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Vortrag im Landratsamt: "Wie ein Mob auf der Straße": Wissenschaftler sprechen über die Abgründe des Internets

Hass im Internet, so genannte „Hate Speech“, ist allgegenwärtig. Wissenschaftler hielten darüber einen Vortrag im Landratsamt.
Dr. Astrid Carolus Bilder > Dr. Astrid Carolus
Groß-Gerau. 

Hass, Diskriminierung und gefälschte Nachrichten, so genannte „Fake-News“, sind Begleiterscheinungen eines neuen Medienzeitalters. Darüber forschen Dr. Astrid Carolus und Professor Frank Schwab. Am Montag Abend hielten sie einen Vortrag im Landratsamt. Medienpädagogin Alia Pagin aus Frankfurt gab Hinweise für den Umgang mit „Hate Speech“ im Alltag.

Im Publikum saßen vor allem Mitarbeiter der kommunalen Jugendpflegeeinrichtungen, aber auch Angehörige des Bündnisses gegen Rassismus. Die Referenten versuchten zunächst, dem Phänomen Hass im Internet einen wissenschaftlichen Hintergrund zu geben. Dabei holten sie weit aus. Bereits im 15. Jahrhundert, nach der Erfindung des Buchdruckes, waren erste Warnungen vor zu viel Lesegenuss zu hören. Damals versuchte eine Gruppe von Männern, den Frauen das Lesen von Büchern zu verbieten, weil es schädlichen Einfluss auf den Charakter haben könne.

Konnte man dies noch mit einem Lächeln abtun, wurden die Warnungen vor dem Medienkonsum in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts konkreter. In Erinnerung sind dem einen oder anderen sicher die Vorurteile, Fernsehen mache dumm, dick und gewalttätig. Umstritten ist noch heute die Frage, ob Computerspiele die Gewaltbereitschaft steigern. Und die Verlage gründeten in den 50-er Jahren den Deutschen Presserat, um ausufernde oder unwahre Berichterstattung zu rügen. Getoppt werde die Entwicklung nun vom Internet und den sozialen Medien, die grenzenlose Freiheit der Meinungsäußerung bieten.

Wo ist die Grenze?

Die Frage, wie die Grenzen dieser Freiheit gezogen werden können, ist das eigentliche Problem. Im Kern geht es darum, Falschmeldungen (Fake-News), Hassreden, Beleidigungen und Ähnliches einzudämmen und deren meinungsbildende Wirkung zu unterdrücken. Welche Auswüchse dies erreichen kann, ist gerade erst bei der US-Präsidentenwahl deutlich geworden.

Großen Raum widmeten die Referenten den Nutzern sozialer Medien und der Frage, wie es zu Hassexzessen kommen könne. Vor ihrem Rechner fühlten sich viele Menschen im Schutz der Anonymität stark, anderen überlegen und fänden sich nach ihrer Meinungsäußerung im Kreise Gleichgesinnter wieder. Dadurch könne es zu Hassausbrüchen kommen, die denen eines Mobs auf der Straße glichen.

Dass das Internet allen Meinungen eine Plattform bietet, hat höchst zweifelhafte Auswirkungen. Der internationale Terrorismus, der Salafismus und extreme Parteien beispielsweise bedienen sich geschickt dieses Mediums, wobei es scheinbar keine Möglichkeit gibt, das zu unterbinden. Während die Quelle von Meldungen in den meisten Medien nachverfolgt werden könne, sei dies im Internet nicht möglich. Die Kenntnis der Quellen biete jedoch den besten Schutz vor Fake-News.

Ähnlich dem Presserat werde derzeit eine Einrichtung gefordert, die Facebook und Co. kontrollieren und zur Löschung von „Hate Speech“ auffordern könnte. Der Gesetzentwurf, der zur Zeit in Berlin diskutiert wird, sei aber in vielen Abschnitten sehr „schwammig“ formuliert, um den Eindruck einer Zensur zu vermeiden.

Dabei, so lautete das Fazit, stehen wir erst am Anfang einer Entwicklung, bei der immer noch Menschen in allen Prozessen mitwirken. Die zweite Runde werde dramatischer: Dann träten Maschinen gegen Maschinen an.

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