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Schwimmen: Hofheimer Schwimmerinnen zieht es in die USA

Von Sie sind lange für den Hofheimer Schwimmclub geschwommen. Doch jetzt absolvierten Ester und Sara Rizzetto sowie Carolina Walch ihr Abitur und werden im Sommer studienbedingt in die USA gehen.
Sie lernen neue Trainingsstätten kennen: Sara Rizzetto, Carolina Walch und Ester Rizzetto (von links) studieren ab dem Sommer in den USA. Sie lernen neue Trainingsstätten kennen: Sara Rizzetto, Carolina Walch und Ester Rizzetto (von links) studieren ab dem Sommer in den USA.
Hofheim. 

Trainer Volker Kemmerer freut sich für seine Schwimmerinnen aus dem Leistungskader. „Ich bin froh, dass sie diesen Weg gehen können. Sie haben sich alle die Möglichkeit geschafft, ihren Leistungssport mit einer studienbedingten Ausbildung zu verbinden und bekommen dort ein fast hundertprozentiges Stipendium“, berichtet er.

Schwimmkurs als Anfang

Kemmerer und seine Mitstreiter im Trainerteam des Hofheimer SC haben über viele Jahre die drei Schwimmerinnen begleitet, die alle drei mit einem Schwimmkurs ihren Sport begonnen hatten. Dort war schnell zu sehen, dass sie in diesem Sport mehr erreichen können. Die Schwestern Rizzetto begannen in Wiesbaden, ehe sie nach Hofheim wechselten. Carolina Walch wohnt nicht weit entfernt von der Rhein-Main Therme und begann beim Hofheimer SC. Mit ihrem Trainingsfleiß machte sie große Fortschritte. Bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2014 holte sie über 200 m Brust einen starken dritten Platz und damit die Bronzemedaille. „Seit 2009 schwimme ich wettkampfmäßig“, erzählt sie, „sechs Jahre war ich im Leistungskader und hatte 2014 mein bestes Jahr. Erst im Januar 2018 kam ich wieder an dieses Leistungsniveau heran, danach habe ich wegen meines Abiturs auch nicht im vollen Umfang trainieren können“.

Sara und Ester Rizzetto begannen als Neunjährige in Wiesbaden, wechselten später nach dem Umzug nach Hofheim kam. Beide nahmen ebenfalls erfolgreich mit guten Platzierungen bei deutschen Meisterschaften teil. Alle drei waren Stützen der Mannschaft, die den Hofheimer SC mittlerweile über Jahre in der 2. Bundesliga etabliert haben. Nun wollen alle drei den nächsten Schritt gehen. Dabei haben sie die volle Unterstützung ihres langjährigen Trainers: „Sie haben viele Jahre ihren Sport betrieben. Nun möchten sie ihn weiter ausüben, das macht mich froh und stolz. Ich habe meinen Teil an ihrer Entwicklung beigetragen und hoffe nun, dass für alle drei der Weg gut weitergeht.“ Er verhehlt nicht, dass sie ihm in der Mannschaft fehlen werden, aber ihre persönliche Entwicklung hat auch für ihn Priorität. „Ich werde mal abwarten, wen ich bei der DMS habe. Auf jeden Fall wird es schwer, in der 2. Bundesliga zu bleiben“, sagt der Trainer.

Studium und Sport

Für Kemmerer zählt aber etwas Anderes: „Es freut mich schon, dass Ester, Sara und Carolina ihren Leistungssport nutzen können, um sich in den USA ein Studium für wenig Geld leisten zu können. Dort gehen die Professoren auch auf die Sportler ein und nehmen auf ihr Training in der Regel Rücksicht.“ Eine Chance für seine drei Schützlinge, die sie in Deutschland nicht haben würden. Dort hat ein Student als Leistungssportler wahrlich keine guten Karten, sein Studium mit seinem Leistungssport zu verbinden.

Über eine Agentur bewarben sich die drei Hofheimer Schwimmerinnen in den USA. Zumeist völlig selbstständig stellten sie ihre Bewerbungsunterlagen zusammen, drehten Videos, stellten ihre erreichten Ergebnisse zusammen und bestanden auch die obligatorischen Tests, ohne die ein Studium in den USA gar nicht möglich ist. Danach erhielten zahlreiche Angebote. „Sara war die Erste, die einen Studienplatz hatte“, berichtet Kemmerer. Sie wird in Philadelphia an der La Salle Universität in einem starken College-Team studieren. Ihre Schwester Ester entschied sich für die University of West Florida in Pensacola. Im gleichen Staat ist auch Carolina Walch untergekommen. Sie wird an der Saint Leo University in Saint Leo etwa eine halbe Stunde von Tampa entfernt studieren.

Keine Alternativen

„Ich wollte nicht einfach nach dem Abitur mit dem Schwimmen aufhören“, erzählt Carolina Walch, „zuerst hatte ich mir überlegt, als Au-Pair in die USA zu gehen. Das hätte mir auch Spaß gemacht, aber ich hätte das hinten und vorne nicht hinbekommen“. Sie hörte zwar von den Plänen ihrer Teamkolleginnen, die offen über das Thema sprachen. „Sie war sich lange nicht sicher, ob es der richtige Weg für sie ist“, erklärt ihr Trainer Volker Kemmerer, „aber sie hat es dann auch durchgezogen“.

Ursprünglich wollte Carolina Walch erst einmal ein Jahr ins Ausland gehen und eine Pause machen, ohne dabei ihren Sport aufgeben zu müssen. „Nun werde ich studieren und gebe mir erst einmal ein Jahr, um dort hereinschnuppern zu können. Ich schaue dann, wie es weitergeht“, sagt sie. Tendenzen hat sie: „Ich hätte gerne Sportwissenschaft studiert, weil es mich wirklich interessiert. Aber vielleicht mache ich auch etwas wie Psychologie.“ Ein Fach hat sie sich noch nicht ausgewählt.

Carolina Walch hatte nach der Bronzemedaille 2014 eine Phase, in der sie sich nicht mehr steigern und die bei den deutschen Meisterschaften 2014 gezeigten Leistungen einige Jahre lang nicht mehr erreichen konnte. „Im Januar 2018 war es wieder besser, doch konnte ich die Trainingsumfänge nicht halten, weil ich für meine Abiturprüfungen gelernt habe“, berichtet sie. Nun möchte sie einmal sehen, wie es geht, wenn das Training im Studium integriert ist. „Ich bin gespannt, ob ich meine Leistung mit den höheren Trainingsumfängen steigern kann. Ich wollte unbedingt ins Ausland, habe auf der Universität einen strukturierten Ablauf, bei dem ich regelmäßig im vollen Umfang trainieren kann“, ist sie voller Vorfreude auf diese neue Erfahrung. Sie ist froh, diesen Weg gehen zu können, hatte zwar vor einigen Jahren bereits in der Schule davon gehört, dass es diese Möglichkeit gibt, doch anfangs gezögert.

Der Sport gibt viel

Auf der anderen Seite war da natürlich auch ihr Verein, in dem sie viele Freunde gefunden hatte und bei dem sie so viel erreicht hatte. „Ich konnte mir lange nicht vorstellen, jemals den Verein zu wechseln“, erzählt sie. Als sie sich aber mit dem Gedanken konfrontieren musste, mit dem Schwimmen nach dem Abitur aufhören zu müssen, informierte sie sich über diese Möglichkeit, ihren Sport neben einem Studium weiterbetreiben zu können. „Ich wusste lange nicht, was ich wollte“, sagt die ehemalige Hofheimer Schülerin, „vor einem Jahr sahen meine Pläne ganz anders aus.

Nun wird sie wie Sara und Ester Rizzetto ein neues Bildungssystem kennenlernen, in dem es möglich ist, Leistungssport auf sehr hohem Niveau zu betreiben und trotzdem studieren zu können. Der Gang in die Vereinigten Staaten gibt ihnen die Möglichkeit, ein Sport-Stipendium zu erhalten, das ihren Aufenthalt und das Studium dort zu einem großen Teil finanzieren wird.

Profi-Bedingungen

Die amerikanischen Hochschulen legen Wert auf erfolgreiche College-Mannschaften. So bezahlen sie Unterkunft und Studienkosten, bieten erstklassige Sportstätten, haben hauptamtliche Trainer verpflichtet, die mit einem ganzen Trainerstab die Trainingseinheiten leiten. Es gibt Athletik- und Konditionstrainer, dazu Co-Trainer aus ehemaligen College-Sportlern, die dort noch studieren. Zudem werden die Schwimmer von Physiotherapeuten betreut. Für die Hofheimer Schwimmerinnen wird es nie bessere Bedingungen geben, doch müssen sie ihre Leistungen bringen, nach denen sich auch das Stipendium richtet. Trotz des hohen Trainingsaufwands ist das Studium aufgrund der engen Verzahnung und der kurzen Wege sehr gut zu bewältigen.

Carolina Walch muss sich noch etwas daran gewöhnen, ihre gewohnte Umgebung zu verlassen. Doch hat sie für sich diese Entscheidung getroffen: „Damit bin ich zufrieden. Ich freue mich auf diese Zeit. Das wird für mich eine Mega-Erfahrung, die mir keiner mehr nehmen kann.“ Und vor Weihnachten wird sie wie Ester und Sara Rizzetto mit Sicherheit wieder nach Hofheim kommen und dann wieder im Kreis ihrer Familie sein, ehe ihr Studium im neuen Jahr weitergehen wird.

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