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Neue Verhandlungen gewünscht: Knatsch ums 1-Euro-Ticket mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund

Viele Bürger sind glücklich, billig Bus fahren zu können. Doch bei der Stadt Karben sorgt das 1-Euro-Ticket für Ärger – mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund.
Eine Erfolgsgeschichte, die die Stadt Karben teuer zu stehen kommt: Solche 1-Euro-Tickets sind sehr beliebt. Archivfoto: Dennis Pfeiffer-Goldmann Eine Erfolgsgeschichte, die die Stadt Karben teuer zu stehen kommt: Solche 1-Euro-Tickets sind sehr beliebt. Archivfoto: Dennis Pfeiffer-Goldmann
Karben. 

Das Paar aus Kloppenheim wartet an der Haltestelle Bürgerzentrum. Gerade waren sie in „deftig&fein“ zum Essen, haben noch das zweite Glas Wein getrunken und wollen jetzt wieder nach Hause. „Unser Bus kommt gleich, wir freuen uns, dass wir so preiswert wieder heimkommen.“

So wie dieses Paar machen es viele. Seit Januar 2017 kann innerhalb Karbens für einen Euro mit Bus oder Bahn gefahren werden. Das ist nicht nur für diejenigen interessant, die abends noch ein wenig feiern und nicht mehr selbst ans Lenkrad wollen. Das ist auch für die interessant, die zum Einkaufen ins Stadtzentrum fahren, oder für diejenigen, die nicht täglich fahren, aber beispielsweise von Petterweil zum Bahnhof wollen. Für Bewohner aus Kloppenheim und Petterweil bringt das 1-Euro-Ticket die größte Ersparnis. Vor dessen Einführung mussten sie 2,60 Euro für eine Einzelfahrt zahlen. Für Fahrgäste aus anderen Stadtteilen hat sich der Fahrpreis halbiert; sie hatten zwei Euro zu zahlen.

Stadt zahlt 70 000 Euro

Was Fahrgäste freut, ärgert die Stadt. Aber nicht etwa, weil mehr Karbener nun mit Bus und Bahn unterwegs sind, sondern weil die Stadt erhebliche Gelder an den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) abführen muss. Im Jahr 2017 wurden gut 34 000 dieser Billigtickets verkauft. Der städtische Verkehrsexperte Ekkehart Böing hat ausgerechnet, dass sich per Saldo für den RMV Mehrerlöse von rund 26 000 Euro pro Jahr ergeben.

Eine Idee der SPD umgesetzt

Für sämtliche Nahverkehrsverbindungen in Karben gilt seit Anfang vergangenen Jahres der Einheitstarif von einem Euro. Die Idee stammte von der SPD.

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Durch das Billigticket erhält der Nahverkehr deutlich mehr Fahrgäste, die Stadt hat davon aber nichts. Grund: Vertraglich ist festgelegt, dass der RMV von der Stadt pro Fahrgast so viel Geld erhält, als würden die Tickets noch zwei bis 2,60 Euro kosten. Je mehr Fahrgäste also die Busse innerhalb der Stadt nutzen, desto mehr Geld muss die Stadt an den RMV abführen. Das kommt aus der Stadtkasse. Für dieses Jahr rechnet das Rathaus bei weiter gestiegenen Fahrgastzahlen sogar mit rund 70 000 Euro.

RMV wundert sich

„Wir als Stadt sorgen dafür, dass wir mehr Fahrgäste auf den Bus bekommen. Und dann werden wir noch dafür bestraft, indem wir für zusätzliche Kunden die Subvention zahlen müssen“, ist Bürgermeister Guido Rahn (CDU) sauer. Er hat Vertreter des RMV und der für den Nahverkehr im Kreis zuständigen Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO) ins Rathaus eingeladen. Verhandlungen seien erforderlich, „um die Anrechnung der Mehrerlöse aus der Steigerung der ÖPNV-Nutzer neu zu regeln“, begründet Rahn.

RMV-Sprecher Maximilian Meyer sagt, im Vorfeld sei bereits mit der Stadt Karben vereinbart worden, dass diese „die vollständigen Mindereinnahmen gegenüber dem regulären RMV-Tarif übernimmt“. Die Mindereinnahmen aus RMV-Sicht resultierten vornehmlich aus Verkäufen im lokalen Verkehr, aber zusätzlich auch daraus, dass die S-Bahn im Stadtgebiet Karben in den 1-Euro-Tarif fällt. „Welche Fahrten nur aufgrund des reduzierten Einzelkartenpreises durchgeführt wurden, ist insbesondere aufgrund von Wanderungen aus anderen Sortimentsstellen sehr schwierig und wenn überhaupt nur durch eine gezielte Fahrgasterhebung festzustellen“, betont Meyer. So sei beispielsweise möglich, dass Fahrgäste nun statt einer Wochenkarte 1-Euro-Einzelkarten erwerben. „Eine solche Fahrgasterhebung würde einen unverhältnismäßig hohen Kostenaufwand im Verhältnis zum Einnahmenausfall bedeuten“, erklärt er. Ob ein RMV-Vertreter zu den Gesprächen über diese Fragen ins Rathaus kommt, darf bezweifelt werden. Denn Meyer betont, dass direkter Ansprechpartner der Gemeinden im RMV-Tarif ausschließlich die lokalen Nahverkehrsorganisationen seien.

Man darf gespannt sein, ob ein VGO-Vertreter der Einladung ins Rathaus folgt. Sicher ist aber, dass die VGO alleine nichts entscheiden kann – und wieder den RMV fragen muss. Darüber könnten Monate ins Land gehen.

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