Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Triathlon: Nicole Ensminger: Mit viel Kampfgeist zur Europameisterschaft

Beim SC Westerbach Eschborn schwimmt Nicole Ensminger, beim MTV Kronberg macht sich die Triathletin auf dem Rad und für die Laufstrecke fit. Für ihren Fleiß wurde sie mit einem ganz besonderen Brief belohnt.
Voll in ihrem Element: Nicole Ensminger liebt es, im Wettkampf alles zu geben. Das Bild zeigt sie bei den Europameisterschaften in Düsseldorf. Bilder > Foto: Ann-Kathrin Reder anka.reder@gmail.com Voll in ihrem Element: Nicole Ensminger liebt es, im Wettkampf alles zu geben. Das Bild zeigt sie bei den Europameisterschaften in Düsseldorf.
Kronberg/Eschborn. 

Es passiert nicht so häufig, dass ein Schriftstück den Leser zu Tränen rührt. Im Falle von Nicole Ensminger ist aber genau das passiert, als sie im Mai Post von der Deutschen Triathlon Union bekam. „Als ich den Brief mit der Nominierung für die Europameisterschaft gelesen habe, da kamen mir die Tränen“, berichtet die 36-jährige Athletin des MTV Kronberg. Doch unter die Glücksgefühle über die erste Benennung in die deutsche Auswahl mischte sich auch eine gehörige Portion Wehmut, denn eigentlich kam das Ganze zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt für die Triathletin.

„Ich hatte mir im vergangenen Oktober einen Ermüdungsbruch im Fuß zugezogen“, erzählt Nicole Ensminger. Vom Topzustand war die Triathletin also weit entfernt, an Bestleistungen war nicht zu denken. Die Einladung musste sie aber annehmen. „Man weiß nicht, wie oft man dazu noch die Gelegenheit bekommt“, sagt sie. Vor allen Dingen nicht, wenn man eine solche Leidenszeit hinter sich hat.

Ein Karriere-Höhepunkt

Ende Mai erhielt sie grünes Licht von ihren Ärzte, im Juni ging es nach Düsseldorf. Bei der EM belegte Nicole Ensminger den 27. Platz mit einer Zeit von 1:25:44 Stunden. Hört sich nicht schlecht an nach 750 Metern Schwimmen, 20 Kilometern Radfahren und 5 Kilometern Laufen, war aber bitter für die ehrgeizige Ausdauersportlerin. „Es war die gleiche Strecke wie bei den deutschen Meisterschaften im Vorjahr“, erklärt sie, „und mit der Zeit, die ich damals gelaufen bin, hätte es locker für die Top 10 gereicht.“

Schließlich waren es die sehr guten Ergebnisse aus dem Jahr 2016, mit der sie sich das EM-Ticket verdient hatte: hessische Meisterin in der Sprint- und Olympiadistanz, Zweite bei den hessischen Meisterschaften im Freiwasserschwimmen, Zweite bei den deutschen Meisterschaften auf der Sprintdistanz, dazu ein achter Platz beim Bundesfinale der Masters-Schwimm-Teams in München. Dort sprang sie für den SCW Eschborn ins Becken.

Besonders kurios – und rückblickend auch gefährlich – ist die Tatsache, dass Ensminger in München mit dem Ermüdungsbruch im linken Bein schwamm, den sie sich kurz zuvor zugezogen hatte, der aber bei zwei ärztlichen Untersuchungen unentdeckt geblieben war. „Ich war erst in der Notaufnahme, später beim MRT“, berichtet sie, „beide Male wurde nichts dergleichen gesehen“.

Beinahe Sportinvalide

In der Notaufnahme habe sie sogar erzählt bekommen, eine Knochenhautentzündung sorge für die starken Schmerzen. „Man hat mir gesagt, dass ich die Krücken, mit denen ich ins Krankenhaus kam, eigentlich gar nicht brauchen würde.“ Eine krasse Fehldiagnose, die für sie zum Glück ohne weitere Folgeschäden blieb. Zumal Ensminger einige Jahre zuvor nur knapp der Sportinvalidität entkommen war. „2012 musste ich mich einer OP unterziehen, bei der zwei Nerven beschädigt wurden“, erinnert sie sich, „bis 2015 folgten weitere acht Operationen. Erst dank eines Spezialisten wurde mein linkes Bein gerettet, das ansonsten wohl steif geblieben wäre.“ Vor diesem Hintergrund kann Nicole Ensminger jene EM, bei der sie nicht ans Limit gehen konnte, aber dabei war, ganz anders einordnen. Eine gewisse Enttäuschung bleibe schon, aber die Gesundheit stehe an erster Stelle.

Dass sie eines Tages als Triathletin im Bundeskader stehen würde, war zu Beginn ihrer Laufbahn noch gar nicht abzusehen. Nicht, weil es ihr an Talent mangelte, sondern weil sie nur schwamm. Auch Rollschuhlaufen und Judo hatte sie ausprobiert, legte sich mit zehn Jahren aber aufs Schwimmen fest, und trainierte dann – inzwischen umgezogen – bei der SG Frankfurt während der Schulzeit zweimal am Tag. Erst morgens vor dem Unterricht, dann abends noch mal, und vor dem Schlafengehen wurden die Hausaufgaben erledigt.

Heute ist Ensminger selbst Lehrerin an der Altkönigschule in Kronberg. Daher zieht bei der Studienrätin auch die Ausrede nicht, es sei keine Zeit für die Hausaufgaben gewesen. „Das“, schmunzelt sie, „ist eine Frage des Zeitmanagements.“

Im Winter wird es hart

Apropos Zeit: Davon hat Nicole Ensminger nun, da die Saison vorüber ist, genügend, um sich und ihren Körper auf Topniveau zu bringen. Für die „leidenschaftliche Wettkämpferin“, wie sie sich bezeichnet, sei der Winter die härteste Zeit. „Für mich geht vieles über Motivation, weniger über das Training“, sagt sie. Und am motiviertesten sei sie nun mal direkt vor Wettkämpfen. Wer sie erzählen hört, wundert sich nicht, verwundert es auch nicht, dass sie sich 2009 nach dem Wechsel zum Triathlon gleich an den Ironman wagte. „Alle haben gesagt, ich sei verrückt“, erinnert sie sich, „am Ende war ich auch froh, überhaupt ins Ziel gekommen zu sein.“ Die Energieriegel während des Wettkampfes sei sie nicht gewohnt gewesen, habe Magenkrämpfe bekommen und sei ins Ziel spaziert. Freilich schreckte sie das nicht ab, 2011 und 2015 in Frankfurt nochmals zu starten. Nicole Ensminger ist eben eine echte (Wett)Kämpfer-Natur.

Mehr aus Hochtaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse