E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige 28°C

Handball: Wir für Michael

Von Wenn ein Mensch geht, hinterlässt er eine Lücke. Im Falle von Michael Brandscheid ist sie in der Handballszene groß. Die Partie am Samstag in Hattersheim zu seinen Ehren soll der Beginn von jährlichen Benefizspielen sein.
Im Dienste der Gesundheit: der verstorbene Physiotherapeut Michael Brandscheid aus Oberursel. Foto: Marcel Lorenz Im Dienste der Gesundheit: der verstorbene Physiotherapeut Michael Brandscheid aus Oberursel.
Oberursel. 

Ohne den Trainern dieser Welt zu nahe zu treten. Es gibt einen Funktionsträger, der für eine Handballmannschaft manchmal noch wichtiger ist: der Physiotherapeut. Denn es vergeht kaum eine Woche in einer Saison, in der in diesem körperbetonten Sport alle Spieler fit sind. Oftmals sind es die Wehwehchen wie Prellungen, Zerrungen oder kleine Muskelfaserrisse, die einer mehr oder weniger längeren Pause bedürften, wenn da nicht der Mann oder die Frau mit den „heilenden Händen“ wäre.

Michael Brandscheid war so ein „Physio“, der sich neben seiner eigentlichen Erwerbstätigkeit in seiner Freizeit noch in unzähligen ehrenamtlichen Einsätzen dafür aufopferte, dass Sportler schneller gesunden. Für mehrere Mannschaften war er aktiv, zuletzt, bis ihn seine schwere, heimtückische Krebserkrankung zu schwach werden ließ, betreute er offiziell die Drittliga-Handballerinnen der TSG Eddersheim, aber eigentlich – etwas weniger offiziell – auch die Damenmannschaft der TSG Oberursel. Als Michael Brandscheid am 3. März im Alter von 66 Jahren starb, hinterließ er eine große Lücke. In seiner Familie, in seinen Vereinen, in der regionalen Handballszene.

„Jeder, der etwas hatte, konnte zu ihm kommen“, beschreibt es die Oberurseler Spielerin Viktoria Heilmann, „unter Handballern kennt jeder den Michael.“ Es sei ein treuer und liebenswürdiger Mensch gegangen, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht habe, anderen Menschen zu helfen, schreibt die Mannschaft auf ihrer Facebook-Seite.

Um des beliebten Physiotherapeuten zu gedenken, veranstalten die befreundeten Handballerinnen der TSG Eddersheim und TSG Oberursel ein Freundschaftsspiel. Es wird am Samstag um 15 Uhr in der Hattersheimer Sporthalle am Karl-Eckel-Weg angepfiffen, und es ist mehr als ein Gedenkspiel. Die Sportlerinnen, die so lange vom medizinischen Wissen des Michael Brandscheids profitierten, würden gerne eine jährlich wiederkehrende Benefizaktion daraus machen.

Zum Auftakt von „Wir für Michael“ erhält die Familie des Verstorbenen die Erlöse, die aus dem Spiel zwischen dem Drittliga-Meister von 2017 und dem hessischen Vizemeister resultieren. Der Eintritt kostet 3 Euro. In Zukunft möchten die Initiatoren das Geld an Einrichtungen weitergeben, die anderen Menschen helfen. Wie zum Beispiel an die Palliativstation oder das Hospiz, in dem sich Michael Brandscheid gut betreut fühlte.

Fast 40 Jahre im Einsatz

Der dreifache Familienvater aus Oberursel war fast 40 Jahre lang als Physiotherapeut tätig. 1978 hatte er den Bundesliga-Aufstieg der TSGO-Frauen miterlebt. Fünf Jahre später wurde er dann vom damaligen Abteilungsleiter Jochen Krusch angesprochen, ob er Interesse daran hätte, die Betreuung der Spielerinnen zu übernehmen. Brandscheid sagte zu und war bis 1995 bei der TSG Oberursel nicht mehr wegzudenken. Nach seiner Orscheler Zeit half er beim TV Hattersheim mit, ehe sein Sohn Philip zur TSG Münster wechselte – und sein Papa mit ihm. „Es war die schönste Zeit“, hat er einmal über die neun Jahre bei den Kelkheimern gesagt – vier davon als „Physio“ einer Zweitliga-Mannschaft.

Über den damaligen Trainer der Männermannschaft, Thorsten Schmitt, landete Brandscheid bei der TSG Eddersheim. Erst bei den Herren, dann 2016 bei den Damen, für die auch seine Tochter Nora schon spielte. Und nachdem Gabi Sellner aufgehört hatte, waren auch wieder Oberurseler Spielerinnen regelmäßig bei ihm zu Hause willkommen, um sich von ihm behandeln zu lassen. „Seine Leidenschaft mit dem Handballsport verband er hingebungsvoll mit seinem Bedürfnis, Menschen zu helfen“, schreiben die TSGO-Damen auf Facebook. „Dabei war es ihm egal, welches Trikot die oder der Verletzte getragen hat.“

Seine Tochter Nora, inzwischen in der 2. Mannschaft der TSGO spielend, wird sich am Samstag für eine Halbzeit ein Eddersheimer und für eine Halbzeit ein Oberurseler Trikot überstreifen. So, wie es zuletzt quasi ihr Vater getan hat.

Mehr aus Hochtaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen