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Prozess: Brandstifter muss ins Gefängnis

Drei Jahre Gefängnis für eine Brandstiftungsserie von vor knapp vier Jahren: Mit einem so harten Urteil hatten weder die Staatsanwaltschaft noch die Verteidigung und erst recht nicht der Angeklagte (33) gerechnet. Der brach bei der Verkündung des Urteils in Tränen aus.
Rechtsanwalt Peter Heidt (links) neben dem Angeklagten. Rechtsanwalt Peter Heidt (links) neben dem Angeklagten.
Florstadt/Friedberg. 

2012 war der Familienvater mit seiner Frau und den sechs Kindern nach Nieder-Florstadt gezogen. Die Besichtigung des alten Lehm-Fachwerkhauses hatte er zusammen mit einem Makler, jedoch ohne seine Familie gemacht – und auch gleich den Mietvertrag unterschrieben. Offensichtlich aber zu schnell, denn seine Frau war mit dem teilrenovierten Haus gar nicht zufrieden.

Am Zustand der Immobilie entzündete sich ein Familienstreit nach dem anderen. Da alle Reparaturversuche in Eigenregie scheiterten und auch der Vermieter nicht half, kam dem Angeklagten die Idee, die Wohnung unbewohnbar zu machen. Das Ziel: Die Gemeinde Florstadt sollte ihm zusammen mit seiner Familie eine Notunterkunft zur Verfügung stellen.

Tonnen angesteckt

Also steckte der Hartz-IV-Empfänger im August 2013 zunächst die Papiertonne im Hof an und rief dann selbst die Feuerwehr. 14 Tage später wählte er wieder Mülltonnen im Hof aus. Dieses Mal aber die seines Vermieters, der im Nebenhaus eine Buchhandlung betreibt und deshalb immer große Mengen Papier im Hof aufbewahrt. Auch dieses Feuer wurde sofort gemeldet und gelöscht. Als der Vermieter dann aber immer noch nichts unternahm, um den Zustand des Hauses seines Mieters zu verbessern, wechselte der 33-Jährige in eine härtere Gangart.

In einem Abstellraum im Erdgeschoss legte er in einem Kinderwagen Feuer und ging dann, um ein überzeugendes Alibi zu haben, mit einem seiner Söhne in den nahe gelegenen Lebensmittelmarkt. Die Feuerwehr löschte nicht nur den Brand, sondern rettete über die Drehleiter auch die restliche Familie aus dem Obergeschoss.

Der ermittelnde Kriminalbeamte schloss vor Gericht einen technischen Schaden aus: „Der Brandherd lag in der Mitte des Kinderwagens und nicht am Rand, wo eventuell ein Kurzschluss in einer Elektroleitung die Ursache hätte sein können.“ Und da auf dem Hof mittlerweile Kameras installiert worden waren, stand schnell fest, dass kein Fremder den Hof oder das Haus betreten haben konnte. So wurde aus dem Zeugen und Geschädigten der Hauptverdächtige, der die Taten schließlich gestand.

Menschen gefährdet

Dann allerdings unterlief der Polizei ein Fehler: Das auf Tonband aufgezeichnete Geständnis wurde irgendwann später gelöscht. Als Begründung führte der Beamte an, er sei davon ausgegangen, dass ein Protokoll von dem Band geschrieben worden sei. Doch da war die Verteidigung anderer Meinung. Also wurde das Geständnis zu Prozessbeginn zurückgezogen – mit der Behauptung, der Angeklagte sei unter Druck gesetzt worden. Da es ansonsten keine Beweise gab, forderte die Verteidigung Freispruch.

Der Staatsanwalt hingegen hielt den Angeklagten für schuldig. Allerdings hatte er Mitleid mit ihm, weil er die Taten nicht ausgeübt habe, um Menschen zu gefährden, sondern das Beste für seine Familie wollte. Er forderte deshalb nur eine Strafe von einem Jahr und elf Monaten auf Bewährung.

Das war Richter Markus Bange aber zu wenig. „Sie haben mit den Bränden Menschenleben aufs Spiel gesetzt. Dass nichts Ernstes passiert ist, ist nicht Ihr Verdienst.“ Weil der Angeklagte durch ein Verschulden der Staatsanwaltschaft fast vier Jahre auf sein Strafverfahren warten musste, erließ er dem Angeklagten immerhin acht Monate seiner Strafe von drei Jahren Haft.

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