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TV-Kritik: "Schmutzige Deals": Bitte mehr Sorgfalt!

Von Der neue Samstagskrimi der "Friesland"-Reihe dreht sich um Gülle und Landmaschinen. In einigen Punkten hätte dabei noch Verbesserungsbedarf bestanden:
Süher Özlügül (Sophie Dal) hat Kommissar Jan Brockhorst (Felix Vörtler) auf den Frerich-Hof gerufen, wo eine Leiche im Güllebecken liegt. Foto: ZDF/Willy Weber Süher Özlügül (Sophie Dal) hat Kommissar Jan Brockhorst (Felix Vörtler) auf den Frerich-Hof gerufen, wo eine Leiche im Güllebecken liegt.

Ein wenig unappetitlich ist dieser Samstagskrimi schon: Kaum hat er angefangen, ergießt sich schon ein Schwall von Gülle über den Leichenwagen von Bestatter Wolfgang Habedank (Holger Stockhaus). Das lässt sich ja noch in einer Autowaschanlage beseitigen, aber kurz danach schwimmt Habedanks Freund und Geschäftskumpel Holger Frerichs (Knud Riepen) tot im Güllebecken. Was Kommissar Jan Brockhorst (Felix Vörtler) Gelegenheit gibt, einige Sätze mit Ausdrücken aus der Fäkalsprache abzusondern.

Für Süher Özlügül (Sophie Dal) und ihren Kollegen Henk Cassens (Maxim Mehmet) ergeben sich durch Frerichs Geschäfte – an denen auch Habedank beteiligt war – eine Reihe von Verdächtigen. Frerich handelte erfolgreich mit Gülle, doch die hatte er nicht mehr den Bauern der Umgebung abgekauft, sondern aus den Niederlanden importiert, weswegen die Landwirte ihre Abfälle nicht mehr entsorgen konnten.

Krimi aus der Landwirtschaft

Besonders Aiko Möldenbrok (Andreas Guenther) macht sich verdächtig: Die Gülle auf dem Hof, den Frerichs Eltern bereits verkauft hatten – und auf dem schon lange keine Tiere mehr gehalten wurden - stammte von seinen Tieren. Insa Scherzinger (Theresa Underberg), Apothekerin und Hobby-Forensikerin, deckte die Verbindung auf und findet sich deswegen im großen Dilemma wieder: Der Mordverdächtige ist ihr Cousin.

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Schon erstaunlich, wie clever das Drehbuch hier einen Krimi um ein Problem herumkonstruiert hat, das vermutlich viele Landwirte betrifft. Nach dem etwas schrägen Auftakt und einigem Fäkalhumor biegt die Geschichte nämlich zum Glück schnell wieder auf die Pfade einer konventionellen, aber gut zubereiteten Tätersuche ab. Wobei sie die emotionalen Verwicklungen auf ein solides Fundament gestellt hat.

Mit anderen Worten: Alle Verdächtigen könnten tatsächlich einen guten Grund gehabt haben, Frerich zu töten. So hatte Frerich das Geld seiner Eltern für eine kaputte Landmaschine ausgegeben. Und in einer Welt, die sich so klein und überschaubar präsentiert wie in der "Friesland"-Reihe, wo jeder jeden kennt, viele miteinander verwandt oder verschwägert sind und das Landleben so präsent gezeichnet ist, erscheint das Geschehen tatsächlich auch glaubhaft.

Mit befremdlichen Details

Einige bekannte TV-Gesichter in Gastauftritten – etwa Johanna Gastdorf als Frerichs Mutter oder Andreas Guenther als melodramatischer Mordverdächtiger machen sich im Samstagskrimi auch immer gut. Allerdings stören einige Schludereien in Drehbuch und Regie. Brockhorsts bärbeißige Arroganz lässt ihn immer wieder als Trottel erscheinen.

Oder Insa Scherzinger, die ihre schicke rote Lederjacke sogar dann trägt, wenn sie sich an der verschmierten Leiche Frerichs zu schaffen macht oder ein Skalpell in der Hand hält. Oder Marie Frerichs, die den Tod ihres Sohnes schon bemerkenswert locker nimmt. Kein Zweifel, "Schmutzige Deals" ist dennoch ziemlich gut geworden. Ein wenig mehr Sorgfalt im Detail hätte trotzdem nicht geschadet.

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