ansprechen.

Ob des Terrors in Europa ist die Kerb in diesem Jahr mit einem verschärften Sicherheitskonzept über die Bühne gegangen. Wie hat sich das auf das Fest ausgewirkt?

KALWEIT: Das eigentliche Fest wurde gar nicht oder kaum belastet. Auch die Kosten sind verhältnismäßig gering geblieben. Die mit Sand gefüllten Container zur Absperrung der Straße wurden uns etwa von einer örtlichen Baufirma gespendet. Das war ein Traum.

Mit den Kerweborsch gab es Diskussionen darüber, wie es sich trotz der erhöhten Sicherheitsvorkehrungen am besten Feiern lässt.

KALWEIT: Sicherzustellen, dass trotz der Vorkehrungen jeder seinen Spaß haben kann, war im Vorfeld viel Arbeit.

Kurz vor dem Fest sorgte das Aufstellen des Baums für Aufregung. Wegen eines Unwetters musste das verschoben werden.

KALWEIT: Das war wirklich unglücklich. Aber es führte kein Weg daran vorbei. Wie es dann stattgefunden hat – am nächsten Tag auf dem Container im Weindorf – war zwar aus der Not heraus geboren, aber eine gute Sache.

Schließlich sind Sie auch mit dem Anspruch angetreten, Nahversorgung für alle Ortsteile zu gewährleisten. Insbesondere in der Böcklersiedlung besteht das Problem. Dort gibt es nur eine Bäckerei. Kommt dazu, dass die Bewohner der Siedlung wegen Bauarbeiten noch bis November einen Umweg fahren müssen, um den Rest der Gemeinde zu erreichen. Wie geht es dort weiter?

KALWEIT: Wir haben mit der für den Flächennutzungsplan zuständigen Regionalversammlung über die Ansiedlung eines Supermarktes an der dortigen B43 und am Wingertspfad gesprochen. Die Supermarktketten, mit denen wir gesprochen haben, bevorzugen allerdings den Wingertspfad, weil es in der Böcklersiedlung relativ wenig Kundschaft gebe. Dennoch bleiben wir an dem Thema dran.

Welche Möglichkeiten gibt es für die Siedlung sonst noch?

KALWEIT: Um die Situation in der Siedlung zu entspannen, wollen wir dort einen Wochenmarkt ansiedeln. Wir haben die örtlichen Landwirte eingeladen, sich mit Ständen zu beteiligen. Der Markt soll einmal in der Woche stattfinden und noch in diesem Jahr starten. Außerdem wollen wir zweimal wöchentlich einen Shuttle-Service in den Ortskern anbieten. Ein Haltepunkt wäre zum Beispiel das Ärztehaus. Gespräche mit Sponsoren laufen zurzeit.

Zur Person

Ingo Kalweit, Jahrgang 1981, ist studierter Jurist. Nach dem zweiten Staatsexamen war er erst wissenschaftlicher Mitarbeiter im Hessischen Landtag und wechselte anschließend in die Wirtschaft.

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