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Gewerbe: Wirtschaftspaten beraten Existenzgründer

Von Egal ob in der Gastronomie oder im Technik-Labor: Gefragt sind Menschen, die etwas Eigenes auf die Beine stellen wollen. So wie Nilüfer Irmak und Mervan Miran.
Erfolgreiche Unternehmer mit Migrationshintergrund: Nilüfer Irmak (Holzofen-Kantine) und Mervan Miran (Bots4You). Erfolgreiche Unternehmer mit Migrationshintergrund: Nilüfer Irmak (Holzofen-Kantine) und Mervan Miran (Bots4You).
Rüsselsheim. 

Unternehmerischer Erfolg hat nichts mit der Nationalität zu tun, sondern mit Vision und Risikobereitschaft. Beides haben die Türkin Nilüfer Irmak und der Kurde Mervan Miran. Und noch etwas haben sie gemein – die Wirtschaftspaten in Rüsselsheim. Rund 40 ehemalige Fach- und Führungskräfte des Vereins stehen beim Projekt „Migranten werden Unternehmer“ Menschen mit Migrationshintergrund mit Rat und Tat zur Seite. So auch Irmak und Miran.

Die 41-jährige Nilüfer Irmak eröffnete vor drei Jahren mit ihrem Mann Ridvan die Holzofen-Kantine in der Marktstraße. Dort gibt es italienische Spezialitäten für die Gäste – Pizza, Pasta und Salate. „Mein Mann ist auf das Projekt ,Existenzgründung’ aufmerksam geworden und hat sich bei den Wirtschaftspaten Hilfe geholt“, erinnert sich Irmak.

Für eine gute Sache: (von links) Jürgen Pöttker (Wirtschaftspaten), Staatssekretär Kai Klose, Oberbürgermeister Udo Bausch, Oliver Engl (HSBC Bank). . Bild-Zoom
Für eine gute Sache: (von links) Jürgen Pöttker (Wirtschaftspaten), Staatssekretär Kai Klose, Oberbürgermeister Udo Bausch, Oliver Engl (HSBC Bank). .

Bevor sie ihre Geschäft in der Marktstraße eröffnen konnten, mussten sie das Haus renovieren, was viel Schweiß und Geld kostete. „Wir haben viel Unterstützung bekommen“, resümiert Irmak. Mittlerweile schieben sie und ihr Mann im Minutentakt Pizzen in den Holzofen – sieben Tage die Woche. Nilüfer Irmak geht in ihrer Arbeit auf, begeistert erzählt sie von der Kantine. Und damit sich auch Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos) und Staatssekretär Kai Klose (Grüne) von dem Rüsselsheimer Geschäftserfolg überzeugen können, hatte Irmak einen Stapel frisch gebackener Pizzen mitgebracht.

Der Staatssekretär und Bevollmächtigte für Integration und Antidiskriminierung der hessischen Landesregierung sprach von einem Paradigmenwechsel, weg vom Gastarbeiter, hin zum qualifizierten Unternehmer. Ihre Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland nehme immer mehr zu.

Arbeitsplätze schaffen

Jürgen Pöttker, Ehrenvorsitzender der Wirtschaftspaten, hat Zahlen parat. In sechs Jahren habe der Verein gemeinsam mit der Peter-Fuld-Stiftung in Frankfurt 19 Veranstaltungen zur Existenzgründung für Migranten durchgeführt. Rund 35 Prozent der Teilnehmer hätten im vergangenen Jahr erfolgreich ein eigenes Unternehmen gegründet. Dadurch würden auch wichtige Arbeitsplätze geschaffen, gab er zu bedenken.

Erfolgreich durchgestartet war vor einem halben Jahr auch der Ingenieur und Medizinphysiker Mervan Miran. In Gießen gründete der jetzige Geschäftsführer die Firma „Bots4You“. Er entwickelt mit seinem Team intelligente Programme. Sie kommen im Kundenservice zum Einsatz, beantworten Fragen in Sekundenschnelle. „Man chattet quasi mit dem Roboter“, fasst Miran zusammen.

Um das zu demonstrieren, hat er eine Präsentation vorbereitet. Tippt er eine Frage in den Dialogkasten ein, erscheint eine vorformulierte Antwort. Der Jungunternehmer will mehr wissen und stellt eine weitere Frage, wieder antwortet der smarte Assistent – ein Dialog zwischen Mensch und Maschine. „Wir haben die Technik der präzisen Satzanalyse entwickelt“, sagt Miran stolz. Und da textbasierte Dialogsysteme, sogenannte Chatbots, gerade erst den deutschen Markt erobern, blickt der Unternehmensgründer positiv in die Zukunft.

Mit den Wirtschaftspaten bleibt der junge Mann in Kontakt. Sie werden ihn noch vier Monate lang auf seinem Weg in die Selbstständigkeit begleiten.

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