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TV-Kritik: "Gift": Ein Thriller, der nicht funktioniert

Von Prominent besetzt und ambitioniert recherchiert, aber erzählerisch arg flach: Warum der Auftakt zum Themenabend "Medikamentenfälschung" floppt.
Günther Kompalla (Heiner Lauterbach) und Interpol-Agentin Juliette Pribeau (Julia Koschitz) in den Fertigungshallen der indischen Firma "Bishen". Foto: BR/diwafilm GmbH Günther Kompalla (Heiner Lauterbach) und Interpol-Agentin Juliette Pribeau (Julia Koschitz) in den Fertigungshallen der indischen Firma "Bishen".
Medikamentenfälschung – ein Milliardengeschäft, das Millionen Tote fordert und von dem einige Leute ausgezeichnet profitieren. So einer wie Günther Kompalla (Heiner Lauterbach), Händler und Chef der Firma , die mit gefälschten Medikamenten handelt. Im Gegensatz zu ihm steht seine Tochter Katrin (Luise Heyer), die als idealistische Ärztin in den Slums der indischen Metropole Mumbai arbeitet.
 
Jetzt hat Kompalla Ärger am Hals: durch die Interpol-Agentin Juliette Pribeau Julia Koschitz), die bei einer Razzia in Tschechien Hinweise auf Kompallas Geschäfte gefunden hat. Und durch einen Unfall, der ihm enthüllt, dass er an Krebs erkrankt ist und nicht mehr lange leben wird. Kompalla will reinen Tisch machen, seine Firma verkaufen und seine Tochter zu seiner Erbin machen, was naturgemäß seinen bisherigen Geschäftspartnern gar nicht gefällt.

Gegensätze, die wütend machen

Der Film ist Auftakt eines Themenabends, der wütend machen und aufrütteln will. Und das gelingt ihm teilweise sogar: etwa, wenn Regisseur Daniel Harrich, der viele Fakten zu dem Film recherchierte und zusammen mit Gert Heidenreich auch das Drehbuch zu diesem Film verfasste, die Gegensätze zwischen den skrupellosen Geschäftemachern und ihrer Glitzerwelt in eindringlichen Bildern inszeniert.
 
Da sind auf der einen Seite skrupellose Manager in Limousinen mit Chauffeur, oder wie Kompalla in der besten und edelsten Hotelsuite der Stadt Mumbai. Eine Welt, in der der Champagner fließt. Und auf der anderen Seite ein halbnackter Junge, dessen Mutter im Elend durch ein gefälschtes Medikament jämmerlich krepiert. Wenn Kompalla seine erkrankte Tochter im Krankenhaus besucht, weiß er schon, was das Wichtigste für sie ist: dass sie die echte Medizin bekommt.

Wenig tragfähiger Plot

Nur, zu einer überzeugenden oder gar spannenden Geschichte will sich das Gezeigte nicht entwickeln. Die Figuren bleiben eindimensional und rein auf ihre moralgebende Funktion innerhalb der Geschichte reduziert. Die einzelnen Handlungsfäden wollen sich nur mit Mühe zu einer tragfähigen Geschichte entwickeln, zumal es auch mindestens einen massiven Logikfehler gibt: Wenn  Agentin Pribeau vermuten muss, dass Pharma-Expertin Edwards (Maria Furtwängler) mit der Fälschermafia in Kontakt steht, warum liefert sie ihr dann noch Informationen?
 
Von einer stringenten Erzählweise ist nichts zu erkennen. Zwischendrin widmet der Film viel Zeit einer Hindu-Hochzeit von Katrin mit sehr viel prächtig-bunter Folklore, aber ohne dass das Gezeigte in der Filmhandlung eine Rolle spielt. Pofallas Wandlung vom skrupellosen Geschäftemacher zum Whistleblower verläuft zwar glaubhaft, zeigt sich spannungstechnisch aber ohne große Ambitionen in die Handlung eingebettet.

"Der dritte Mann" war haushoch besser

Die prominente Besetzung – neben Lauterbach, unsinnigerweise mit Haarteil, sowie Koschitz und Furtwängler ist auch Martin Brambach in einer Nebenrolle zu sehen – bekommt schauspielerisch kaum zu tun. Besonders fällt der F ilm ab, wenn man ihn mit einem klassischen Thriller vergleicht, der ebenfalls den Handel mit gefälschten Medikamenten zum Thema hatte: "Der dritte Mann" von Carol Reed.

Den Film in der Mediathek ansehen.

 

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