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Klima: Notreife! Trockenheit verursacht früheste Weizenernte aller Zeiten

Von Es ist zu trocken – daran ändert auch der leichte Sommerregen von Dienstagabend nichts. „Ein Tropfen auf dem heißen Stein“, nennt ihn Landwirt Michael Steinmetz. 2018 wird für ihn ein defizitäres Jahr, denn bei der Getreideernte gibt es große Einbußen. Und der Blick geht weiter gen Himmel. Regnet es nicht bald, bekommen auch Zuckerrübe und Mais die Trockenheit zu spüren.
Bauer Michael Steinmetz mit seinen Söhnen Marc (links) und Theo (rechts). Bauer Michael Steinmetz mit seinen Söhnen Marc (links) und Theo (rechts).
Bad Vilbel. 

Zum Glück hat sich die Natur für jede Situation etwas einfallen lassen. Auch wochenlange Hitze und Trockenheit sorgen nicht dafür, dass der Weizen auf den Feldern eingeht oder keine Körner hervorbringt. Von einer sogenannten „Notreife“ sprechen die Landwirte: Geht auch das letzte Wasser im Erdboden zu Neige, entwickelt die Pflanze schnell ihr Korn, so gut es geht. Die Pflanze sichert so ihr Überleben. Der Landwirt muss hingegen mit erhebliche Ertragsausfällen leben.

Hitze trocknet Hessen aus

„Ich rechne mit 10 bis 20 Prozent weniger Ertrag als in einem durchschnittlichen Jahr“, berichtet Michael Steinmetz. Dementsprechend sind finanzielle Einbußen am Ende des Jahres für den Bad Vilbeler Landwirt vorprogrammiert. Jetzt müsse schon der Getreidepreis erheblich anziehen, erklärt er. Dafür müsste sich die schwache Ernte allerdings auf dem Weltmarkt bemerkbar machen. Ein Dürre in Deutschland alleine könne da wenig ausrichten.

Kein Tropfen Wasser ist mehr im Feld. Seit Wochen hat es nicht geregnet. Bild-Zoom
Kein Tropfen Wasser ist mehr im Feld. Seit Wochen hat es nicht geregnet.

Harter Wetterumschwung

Dabei begann die Saison gar nicht so schlecht. Nachdem Steinmetz den Weizen im Oktober ausgesät hatte, habe sich dieser im milden und nassen Winter ganz gut entwickelt. Da diese Monate sehr regenreich waren, hätten sich die Wurzeln allerdings nicht allzu tief ausgeprägt. Tiefe Wurzeln hätte das Getreide in der jetzigen Trockenheit jedoch sehr gut gebrauchen können. „Der harte Wetterumschwung macht den Beständen zu schaffen“, blickt Steinmetz zurück, als es im April plötzlich sehr heiß und trocken wurde.

Die Bauern in der Region stellen sich darauf ein, dass ihre Ernte in diesem Jahr geringer ausfällt.
Trockenheit Massive Ernteeinbußen im Kreis Limburg-Weilburg

Die Trockenheit der letzten Wochen bleibt für die heimische Landwirtschaft nicht folgenlos: Mit Ernteeinbußen von rund 20 Prozent rechnen die Landwirte im Landkreis Limburg-Weilburg. Besonders prekär ist die Situation beim Grasschnitt. Manche Kuhbauern verfüttern bereits das Winterfutter.

clearing

Die Folge: Das Getreide ist in diesem Jahr so früh reif wie noch nie. Eigentlich beginnt Steinmetz mit der Weizenernte erst am 20. Juli. „Es muss aber jetzt gedroschen werden“, betont der erfahrene Bauer. Doch so sehr er sich Regen wünscht, bis das letze Korn eingeholt ist, müsse es jetzt noch trocken bleiben. So ist der Ertrag dieses Jahr zwar gering, dafür stimmt die Qualität. Wird es nun zu feucht, würde die Qualität leiden.

Wenn Michael Steinmetz sein Getreide südlich von Dortelweil erntet, staubt es gewaltig. Die Trockenheit zwingt ihn, es einzuholen. Bild-Zoom
Wenn Michael Steinmetz sein Getreide südlich von Dortelweil erntet, staubt es gewaltig. Die Trockenheit zwingt ihn, es einzuholen.

Ist das Weizen schließlich gedroschen, müsse es jedoch dringend regnen, denn auf Steinmetz’ 100 Hektar Land wachsen auch noch Zuckerrüben und Mais. Vor allem Letzterer kommt nun in eine wichtige Wachstumsphase und braucht im Juli und August unbedingt Wasser, um seine Körner auszubilden. Auch die Zuckerrübe ist in dieser Phase auf Wasser angewiesen: „Noch kann viel ausgeglichen werden“, hofft Steinmetz auf Regen in den nächsten Wochen.

Darüber dass es zu Beginn der Woche einen Abend lang geregnet hat, kann Steinmetz nur müde belächeln: „Das verdunstet schneller, als es regnet; diese drei Liter Niederschlag kann man vergessen!“ 30 bis 40 Liter, verteilt über einen ganzen Tag, bräuchte es jetzt, damit die Pflanzen wieder richtig versorgt sind. Zu stark dürfe es allerdings auch nicht regnen. Fällt plötzlicher Platzregen auf den trockenen Boden, würde das Wasser bloß oberflächlich abfließen, statt in den guten Wetterauer Lößlehmboden einzudringen.

Regen auf kleines Gebiet

Denn trotz der Misere weiß Steinmetz, dass er sich glücklich schätzen kann: „Im Vergleich zu anderen Regionen geht es uns hier gut.“ Das bestätigt auch Heinz-Christian Bär, Ehrenvorsitzender des hessischen Bauernverbandes und Landwirt aus Burg-Gräfenrode: „Der Wetterauer Boden, kann sehr viel Wasser speichern und gibt es auch nur langsam wieder ab.“

Er kennt die Probleme von Michael Steinmetz und zahlreichen anderen Bauern der Gegend. Regelmäßig fährt er durch die Gemarkungen und betrachtet die Felder: „Die Situation ist sehr unterschiedlich“, erklärt er. So seien die Gewittergüsse in den vergangenen Wochen auf sehr kleine Gebiete begrenzt gewesen. Während es in Okarben jüngst stark regnete, sei Burg-Gräfenrode hingegen trocken geblieben. Diese Unterschiede könne er nun auf den Feldern der Region sehen.

Auch Michael Steinmetz sucht regelmäßig den Kontakt zu älteren Kollegen. Diese versichern ihm: „Das war alles schon mal da.“ Ist ein Jahr besonders nass, könne das nächste Jahr eben besonders trocken werden. „Jedes Jahr hat so seine eigenen Extreme“, sagt Steinmetz lakonisch: „Fest steht: Nächstes Jahr wird wieder anders.“

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