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TV-Kritik: "Eine Braut kommt selten allein": Rap-Star als Verlierer

Von Als der latent depressive Jonny die bildschöne Sophia bei sich aufnimmt, gerät sein überschaubares Leben bald völlig aus den Fugen.
Foto: rbb Foto: (rbb Presse & Information) Foto: rbb

Seine Ehe ist gescheitert, sein Leben verkorkst. Selbst seine Tätowierungen  jagen niemandem mehr Angst ein: Sie wirken auf Jonny  eher wie der letzte noch halbwegs intakte Schutz gegen seine Umwelt und ihre Ansprüche, denen sich Jonny nicht gewachsen fühlt. Und wie Rapper Sido, mit bürgerlichem Namen Paul Würdig, diesen H4-Looser verkörpert, macht er das schon sehr authentisch. Mit hochgezogenen Schultern, müde und mit schlurfendem Schritt – genauso stellt man sich einen wie Jonny vor.

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Der ehemalige Club-Betreiber und DJ lernt nachts den jungen Roma Avram (Rauand Taleb) kennen, der ihm kurzerhand seine Schwester Sophia (Michelle Barthel) auf Auge drückt. Der junge Mann, ein ziemlich heller Kopf, registriert bald, dass Jonny mehr als nur hilfreiches Interesse an Sophia entwickelt. Und bald sieht sich Jonny in seiner kleinen Sozialwohnung hoffnungslos überfordert: Sophias ganzer Clan kommt aus dem Balkan angereist und quartiert sich bei ihm ein.

Culture-Clash-Komödie mit allem, was dazugehört

"Eine Braut kommt selten allein" ist als typische Culture-Clash-Komödie angelegt und bringt auch die richtigen Zutaten mit. Die Roma-Sippe, die mit ihrem kreischbunten Auftritt Jonnys Leben durcheinanderwirbelt, sorgt für etliche gute Gags in der Handlung. Einen Vorgeschmack darauf gibt es schon in der U-Bahn-Szene, in der Jonny Sophia mit der Hilfe des gesamten Waggons einen völlig neuen Lebenslauf als syrisches Flüchtlingsmädchen eintrichtert.

Um fröhliches Gesetzesübertreten und Austricksen geht es im Film häufiger. Der Tod eines Familienpatriarchen – eine Tätowierung auf dem Arm weist ihn als ehemaligen KZ-Insassen aus – bringt dann eine neue Stimmung in die Geschichte. Und zieht auch die Spannungsschraube an, wenn Sophia Jonny fragt: "Liebst du mich oder kannst du nur nicht sagen nein?" Diesem Satz geht ein heftiger Streit zwischen Jonny und Sophia voraus, der sich positiv auf die Glaubwürdigkeit der Geschichte auswirkt.

Wo der Film Potential verschenkt

Es hätte aber nicht geschadet, wenn dieser Streit früher im Handlungsverlauf eingetreten wäre. Denn auch wenn der Film durch seine Turbulenz bei Laune hält, vernachlässigt er die Beziehung zwischen Jonny und Sophia. Ausgerechnet der wichtigste Teil der Geschichte bleibt deshalb lange zu blass und damit unter seinen Möglichkeiten, auch seinen Möglichkeiten zu mehr Komik.  

Aus Sido und der als Roma-Braut sehr authentisch auftretenden Michelle Barthel hätte die Regisseurin Buket Alakus mit einem in dieser Hinsicht verfeinerten Drehbuch sicher noch mehr herausholen können. Als gutgelaunte Komödie mit wirkungsvollen Stimmungswechseln funktioniert insgesamt aber dennoch gut.

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