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TV-Kritik: "Herrgott für Anfänger": Ein feines Stück Witz

Ein Wiener Taxifahrer mit türkischen Wurzeln gerät in eine groteske Klemme: Er muss sowohl als Muslim als auch als Christ einen glaubwürdigen Eindruck hinterlassen.
Musa (Deniz Cooper) versucht sich auch als Kellner, um ans Ziel seiner Wünsche zu kommen. Foto: BR/Lotus-Film GmbH/ORF/Jana Madzigon Musa (Deniz Cooper) versucht sich auch als Kellner, um ans Ziel seiner Wünsche zu kommen.

"Herrgott für Anfänger" heißt diese Komödie und das Drehbuch sorgt denn auch dafür, dass der Herrgott in Gestalt von Judentum, Islam, Christentum und Buddhismus vor die Kamera tritt. Dabei hat Musa (Deniz Cooper), von Beruf Taxifahrer und von Berufung lässiger Lebeschön mit einigen Tattoos, mit Religion nicht wirklich was im Sinn. Bis er Aisha (Zeynep Bozbay) kennen lernt, die schöne Tochter seines strenggläubigen Chefs, der als Taxiunternehmer einen ziemlich bankrotten Laden führt.

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Bis dato spielte auch die resolute alte Weininger eine Rolle in seinem Leben, eine übellaunige Wirtin, die Musa regelmäßig zu zwei Zwecken benötigte: um sich im Taxi fahren zu lassen und sich über Türken und Muslime auszulassen. Doch dann stirbt die Weininger und ausgerechnet Musa soll ihren Laden erben. Vorausgesetzt, er konvertiert zum Christentum. Das passt weder Miri (Katharina Straßer), der Pächterin des Weininger-Lokals, noch dem Bischof: Für den Fall, dass Musa nicht konvertiert, soll nämlich die Kirche das Lokal erben.

Es geht auch ohne Realismus

Musa will nun Christ werden, das Lokal erben, dann den Laden verscherbeln,mit dem Geld seinem bankrotten Chef unter die Arme greifen und dabei auch noch die schöne Aisha für sich gewinnen. Logo, dass das nur schief gehen kann. Für den Film gilt das zum Glück nicht. Denn dafür, dass man als Zuschauer an die Logik keine allzu hohen Anforderungen stellen sollte, funktioniert das Ding schon bemerkenswert gut.

Auf eine ernsthafte Auseinandersetzung zwischen den Religionen lässt sich "Herrgott für Anfänger" nicht ein. Was sich schnell als kluge Entscheidung entpuppt: Eine turbulente Komödie wäre dafür ohnehin nicht das richtige Genre. Wichtig sind die Gags, die immer absurdere Lügenwelt, in die sich Mus verstrickt. Die Geschichte wirkt vor allem um diese Gags herum konstruiert. Aber man kann dem Film darüber unmöglich gram sein: Dafür zünden die Ideen zu gut und dafür bietet der verliebte Opportunist Musa auch zu viel Identifikationspotential.

Schwung durch Experimente

Dass dabei auch verschiedene Klischees zur Anwendung kommen, ist zu erwarten. Muss eigentlich immer, wenn es um die Kirche geht – wie auch in "Um Himmels Willen" - der Satz „Gelobt sei  Jesus Christus“ fallen? Der Verlust an Qualität hält sich aber noch in Grenzen. Immerhin waren die Macher, anders als in der "Pfarrer Braun"-Reihe mit Ottfried Fischer, klug genug, solche Elemente nicht auch noch über zu betonen.

Überhaupt muss man Sascha Bigler, der sich hier für Co-Autor für das Drehbuch und die Regie verantwortlich zeigt, ein großes Kompliment für sein Handwerk aussprechen: Der Film experimentiert munter mit Musas Stimme aus dem Off, Musas Ansprachen ans Publikum, artgerechten Musik- und Geräuschkulissen, Traumsequenzen, pointiertem Schnitt und der Vorstellungswelt seiner Charaktere. Und schafft es dadurch, der Story durchgehend Schwung zu verleihen und auch einige Sprünge in der Handlung elegant zu überspielen.

Dass er dabei die Figuren nicht vernachlässigt und auch einen Hauch von Tragik mit hineinlässt, rundet das Ganze ab. Es zeigt sich somit als feines Stück Unterhaltung, was Bigler – Sohn der Schauspielerin Christiane Hörbiger – hier abgeliefert hat.

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