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Exfrau belastet Angeklagten aus Bad Vilbel vor Gericht: Mutmaßlicher Mord an Bruder und Vater: Aus Angst nach Chile geflohen

Sie habe noch immer Angst vor ihrem Ex-Mann, der für den Tod seines Bruders und seines Vaters verantwortlich sein soll: Das gesteht die 61-jährige einstige Ehefrau des Angeklagten vor Gericht. Der Bad Vilbeler muss sich derzeit wegen Mordes und Totschlags vor dem Gießener Schwurgericht verantworten. Ihm wird vorgeworden, im April 016 seinen Bruder umgebracht, zerstückelt und zur Verdeckung seiner Tat sein Elternhaus in Niddatal-Ilbenstadt in Brand gesteckt zu haben (die FNP berichtete).
In diesem Haus in Niddatal-Ilbenstadt verbrannte der bettlägerige Vater des Angeklagten. 60 Feuerwehrleute waren sieben Stunden im Einsatz.	Archivfoto: Niehoff In diesem Haus in Niddatal-Ilbenstadt verbrannte der bettlägerige Vater des Angeklagten. 60 Feuerwehrleute waren sieben Stunden im Einsatz. Archivfoto: Niehoff
Bad Vilbel/Niddatal. 

13 Jahre lang, von 1977 bis 1990, war die gelernte Krankenschwester mit dem Angeklagten verheiratet. Er sei ihre große Liebe gewesen, deshalb habe sie ihn trotz seines gesundheitlich labilen Zustandes geheiratet – er musste nach dem Platzen eines Blutgefäßes in seiner linken Gehirnhälfte neu laufen und sprechen lernen, darüber hinaus litt er unter Epilepsie. Sie beschreibt ihren Expartner zu Beginn ihrer Ehe als zärtlich, zuvorkommend und hoch intelligent. Zu diesem Zeitpunkt sei die Ehe sehr glücklich gewesen und die 1980 zur Welt gekommen Tochter sei auch ein absolutes Wunschkinder gewesen.

Das Glück hielt an, solange seine Ausbildung und seine Berufslaufbahn in geordneten Bahnen verliefen. Nach seiner Genesung von dem Aneurysma legte er seine Fachhochschulreife ab, machte anschließend ein Praktikum als Elektriker und begann sodann ein Religionspädagogik-Studium.

Das schloss er zwar ab, wechselte dann jedoch in den Dachdeckerbetrieb seines Vaters nach Niddatal, wo er trotz seiner Epilepsie zum Dachdecker ausgebildet wurde. 1983 kam es jedoch zu einem großen Streit zwischen Vater und Sohn, woraufhin letzterer die Firma verließ und eine Lehre als Industriekaufmann aufnahm. Auch die schloss er ab, lehnte dann aber eine Anstellung in diesem Beruf ab. Stattdessen wollte er fortan sein Brot zunächst als Vermögensberater, später dann als Kurierfahrer verdienen.

Urteil kommt wohl erst im Herbst

Das Urteil für den Bad Vilbeler Angeklagten ist zunächst für Sommer erwartet worden. Inzwischen rechnet die Staatsanwaltschaft jedoch damit, dass erst im Herbst eine endgültige Entscheidung

clearing

„Nach dem Bruch mit dem Vater hat sich mein Ex-Mann verwandelt. Er wurde herrisch, wollte seine Umwelt dominieren und hielt endlos lange Monologe. Bei Widersprüchen fühlte er sich persönlich angegriffen und reagierte ungewöhnlich harsch“, berichtet die Ex-Ehefrau. Auch sei es zu Handgreiflichkeiten zwischen ihm und ihr gekommen – vor allem, wenn es um die Erziehung der gemeinsamen Tochter ging. Als die Streitigkeiten zwischen den Eheleuten sich häuften und er den Druck auf sie immer mehr verstärkte, nur das zu tun, was er zuvor erlaubt oder gewünscht habe, floh sie 1988 mit ihrer Tochter erst zu ihrer Mutter und später ins Frauenhaus nach Frankfurt.

Bis nach Übersee verfolgt

Das Hin und Her endete schließlich 1990 in der Scheidung, bei der dem Angeklagten das Erziehungsrecht und ihr nur noch ein Besuchsrecht zugesprochen wurde. Zu diesem Zeitpunkt sei auch sie psychisch am Ende und in ärztlicher Behandlung gewesen. „Er hat mir immer wieder Angst gemacht, dass ich meine Tochter nicht wiedersehen würde, wenn ich seine Anweisungen nicht befolgen würde“, erinnert sich die 61-Jährige.

Ein Grund, weshalb sie 1993 mit ihrem neuen Lebensgefährten nach Chile ausgewandert sei, sei auch die furchtbare Angst vor ihrem Ex-Mann gewesen. Der habe ihr nämlich immer und immer wieder aufgelauert und ihr gedroht. „Einmal hat er mir bei einem Streit um Erziehungsfragen sogar ein Messer an die Kehle gehalten. Aber da hat er sich, glaube ich, selber erschreckt“, berichtet sie dem Gericht.

Selbst nach Chile habe er sie verfolgt und ihr einen Brief überbringen lassen, in dem er ihr vorwarf: „Du lügst immer noch in deinen Briefen an deine Tochter. Und deshalb soll dir Gott ein langes Leben schenken, damit du lange darunter leiden kannst, dass du deine Tochter nie wiedersehen wirst.“ Nach diesem Brief habe sie noch mehr Angst bekommen, denn ihre Tochter habe ihr mitgeteilt, dass ihr Vater immer häufiger ausraste und dann unberechenbar sei.

Verteidiger interveniert

Weil auch ihre Tochter nun vor dem Vater Angst gehabt habe, habe sie sich zu der Aussage entschlossen – auch wenn diese ihren Ex-Partner erheblich belaste. Das empfindet offensichtlich auch dessen Verteidiger Carsten Marx so, denn er versucht vergeblich, die Vernehmung zu beenden, da die 61-Jährige eine reine Belastungszeugin sei, die nur wenig zum Tatverlauf sagen könne.

Das aber lehnt das Gericht mit dem Hinweis ab, dass der Angeklagte selber sich nicht zu dem Tatverlauf äußere und das Gericht dessen Umfeld erforschen müsse. Der Prozess wird am 28.April mit der Vernehmung der Freunde des Angeklagten fortgesetzt.

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