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Skurrile Phantasien: Zeichner Hans Pfrommer liebt Absurditäten

Beim dritten Ateliergespräch im Lesesaal des Stadt- und Industriemuseums gab der Künstler Hans Pfrommer Einblicke in sein Schaffen. Die Besucher verblüffte und amüsierte er gleichermaßen mit seinen skurrilen Fantasien.
Irgendwas ist immer: Der skurrile Humor des Künstlers Hans Pfrommer kommt auch in diesem Ausstellungsplakat deutlich zutage. Irgendwas ist immer: Der skurrile Humor des Künstlers Hans Pfrommer kommt auch in diesem Ausstellungsplakat deutlich zutage.
Rüsselsheim. 

Ein nackter Mann trägt ein großes steinernes Rad, ähnlich einem Mühlstein, auf seinem Rücken. Das in extremer Draufsicht gemalte kleine Bild lässt den Betrachter spüren, wie schwer die Last ist. Zudem schneit es auch noch – in schönen kreisrunden Flocken, die gleichmäßig über der Szenerie verteilt sind.

Ein rätselhaftes Motiv, doch der Künstler lässt die Gäste nicht im Ungewissen. „Der Mann hat gerade das Rad erfunden und will es nun unbedingt allen zeigen, deshalb läuft er damit durch die Gegend.“, berichtet Hans Pfrommer. Dann folgt die Pointe: „Leider hat er noch nicht entdeckt, dass es rollen kann und trägt es deshalb herum.“ Mit Geschichten wie dieser unterhält der Künstler die kunstinteressierten Rüsselsheimer aufs Beste.

Im Fischerhemd

Schon seine Erscheinung lässt ein gutes Maß an Originalität erahnen. Ein bisschen wie der Tevje aus dem Musical Anatevka wirkt der große bärtige Mann in Fischerhemd und legerer Hose. Die rosafarbenen Chucks und der kontrastfarbene Flicken auf dem Hosenboden hingegen erinnern eher an Pippi Langstrumpf. Und auch deren Motto: „Ich mach mir die Welt, widde widde wie sie mir gefällt“, scheint Pfrommer sich – zumindest in seiner künstlerischen Arbeit – zu eigen gemacht zu haben.

Dem deutschen Kunsthistoriker Professor Doktor Wilhelm Hausenstein hat er kurzerhand eine neue Biografie verpasst, und lässt diesen nun als Forscher die Welt bereisen und die verrücktesten Geschichten erleben. So hat er ihn unter anderem auf den Spuren des Grönlandzwergpinguins auf Reisen geschickt, um das im Bild festhalten zu können. Die Zeichnung einer riesigen Torte auf dem Rücken eines Elefanten wiederum soll eine Geburtstagsüberraschung für den Forscher während einer Indienreise darstellen. Zu den Forschergeschichten hatte sich Pfrommer vom Namen seines Appartements in einem Internationalen Haus für Künstler in Paris inspirieren lassen, in dem er während eines Stipendiums wohnte. Dieses war nach dem bekannten deutschen Kunsthistoriker benannt.

Pate für Gemälde

Aber auch Schlagzeilen aus der Boulevardpresse nutzt er gerne als Ideengeber. Die Überschrift „Entmenschte Nonne tötet Zwillinge und steigt nackt auf einen Pflaumenbaum“, sei ihm so von seiner Schwiegermutter übermittelt worden und habe Pate gestanden für ein weiteres der kleinen Gemälde, die auf dem großen Tisch im Lesesaal des Stadt- und Industriemuseums verteilt liegen. Hier offenbart sich die Liebe des Künstlers für den Malstil der spätmittelalterlichen Niederländer. Akribisch und detailreich hat er den skurrilen Titel verbildlicht. „Es ist toll, was die Niederländer alles an Details und auch Bedeutung auf kleinstem Raum untergebracht haben“, schwärmt Pfrommer.

Der gebürtige Stuttgarter malt stets kleine Formate, das liege ihm einfach, sagt er. Auch den Satz „Veronika Ferres als Zahnfee“, habe er in einer Zeitung entdeckt und dann – mit einer gewissen Freude an der Grausamkeit – ins Bild gesetzt. „Das tut mir leid“, sagt er trocken, jedoch nicht ohne ein kleines Lächeln im Mundwinkel, als ihn ein Gast auf die vielen Grausamkeiten in seinen Bildern anspricht. Die Idee hinter dem Format „Atelier zu Besuch“ scheint aufgegangen zu sein. Nachdem anfangs noch Martina Altschäfer als Gastgeberin das Gespräch geleitet hatte, überbieten sich nun die Gäste mit Fragen, die häufig mit „Was hat es eigentlich auf sich mit...“ eingeleitet werden.

„Wir wollten ein Format schaffen, bei dem die Leute ganz direkt mit dem Künstler in Kontakt kommen“, sagt Museums-Chefin Bärbel Maul. Dazu passt auch die Anordnung der Tische in Form einer großen Tafel, an der die Besucher wie zu einem Festmahl Platz nehmen. Angerichtet darauf sind die Bilder Pfrommers und die bieten offensichtlich reichlich Gesprächsstoff.

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