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Naturschutz: Was soll mit der „Sanddüne“ in Bauschheim passieren?

Was soll mit dem Biotop „Sanddüne“ im Bauschheimer Baugebiet Eselswiese passieren? Der Natur- und Vogelschutzverein hat darüber mit SPD-Mitgliedern gesprochen.
Einfach anderswo aufschütten oder als Naturinsel zwischen Häusern belassen? Die Zukunft der „Sanddüne“ ist ungewiss. Einfach anderswo aufschütten oder als Naturinsel zwischen Häusern belassen? Die Zukunft der „Sanddüne“ ist ungewiss.
Bauschheim. 

Es ist eine konstruktive Diskussion, die sich am Donnerstagnachmittag im Bauschheimer Schutzgebiet „Im Schacht“ entwickelt. Naturschützer, Bauschheimer Bürger und SPD-Fraktionsvertreter sind gekommen, um über die Zukunft des Biotops „Sanddüne“ zu sprechen. Soll das knapp 2000 Quadratmeter große Areal erhalten werden, wenn das Neubaugebiet Eselswiese entsteht? Oder sollte man es lieber an einem anderen Standort wieder aufbauen?

Diese Fragen treiben Horst Leismann und Gottfried Wellek vom Natur- und Vogelschutzverein Bauschheim (NVB) um. „Wenn der Siedlungsdruck zu nah rückt, ist das der Tod des Biotops“, sagt Leismann. Deshalb wolle man in einem öffentlichen Dialog die politischen Parteien um Unterstützung bitten.

Unter dem rund ein Dutzend Anwesenden sind die SPD-Stadtverordnete Anne Körner, der ehrenamtliche Stadtrat Gerhard Bergemann (SPD) und Landtagsabgeordnete Kerstin Geis (SPD). Dankbar sei man, dass der NVB auf die Partei zugekommen sei, schließlich sei es wichtig, alle Facetten im Auge zu behalten, ist von den SPDlern zu hören. Angesichts der nahenden Landtagswahl wolle man sich programmatisch mit dem Thema des bezahlbaren Wohnraums positionieren, aber „Stadtentwicklung und Bauplanung sollen den Naturschutz berücksichtigen“, sagt Kerstin Geis.

Gebiet integrieren?

Einen vorgeschriebenen Grünflächenanteil gibt es zwar auf dem vorläufigen Flächennutzungsplan. Sollte das Biotop als eine dieser Flächen in das Gebiet integriert werden, sieht Horst Leismann schwarz: „Ein Naherholungsgebiet kann man da vergessen.“

Er möchte ehrlich sein, der NVB sei keineswegs gegen den Wohnungsbau. „Wir müssen die ,Sanddüne‘ aber mit Bedacht und ihrem Wert entsprechend behandeln“, gibt er zu bedenken. Vorschläge müssten her. Gottfried Wellek hat die Idee, die „Sanddüne“ „einzukesseln“, sie so zu umbauen, dass sie von außen nicht einsehbar oder begehbar ist. „Zum Beispiel könnte man einen Kindergarten daran angrenzen lassen“, schlägt er vor.

Wie soll es weitergehen? Dieter Baumgardt vom Rüsselsheimer Nabu (links) diskutiert mit Anne Körner und Gerhard Bergemann. Bild-Zoom
Wie soll es weitergehen? Dieter Baumgardt vom Rüsselsheimer Nabu (links) diskutiert mit Anne Körner und Gerhard Bergemann.

Auch der Vorsitzende der Rüsselsheimer Nabu-Ortsgruppe, Dieter Baumgardt, ist davon angetan. Ganz nach dem Motto „Benutze es oder verlier es“ könnte man eine Art Lehrgarten aus dem Gebiet machen. Auch mit Einfamilienhäusern, deren Gärten die „Sanddüne“ einrahmen, würde das gehen, findet Gerhard Bergemann. Wichtig wäre dann allerdings ein kundiger Pfleger, findet Baumgardt.

Hans-Joachim Sander, Vorsitzender des Naturschutzbeirats, ist nicht überzeugt. „Die Düne ist ein exotisches Element. Wenn sie von der Natur abgeschnitten ist, haben die Tiere und Pflanzen dort keinen Lebensraum mehr“, sagt er.

Deshalb will er anregen, die Forderungen vor die verantwortliche Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft des Eselswiese-Gebiets zu bringen. Schließlich sei der Erhalt eines Naturschutzgebietes ja gesetzlich geregelt.

Ein Vorschlag, den die SPD begrüßt. „Dafür sind wir ja hier, um ein Sprachrohr zu sein“, sagt Anne Körner. Die Vorschläge sollen im Endeffekt auch in der Stadtverordnetenversammlung besprochen werden. Auch eine Einladung der Umweltaktivisten zur Fraktionssitzung sei denkbar.

Neu aufschütten möglich

Sander bringt indes einen weiteren Lösungsansatz ins Spiel. „Man könnte den Sandhaufen anderswo aufschütten, dort Beifuß ansiedeln und die seltenen Pflanzen, die den Beifuß als Wirt brauchen, umsiedeln“, erklärt er. Wichtig sei hier nur der rechtzeitige Beginn. Drei Jahre setzt er mindestens an, damit sich alles gut regenerieren kann. „Je früher, desto besser. Die Natur ist nicht so schnell.“ Weil in ein paar Jahren die ersten Bagger rollen sollen, schlussfolgert Kerstin Geis: „Jetzt wäre also der beste Zeitpunkt, um die Schippe in die Hand zu nehmen.“

Fraglich sei dann noch der neue Standort. „Es sollte schon hier in der Gegend sein, weil das Kleinklima gegeben ist“, erklärt Sander. Trebur sei eine Möglichkeit, allerdings wäre die Aktion dann eine interkommunale Sache. Sander ist sich aber sicher, dass es auch auf Rüsselsheimer Gebiet machbar sei, vielleicht sogar in Bauschheim.

Weitere Gespräche soll es nach dem Tag der offenen Tür des NVB am 4. August noch mit den anderen Parteien geben.

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