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Hiroshima überlebt: Zeitzeuge berichtet, warum er überzeugter Gegner von Atomwaffen ist

Ein außergewöhnlicher Zeitzeuge war im Neuen Gymnasium zu Gast. Der Japaner Kunihiko Sakuma hat vor sieben Jahrzehnten das nukleare Grauen überlebt.
Zu Gast im Neuen Gymnasium: Kunihiko Sakuma. Zu Gast im Neuen Gymnasium: Kunihiko Sakuma.
Rüsselsheim. 

Er war zwar noch ein kleines Baby und hat selbst keinerlei Erinnerungen. „Doch mein Körper weiß genau, was damals geschehen ist.“ Im Alter von neun Monaten hat der Japaner Kunihiko Sakuma den Abwurf der Atombombe über seiner Heimatstadt Hiroshima erlebt. Er hat die nukleare Katastrophe überlebt, aber erst im Alter von zehn Jahren die Hintergründe der Zerstörungen und des Massensterbens erfahren.

Sakuma ist zu einem überzeugten Gegner von Atomwaffen und dem Krieg überhaupt geworden. Zum 70. Jahrestag des Atombombenabwurfs im vergangenen Jahr sprach er sogar vor US-Präsident Barack Obama.

Seit einigen Tagen schon hält sich Sakuma zusammen mit den beiden japanischen Friedensaktivistinnen Yuri Nagao und Mai Oishi in Deutschland auf. Am Mittwoch war er auf Einladung des Vereins „Gegen Vergessen – für Demokratie“ Gast im Neuen Gymnasium, wo der 71-Jährige über den Atombombenabwurf und seine Folgen berichtete. Mehr als 70 Oberstufenschüler, die im kommenden Jahr ihr Abitur machen, verfolgten gebannt die Schilderungen des Japaners, die von einem Landsmann übersetzt wurden.

Auf Leinwand projizierte Bilder zeigten zunächst eine glückliche junge Familie mit einem neugeborenen Baby. Doch diese heile Welt sollte am Morgen des 6. August 1945 um 8.16 Uhr ein jähes und grausames Ende finden. Mit der Explosion der US-amerikanischen Atombombe fanden allein mehrere zehntausend Menschen unmittelbar den Tod, bis Ende des Jahres waren es geschätzte 150 000 Tote.

Opfer wurden ausgegrenzt

Sakuma und seine Eltern überlebten. „Meine Familie und ich waren in den nächsten Jahren körperlich sehr geschwächt“, berichtete Sakuma, der fortan als Hibakusha bezeichnet wurde. Das japanische Wort für Explosionsopfer war in Japan allerdings lange mit dem Makel der Diskriminierung und Ausgrenzung behaftet, führte Sakuma weiter aus. In den Jahren nach dem Abwurf galt auch in Japan das „Gesetz des Totschweigens“ der furchtbaren Ereignisse.

„Das ist der Grund, warum ich erst mit zehn Jahren davon erzählt bekommen habe“, berichtete der Gast. Erst von den späten fünfziger Jahren an seien die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki und deren Folgen thematisiert worden. „Die finanziellen Entschädigungen für die Überlebenden fielen allerdings sehr gering aus“, sagte Sakuma, dessen Eltern an Krebs erkrankten und daran starben. Noch heute herrsche im Land ein Schuldgefühl darüber, dass Japan gegen die USA in den Krieg gezogen war. Hass gegen die USA fühle er nicht, aber eine Entschuldigung hätte er schon erwartet.

Lebendiger Geschichtsunterricht

Sakuma ist nie aus Hiroshima weggezogen. Sein Plädoyer gegen Atomwaffen und das Übel Krieg an sich war auch eine Mahnung in Bezug auf die friedliche Nutzung der Atomkraft. „In der ganzen Welt kommt es immer wieder zu Unfällen, bei denen Menschen atomar verstrahlt werden, nicht selten ohne dass sie es wissen.“ An die Schüler des Neuen Gymnasiums richtete er die ausdrückliche Einladung, das heutige Hiroshima zu besuchen.

„Der Verein hat eine Rundmail an mehrere Schulen verschickt und das Interesse an einem Vortrag abgefragt. Wir haben uns gemeldet und haben den Zuschlag bekommen“, erläuterte Andreas Fehlinger, Fachsprecher Geschichte, die Hintergründe des Besuchs von Kunihiko Sakuma. Seinen Vortrag wertete er als „lebendigen Geschichtsunterricht“, der ein einschneidendes Kapitel der Geschichte aus einer ganz persönlichen Perspektive präsentiere.

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