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Statistik: Immer mehr Unfälle in der Wetterau

Von Einen Höchststand im Vergleich zu den vergangenen zehn Jahren erreicht hat die Zahl der Unfälle, die sich 2017 im Wetteraukreis ereignet haben. Fast 500 Unfälle mehr als im Jahr 2016 wurden erfasst.
Horrorcrash: Eine Bad Vilbelerin und zwei weitere junge Menschen sind in diesem Autowrack bei Butzbach gestorben. Archivfoto: Sajak Bilder > Foto: Sven-Sebastian Sajak Horrorcrash: Eine Bad Vilbelerin und zwei weitere junge Menschen sind in diesem Autowrack bei Butzbach gestorben. Archivfoto: Sajak
Wetteraukreis. 

Mehr Tote und mehr Verletzte: Das ist die traurige Bilanz der von der Polizeidirektion Wetterau vorgestellten Unfallstatistik für das vergangene Jahr. 1014 Personen zogen sich im Jahr 2016 leichte oder schwere Verletzungen zu, im vergangenen Jahr waren es hingegen 1157. Zehn Personen verloren bei sieben Unfällen im Jahr 2017 ihr Leben, im Jahr zuvor war es eine Person weniger.

Als besonders dramatisch zu bezeichnen ist ein Unfall, der sich am 7. Oktober nahe des Butzbacher Stadtteils Pohl-Göns ereignete. Am frühen Samstagmorgen geriet hier eine 23 Jahre alte Bad Vilbelerin mit ihrem Kleinwagen auf die Gegenspur und kollidierte dort mit einem Lastwagen. Die Bad Vilbelerin, eine 20 Jahre alte Butzbacherin und ein 20-jähriger Offenbach verstarben noch am Unfallort.

Im Jahr 2016 verletzten sich 206 Personen bei Unfällen schwer. Diese Anzahl blieb im Jahr 2017 mit 210 Personen annähernd gleich. Die Zahl der bei Unfällen leicht verletzten Verkehrsteilnehmer stieg hingegen von 799 im Jahr 2016 auf 937 im Jahr 2017 an.

Übermorgen kontrolliert die Polizei großräumig zu ...

Polizeisprecherin Sylvia Frech weist darauf hin, dass Verkehrsteilnehmer in der Wetterau auch weiterhin mit Verkehrskontrollen jederzeit und an jedem Ort rechnen müssen.

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Hauptursache für Verkehrsunfälle waren auch im vergangenen Jahr Kollisionen mit Wild. Hier stieg die Anzahl von 977 im Jahr 2016 auf 1114 im vergangenen Jahr an. Es folgt zu geringer Abstand 502 Unfälle gegenüber 447 im Jahr zuvor. 484 Mal war Wenden oder Rückwärtsfahren auf der Straße die Ursache für einen Unfall (2016: 377). Vorfahrtsverstöße lösten 433 Unfälle aus (398), zu hohe Geschwindigkeit war in 215 Fällen die Ursache für einen Zusammenstoß, 50 mehr als im Jahr zuvor.

Das richtige Verhalten

Zu den Wildunfällen sagt die Pressesprecherin der Polizei Wetterau, Sylvia Frech: „Mit Wildtieren, die die Fahrbahn queren, muss in der Feld- und waldreichen Wetterau grundsätzlich überall gerechnet werden. Besonders oft kommt es aber im Dienstgebiet der Polizeistation Büdingen zu Zusammenstößen mit Wildtieren.“

Bei 175 Unfällen im Jahr 2017 standen Unfallbeteiligte unter dem Einfluss berauschender Mittel. In der überwiegenden Anzahl (153 Unfälle) handelte es sich hierbei um Alkoholeinfluss. Weiterhin standen 16 Fahrzeugführer unter dem Einfluss von Drogen, sechs Fahrzeugführer konnte ein Mischkonsum nachgewiesen werden. Die Anzahl der Unfälle mit dieser Ursache blieben im Vergleich zum Jahr 2016 (171) etwa gleich.

Die Zahl der Verkehrsteilnehmer, die sich nach einem Unfall unerlaubt von der Unfallstelle entfernten, stieg von 1680 auf 1757 ebenfalls an. Frech: „Die Steigerung aus den Vorjahren setzt sich damit leider fort und erreicht einen Höchststand im Zehn-Jahres-Rückblick.“ Bei etwa einem Drittel aller statistisch erfassten Unfälle kamen die Beteiligten also nicht ihren gesetzlichen Pflichten nach. 647 dieser Unfallfluchten hat die Polizei aber aufgeklärt, das entspricht 37 Prozent. Im Jahr zuvor konnten mit 653 Fällen rund 39 Prozent der Unfallfluchten geklärt werden.

Dazu gibt Frech Hinweise, wie man sich nach einem Unfall richtig verhält. So muss der Verursacher die geschädigten Personen ausfindig machen und ihnen mitteilen, dass er den Unfall verursacht hat. Etwas schwammiger wird es im Gesetzbuch, wenn es darum geht, wie lange der Verursacher vor Ort warten muss. Denn im Paragraf 142 des Strafgesetzbuches findet sich dazu der Wortlaut „Eine nach den Umständen angemessene Zeit“. Bestraft werden kann Unfallflucht mit einer Geldstrafe oder sogar einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Im Jahr 2017 waren an 1112 Unfällen junge Fahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren beteiligt. Im Jahr zuvor waren es 983 Unfälle mit beteiligten Fahrzeugführern dieser Altersgruppe. 25 Verkehrsteilnehmer im Alter von 18 bis 24 Jahren verursachten im Jahr 2017 Unfälle unter Alkoholeinfluss.

Um junge Fahrer auf die Gefahren im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss hinzuweisen, verweist Frech auf die seit 2007 bestehende Aktion „Bob“, dessen Wirksamkeit sogar in einer Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen nachgewiesen worden sei: „Der Gedanke dahinter ist einfach: Eine Gruppe junger Leute ist beispielsweise unterwegs zum Feiern. Vorher treffen sie eine Absprache, wer an diesem Abend der Fahrer ist und die anderen sicher von einem Ort zum anderen und schließlich wieder nach Hause bringt. Der Fahrer ist der ,Bob‘ des Abends. Mit einem knallgelben Schlüsselanhänger bekommt er zum Dank dafür in den teilnehmenden Lokalen ein alkoholfreies Getränk gratis und dokumentiert mit dem Anhänger gleichzeitig die Übernahme seiner wichtigen Rolle nach außen.“

Senioren sensibilisieren

Zudem wird Fahranfängern zwischen 18 und 24 Jahren in Workshops, im Fahrschulunterricht und bei Erste-Hilfe-Seminaren die Folgen von berauschenden Mitteln als Führer eines Kraftfahrzeuges verdeutlicht.

Doch auch für die ältere Generation gibt es ein Programm. Dazu Frech: „Eine veränderte demographische Struktur führt dazu, dass immer mehr Senioren der Altersgruppe 65 plus am Straßenverkehr teilnehmen. Damit steigt auch die Anzahl der Beteiligung an Verkehrsunfällen.“ Ob als Verursacher oder Geschädigter – 958 Personen der Altersgruppe 65 plus wurden im Jahr 2016 in Verkehrsunfälle verwickelt. Im Jahr 2017 lag die Zahl bei 986 Senioren dieser Altersgruppe.

Altersbedingte Veränderungen des Körpers können zu einer Beeinträchtigung der Verkehrstüchtigkeit führen. Frech: „Ziel der Polizei ist es nicht, Senioren den Führerschein zu entziehen oder sie anderweitig an der Teilnahme am Straßenverkehr zu hindern. Das Gegenteil ist der Fall. Durch gezielte Informationen und Hilfestellungen möchte die Polizei die Mobilität der älteren Generation aufrechterhalten und zu ihrer Sicherheit im Straßenverkehr beitragen.“ Diese Aktionen finden unter anderem durch das Präventionsprojekt „Max“ statt.

Die Aktion „Maximal mobil bleiben – mit Verantwortung“ für die Generation 65 plus ist neben „Bob“ die zweite zielgruppenspezifische, langfristig und nachhaltig ausgerichtete mittelhessische Verkehrspräventionskampagne unter dem Dach vom „verkehrssicheren Mittelhessen“. Dabei geht es aber nicht nur um Autofahrer, sondern auch um Benutzer von Bus oder Bahn, um Fahrradfahrer und Fußgänger. Die Inhalte von „Max“ werden durch Informationsveranstaltungen, Plakatkampagnen, Workshops und Verkehrssicherheitstage in Zusammenarbeit mit vielen Unterstützern vermittelt.

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