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Couchsurfing und Trampen: Günstig reisen mit Einheimischen

Sie reisen in ferne Länder, lernen dort fremde Menschen kennen und entdecken mit ihnen zusammen das Reiseland. Durch die Hilfe von Einheimischen zahlen Schnäppchenjäger weniger als 10 Euro pro Tag. Ist das wertvoller kultureller Austausch oder Schnorrerei?
Auf seinen Reisen isst der Kroate Tomislav Perko (links) oft bei und mit Einheimischen - zahlen muss er dafür häufig nicht. Bilder > Foto: Tanja Vukovic/Tomislav Perko/dpa-tmn Auf seinen Reisen isst der Kroate Tomislav Perko (links) oft bei und mit Einheimischen - zahlen muss er dafür häufig nicht.
San Francisco. 

Vor einigen Jahren sorgte der Fall eines dreisten Chinesen für Aufsehen. Er hatte ein Erste-Klasse-Ticket bei Eastern China Airlines gekauft, Abflug in Xi'an. Im Ticketpreis enthalten waren Buffet und Getränke in der VIP-Lounge des Flughafens.

Das gefiel dem Mann so gut, dass er seinen Flug ganze 300 Mal kostenlos umbuchte, um jeden Tag aufs Neue zum Flughafen zu gehen und in den Genuss der Gratiskost zu kommen. Die meisten Reisenden sind freilich weniger dreist.

Um nahezu umsonst reisen zu können, nutzen viele Globetrotter die Hilfsbereitschaft von Einheimischen. Die bekannteste Plattform für kostenlose Übernachtungen bei Gastgebern vor Ort ist Couchsurfing. Für den Kroaten Tomislav Perko ist es die beste Möglichkeit, günstig unterzukommen. Er reist seit Jahren mit sehr wenig Geld um die Welt und teilt seine besten Tipps in Büchern und auf Veranstaltungen.

Wer sich das Geld für Busfahrten, Taxis oder gar Inlandsflüge sparen möchte, der trampt. „Für das Trampen benötigt man Zeit, aber es funktioniert”, sagt Perko.

Und wie versorgen sich reisende Sparfüchse? Frühstück erhält Perko manchmal von seinem Gastgeber. Bietet dieser nichts an, wird etwas Günstiges im Supermarkt gekauft und in der Unterkunft gekocht. Kostenlose Ausflüge und Aktivitäten vor Ort sind oft ebenfalls mit Hilfe des Gastgebers möglich - denn der bietet nicht selten eine Sightseeing-Tour an, kostenlos versteht sich.

Doch ist es nicht egoistisch, auf Kosten anderer zu reisen, die zum Beispiel ihre Wohnung zur Verfügung stellen? Nicht unbedingt, zumindest nicht beim Couchsurfen. „Es ist nicht notwendig, dass Couchsurfer ihren Gastgebern im Gegenzug zur Übernachtung etwas geben”, sagt Allison Shea, Marketingdirektorin bei dem Unternehmen. „Allerdings wird erwartet, das Couchsurfer die Bleibe so oder gar besser hinterlassen, als sie sie vorgefunden haben.” Reisende könnten außerdem Geschenke aus dem Heimatland mitbringen und mal ein Bier ausgeben. Man revanchiert sich mit kleinen Aufmerksamkeiten.

Die meisten Gastgeber, die Fremde umsonst bei sich aufnehmen, haben keine finanziellen Motive. „Einige Gastgeber nehmen Reisende auf, um eine neue Sprache mit Hilfe von Muttersprachlern zu lernen”, sagt Shea. „Familien wollen ihren Kindern neue Kulturen und eine Toleranz gegenüber verschiedenen Lebensweisen lehren.” Neugier und kultureller Austausch stehen im Vordergrund.

Aber natürlich funktioniert diese Art des günstigen Reisens nur mit Hilfe gastfreundlicher Einheimischer. Viele Reisende sind sich dieses Umstands bewusst. Für Tomislav Perko zählt daher, seinen Gastgebern „respektvoll zu begegnen” und „sich auf den Gastgeber einzulassen”, wie er sagt. Der Kroate stellt in Zagreb außerdem regelmäßig selbst seine Couch zur Verfügung. Echte Schnorrer seien ihm noch nicht untergekommen. In der Regel wird das angeboten, was der Gastgeber vorsieht. „Nach einem Mittagessen, einem Bier oder Eintrittsgeld würden Couchsurfer niemals fragen.”

Dieser Ansicht ist auch Kashyap Bhattacharya, der seit Jahren den Blog Budgettraveller.org betreibt. Er sagt: „Backpacker sind nicht geizig, sondern sie wollen eine andere Art des Reisens erfahren.” Die Begegnungen mit Einheimischen und das Kennenlernen eines Landes aus den Augen der heimischen Menschen stehen dabei im Vordergrund. Sei kein Geizhals, sei freundlich, empfiehlt Bhattacharya.

Klar, mit einem entspannten Pauschalurlaub hat diese Reiseform sicherlich nichts zu tun. Auch Tomislav Perko gibt zu: Das ist manchmal ganz schön anstrengend. Aber man lernt einiges über das Reiseland und spart obendrein noch richtig viel Geld.

(Von Steven Hille, dpa)
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